Über

das melancholische Kind in mir... Seit ich mich erinnere versuche ich mich mit Geschichten, Gedichten und vieles mehr in der Welt zurecht zu finden. Das liest sich vielleicht jetzt schon etwas uebertrieben und melancholisch, aber so bin ich und meine Schreibweise nun mal. Wenn dir die Texte gefallen, wuerde ich mich sehr ueber konstruktive Kritik freuen. Wenn nicht, dann lies dir bitte einen anderen Blog durch und lass meinen in Ruhe! Danke! :D

Alter: 22
 


Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
war ich jeden Tag etwas anderes. Am liebsten Piratin :D

Wenn ich mal groß bin...:
werde ich Feuerwehrfrau! :D

In der Woche...:
werde ich noch Klettern gehen

Ich wünsche mir...:
, dass ich meine Fantasiewelt immer behalten kann

Ich glaube...:
an vieles...

Ich liebe...:
gute Buecher und Regenwetter!

Man erkennt mich an...:
meiner Verruecktheit?!

Ich grüße...:
meine Mami und meinen Papi :D



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Blog

Ich mache was ich will...

Mein Name ist Lucida und ich bin die kleine Schwester von Aragorn. Man sieht es mir nicht an, aber in mir stecken eine große Kämpfernatur und sehr viel Energie. Auch wenn alle mich mit Samthandschuhen angreifen, zeige ich was ich kann. Eigentlich wollte ich immer mit meinem Bruder durch die Wälder streifen, aber davon hielt er nicht allzu viel und so durfte ich in Minas Tirith bleiben. Boromir und Faramir kenne ich schon länger dadurch. Ich wurde älter und durfte dann endlich meine eigenen Entscheidungen treffen. So packte ich meine Sachen und streife wie mein Bruder durch die Welt. In Bruchtal komme ich gerade rechtzeitig als zum Ringrat gerufen wird. Gegen den Willen von Aragorn bin ich einer der Gefährten und bin im Krieg voll dabei. Aber als dieser vorbei ist, hat sich Aragorns Verhalten kein bisschen geändert. Mal sehen wie es weitergeht... Meine Schritte hallen verzehrt von den Wänden wieder, als ich durch das Schloss laufe. Um nicht hinzufallen, halte ich den Saum meines Kleides nach oben. „Prinzessin Lucida! Bitte! Ihr wisst doch, dass ihr nicht laufen dürft. Das macht keine Prinzessin“, ermahnt mich mein ehemaliges Kindermädchen und ergreift den Saum meines Kleides. „Seht euch an. Durch das Laufen habt ihr eure Frisur ruiniert“, bemerkt sie und zupft gleich an meinen Haaren herum. Nur sehr schwer konnte ich mir ein Augenverdrehen verkneifen. „Ich muss schnell weiter, bitte“, würge ich sie ab, während ich mein Kleid wieder nach oben raffe. „Aber Prinzessin...“, ruft sie mir noch hinterher, aber ich bin schon weg. Diesmal etwas langsamer spurte ich den Gang entlang, aber nur um sofort wieder angehalten zu werden. Aragorn ergreift meinen Arm und lacht leise. „Na, na. Wo wollen wir denn so schnell hin?“, fragt er mich, während ich leise seufze. Wenn das so weitergeht komme ich nie bei meinem Ziel an. „Zu...Faramir“, antworte ich ihm zögernd. Mein Bruder lässt meinen Arm los, während er skeptisch die Augenbrauen nach oben zieht. „Habt ihr etwas vor?“, setzt er das Verhör weiter und jetzt bin ich an der Reihe die Augenbraue skeptisch nach oben zu ziehen. „Er hat vorgeschlagen einen Ausflug zu machen“, erkläre ich ihm. „Schön! Ich glaube, ich habe ihn vorhin im Garten gesehen“, erinnert er sich und nimmt kurz eine Denkerpose ein. „Danke, Ari“, säusele ich mit einem perfekten Wimpernaufschlag und drücke ihm einen Kuss auf die Wange. So schnell wie es in den furchtbaren Stöckelschuhen geht, zische ich durch die Gänge. Bei den Treppen muss ich meinen Fehler fast bereuen. Vor der letzten Stufe rutsche ich aus dem Höllenschuh und falle. Gott sei Dank nur kurz, weil mich jemand blitzschnell auffängt. „Ist bei euch alles okay?“, sorgt sich Faramir und lächelnd nicke ich. „Also was ist jetzt mit dem Ausflug, den ihr mir versprochen habt?“, frage ich ihn und einen Moment lang lacht er auf. „Ihr brecht euch fast ein Bein nur wegen einem Ausflug? Ich müsste noch etwas mit Aragorn besprechen und dann können wir los“, erklärt er, während er mir über die Wange streicht. Nachdenklich ergreift er eine Haarsträhne von mir und zwirbelt diese zwischen seinen Fingern. „Offen stehen sie euch besser“, sagt er plötzlich und greift entschlossen nach meiner Haarspange. Ganz vorsichtig zieht er sie raus und meine Haare fallen golden über meine Schultern. Der Augenblick war kurz...zu kurz. „Packt schon mal eure Sachen und wartet am Tor. Ich werde gleich euch sein“, bittet Faramir mich und ich nicke schüchtern. Als ich die Treppen wieder nach oben gehen wollte, bemerke ich, dass ich meinen Höllenschuh ja noch immer auf der Stufe habe liegen lassen. „Das ist ja fast wie im Märchen“, scherzt mein Freund und nimmt den Schuh in seine Hand. „Darf ich bitten?“, fragt er mich höflich und verbeugt sich tief vor mir. Grinsend raffe ich mein Kleid hoch und Faramir hält mir den Schuh einladend hin. „Vielen Dank, Herr Faramir“, bedanke ich mich und schlüpfe hinein. „Faramir! Aragorn wartet schon! Lucida, schön euch zu sehen!“, ruft Boromir seinem Bruder zu, während ich ihm kurz zu winke. Faramir greift schnell nach meiner Hand und küsst diese ganz sanft, bevor er sich umdreht und die Stufen hochhechtet. Wie paralysiert stehe ich noch einen Moment da. Heimlich sehe ich nach links und rechts. Niemand ist da. Also kann mich auch niemand ermahnen. Vorsichtig ziehe ich die Schuhe aus und seufze erleichtert. Die Höllenschuhe trage ich in der Hand, als ich die Treppe nach oben gehe. Träumend gehe ich durch die Gänge. Stimmen werden lauter und neugierig wie ich doch bin, schleiche ich mich näher ran. „Ihr müsst euch um meine Schwester kümmern. Sie überschätzt sich öfters“, ... Aragorns Stimme... Es hat sich also nichts geändert. Traurig blicke ich auf den Boden. „Aragorn. Ich kann eure Sorge gut verstehen, aber sie ist eure Schwester. Habt Vertrauen in Lucida und sie wird euch überraschen“, widerspricht jemand meinem Bruder. Überrascht erkenne ich Faramir. Wenigstens er hat Vertrauen in mich. Ohne einen Laut zu machen schleiche ich mich in mein Zimmer. Einerseits beflügelt, doch andererseits niedergeschlagen packe ich einige wichtige Sachen in einen Rucksack. Was braucht Aragorn denn noch?! Ich habe beim Ringkrieg mitgekämpft und überlebt! Als ich die Türe vom Kasten öffne, der nächste Schock, der mich überwältigt. Nur Kleider in verschiedensten Farben hingen darin, aber keine einzige Hose! Mein ehemaliges Kindermädchen kann es aber auch wirklich übertreiben. Grummelig stelle ich den Kasten auf den Kopf und da entdecke ich im hintersten Eck eine Hose in Olivgrün. Schnell aus dem Kleid raus und in gescheite Kleidung hinein. Plötzlich wird es dunkel um mich, als ich den Rucksack nehmen möchte. „Überraschung“, flüstert mir jemand ins Ohr und erschrocken lege ich meine Hände auf die, die meine Augen zuhalten. „Das ist wirklich eine Überraschung. Ich dachte, wir treffen uns am Tor“, antworte ich Faramir und ich kann wieder etwas sehen. „Als ich so durch die Stadt mit Aragorn wanderte, entdeckte ich etwas, das perfekt zu euch passen würde. Ich konnte es einfach nicht mehr erwarten es euch zu überreichen“, erklärt er und kramt dieses Etwas aus seinem Rucksack. „Tada!“, ruft er und zieht ein orangenes Tuch aus dem Inneren des Rucksackes. „Oh mein Gott, Faramir! Es sieht wundervoll aus“, staune ich und lächelnd legt er es mir um den Hals. Der Stoff ist leicht und seidig. Das helle Orange wurde durch ein paar dünne schwarze Fäden durchzogen. „Aber... Ich habe gar nichts für euch“, bemerke ich traurig und blicke auf den Boden. „Euch glücklich zu sehen ist das Einzige was ich will“, winkt er ab, aber ich wollte mich bei ihm bedanken. So komme ich einen Schritt näher und drücke ihm einen dicken Kuss auf die Wange. Er wird plötzlich ganz rot im Gesicht und bevor ich etwas sagen konnte, zieht er mich an der Hand aus dem Zimmer. „Wir müssen uns beeilen, sonst entdeckt uns euer ehemaliges Kindermädchen noch“, erklärt er die Sache, aber ich habe eine andere Vorahnung, wieso wir so schnell aufbrechen müssen. So wie er meine Hand hält fühle ich mich wirklich beflügelt und glücklich. Mein Herz pocht so schnell, dass ich fast glaube, es will aus meinem Brustkorb hüpfen. Scharf biegt er um eine Ecke und so abrupt wie er stehen bleibt, knalle ich gegen ihn. „Na, wo wollt ihr beide denn hin?“, fragt eine bekannte Stimme und irgendwie fühle ich mich ertappt. Ganz vorsichtig sehe ich an Faramir vorbei und seufze leise. Es ist nur sein Bruder Boromir... „Wir machen einen Ausflug. Drückt uns die Daumen, damit das Wetter schön bleibt“, erklärt Faramir ihm die Situation und drückt meine Hand ein wenig. Mir wird immer heißer im Gesicht und lächelnd sehe ich zum Boden hinab. „Dann wünsche ich euch beiden viel Spaß...“, meint sein Bruder darauf hin und überrascht sehe ich wieder nach oben. Keine sarkastischen Kommentare? Das ist nicht Boromirs Art... „Und stellt mir ja nichts Unanständiges an“, fügt er hinzu, als wir Hand in Hand an ihm vorbeigehen und ich verziehe grinsend das Gesicht. Da ist er ja wieder... Viel langsamer gehen wir weiter, die Treppe hinab und dann hinaus aus der Stadt. Die Sonne strahlt mit viel Kraft auf uns herab. Keine einzige Wolke ist am Himmel zu sehen. Faramir hält noch immer meine Hand und aus den Augenwinkeln beobachte ich ihn. Mein Herzschlag wird wieder etwas schneller und ich seufze lautlos. Als wir durch die Stadt gingen und er meine Hand hielt haben uns alle angesehen und ist wie im Märchen. Der Prinz und die Prinzessin... „Lucida? Lucida!“, ruft man meinen Namen und überrascht bleibe ich stehen. Eine taube Prinzessin... „Hört ihr mir zu?“, fragt er mich und ich nicke kurz. „Natürlich, höre ich euch zu“, antworte ich schnell um ihn nicht zu verletzen. „Und wollt ihr hier eine Pause machen?“, fragt er nochmals, während ich mich ein wenig umsehe. Eine schöne Wiese erstreckt sich über die Weite und in der Nähe steht eine kleine Gruppe von Bäumen, die kühlen Schatten spenden. Ein Fluss plätschert ebenfalls in der Nähe. „Ja, das hier ist eine gute Stelle“, antworte ich nach meiner Begutachtung und lasse mich ins Grüne fallen. Lächelnd klopfe ich auf den Platz neben mir. Faramir lässt den Rucksack aufs Gras sinken und baut sich vor mir auf. „Wisst ihr, was ich mich schon sehr lange frage?“, fragt er mich lächelnd und legt seinen Kopf schief, das ich aber nur erahnen konnte, weil er hinter ihm die Sonne zu sehen ist. „Nein, was denn?“, stelle ich eine Frage und grinsend beugt sich Faramir zu mir runter. „Ob ihr kitzelig seid“, antwortet er, während ich meinen Rucksack auf die Seite lege. „Was?“, keuche ich, als er sich auf mich stürzt und mich kitzelt. Ich lache laut los und geschickt setzt sich Faramir auf meinen Bauch, sodass ich mich mit meinen Füßen nicht wehren konnte. „Bitte...Ich ergebe mich... aber bitte hört auf“, bitte ich ihn lachend, während mir schon eine Träne über die Wange rinnt. Mein Bauch fängt an vor lauter Lachen an weh zu tun und Faramir zieht seine Hände zurück. Schnaufend bleibe ich im Gras liegen und sehe mir den strahlend blauen Himmel an. Es fühlt sich an als wäre ich gerade einen Marathon gelaufen. Leicht neige ich meinen Kopf auf die rechte Seite und sehe meinem Freund direkt in die Augen. Er hat sich ebenfalls am Gras niedergelassen und grinst mich breit an. „Ja, ja, grinst nur, aber es wird noch Rache geben, das schwöre ich euch“, verspreche ich ihm und halte mir die Hand vor das Gesicht, sodass mich die Sonne nicht so blendet. Stille breitet sich zwischen uns aus. Somit konnte ich die Geräusche der Natur hören. Vogelgezwitscher, Windrauschen und Wasserplätschern. Die ganzen Eindrücke machen mit ein wenig müde und entspannt strecke ich meine Hände weg von mir. Etwas Weiches streicht sanft über meinen rechten Arm. Es ist Faramirs Hand, die sich jetzt auf meine legt. Einige Augenblicke genieße ich noch die Ruhe, bevor ich meine Chance auf Rache ergreife. Böse grinsend ziehe ich meine Hand weg, um sie auf seine zu legen. Davon bekommt er jedoch gar nichts mit, weil er mit geschlossenen Augen daliegt. Schnell rolle ich mich auf seine Seite und setzte mich auf seinen Bauch. Genauso wie er vorher bei mir. Jetzt ist er das Opfer und ich die, die am längeren Ast sitzt. „Was tut ihr da?“, fragt er mich überrascht und lächelnd streiche ich ihm über die Wange. „Meine gerechte Rache nehmen“, antworte ich und fange an ihn zu kitzeln. Obwohl er lachen muss, ergreift er meine Arme und hält diese weit weg von sich. Faramir hat mehr Kraft, als ich dachte. „Das gehört sich nicht für eine Prinzessin“, scherzt er. Alarmiert sehe ich auf und schlagartig fühle ich die Gefahr, die uns plötzlich umgibt. „Auf diese Masche falle ich nicht herein, Lucida“, sagt Faramir, aber ich reagiere nicht darauf. Die Gefahr hängt wie eine dicke Regenwolke über die kleine Gruppe von Bäumen. „Lucida?“, versucht er nochmal sein Glück, während meine Augen die Umgebung absuchen. Verwirrt lässt er meine Hände los, als eine Vogelschwade von der Baumgruppe aufstob. Jetzt erkennt Faramir die Situation ebenfalls. Die Geräusche der Natur sind verstummt. Kein Vogelgezwitscher, kein Windhauch und sogar das Rauschen des Wassers hört sich jetzt leiser an, als würde der Fluss versuchen die Luft anzuhalten. „Lucida, geht bitte von mir runter“, flüstert Faramir. Er befürchtet man könnte uns beide hören. Ohne den Blick von den Bäumen zu nehmen gehe ich von meinem Freund herunter. Beschützend stellt er sich vor mich und in diesem Moment ertönen Kampfschreie. „Banditen“, murmele ich erschrocken und weiche einen Schritt zurück. „Bleibt dicht hinter mir“, befiehlt mir Faramir, aber ich denke gar nicht daran. Die Krieger rennen von der Baumgruppe auf uns zu, aber nicht nur von dort. Es ist als würden die Krieger aus dem Boden wachsen, denn sie kommen von überall her. Wir werden kämpfen müssen, wenn wir das überleben wollen. Nicht mehr lange und die Ersten werden uns erreichen. „Vorsicht“, rufe ich laut und stoße dabei Faramir auf die Seite. Einer der Banditen hätte uns beinahe erwischt. Sein Zweihänder saust durch die Luft, aber erwischt niemanden von uns. Die Waffe bohrt sich nur eine Handbreite von meinem Gesicht in die Erde. Aus dem Reflex heraus trete ich dem Mann in den Bauch. Er stolpert keuchend nach hinten und geht in die Knie, als er anhält. Faramir ergreift das Schwert, bevor ich dazu komme. Geschickt zieht er es aus der Erde und attackiert den nächsten Feind. Brotlos ohne Waffe weiche ich einem weiteren Schwerstreich aus. „Tanz ein wenig mit mir, Prinzessin“, sagt der Typ lüstern. Seine Stimme erinnert mich an ein Messer, das über einen Teller quietscht. „Aber gerne doch“, antworte ich grimmig. Zur Verteidigung habe ich gerade mal einen Stein, den ich beim Hinfallen aufgehoben habe sonst nichts. Aus Mangel an Waffen werfe ich dem Banditen den Stein entgegen. Überrascht von der Aktion prallt er zurück und versucht im allerletzten Moment das Geschoss mit seinem Schwert abzufangen. Es gelingt ihm, aber seine Waffe ließ er dabei fallen. Schnell starte ich durch, bevor er das Schwert aufheben kann. Auf halbem Wege trifft mich etwas an der Schule. Ich werde zu Boden gerissen und jetzt setzt der dumpfe Schmerz auch ein. Die Alarmglocken in meinem Kopf geben gar keine Ruhe mehr. Mit Schwung rolle ich über das Gras und stehe schwankend wieder auf den Beinen. Der Räuber, der mich niedergerissen hat, richtet sich ebenfalls wieder auf. Ein metallischer Geschmack breitet sich in meinem Mund aus. Beim Fallen habe ich mir auf die Zunge gebissen. Viel zum Nachdenken habe ich nicht, weil gleich drei Feinde direkt auf mich zu laufen. Der ganz rechts schwingt einen Morgenstern über seinem Kopf, während er näher kommt. Dieser Gesetzlose ist ein wenig schneller als seine Freunde. Also machte ich mich auf seinen Angriff bereit. Die große Metallkugel dreht sich im Kreis und saust auf mich herab, als er nur noch einen Schritt von mir entfernt ist. Im letzten Moment springe ich auf die Seite. Ich kann den Luftzug spüren, als der Morgenstern nur wenige Zentimeter neben mir im Erdreich versinkt. Von seinem eigenen Schwung nach vorne gerissen stolpert der Räuber ein paar Schritte nach vorne. Schneller als ich glaube fangt sich mein Feind wieder. Einfallsreich steige ich auf die Kette des Morgensternes, damit er seine Waffe nicht wegziehen kann. „Gib der Kleinen doch endlich den Rest“, ruft einer seiner Partner ihm zu und mein Feind wendet kurz seinen Kopf nach hinten. Die Chance ergreife ich und ramme mein Knie in seinen Bauch. Keuchend klappt er nach vorne und ist sofort außer Gefecht gesetzt. Mit einem Morgenstern habe ich noch nie gekämpft, aber der Griff fühlt sich ein wenig vertraut an. Ungeschickt schwinge ich die Kugel über meinem Kopf, während sich Schweißperlen auf meiner Stirn bilden. Tollpatschig versuche ich einen Schwertstreich abzuwehren, aber verliere durch die schweißnassen Hände die Waffe. Genau wie mein Feind. Das Metall erzeugt Funken, als die Waffen aufeinander prallen und sich in die Erde graben. Kurz sehen wir uns verblüfft an. Als erste finde ich meine Fassung wieder und ramme mein Knie in seinen Bauch. Keuchend kippt der Mann ein Stück nach vorne, aber plötzlich packt er mich am Arm. Erschrocken schlage ich mit der linken Faust fest zu und der Räuber fällt wie ein gefällter Baum um. Ein markerschütternder Schrei durchschneidet den Kampflärm und für einen kurzen Moment herrscht Stille. „Faramir!“, schniefe, während ich mich langsam in Bewegung setzte. Einige Räuber nähern sich dem am Boden liegenden Faramir. „Finger weg von ihm!“, warne ich die Männer und laufe schnell vor meinen Freund. Er liegt am Boden, hält seine Hand auf die Wunde und hebt nur kurz den Kopf, als ich meine Hand auf seine lege. „Du musst fest draufdrücken“, sage ich zu ihm und streiche über seinen Kopf, „Halte durch.“ Entschlossen stehe ich auf und ergreife den Griff des Zweihänders, der neben Faramir liegt. Das Gewicht der Waffe ist mir vertraut und breitbeinig baue ich mich vor der Räuberschar auf. „Wenn ihr uns tot sehen wollt müsst ihr euch mehr anstrengen“, rufe ich ihnen mutig zu. Geschickter als zuvor pariere ich einen Schwertstreich. Die Metalle erzeugen Funken, als sie aufeinander prallen. Wütend stoße ich den Räuber mit Kraft zurück und hole mit viel Schwung aus. Gurgelnd fällt er um und schnaufend warte ich auf den nächsten Gegner. Gleich drei Räuber stürzen sich auf mich und nur schwer konnte ich allen Angriffen ausweichen. Die Klinge streift meinen Arm, währen ein weiterer Gegner von mir niedergestreckt wird. Der Rest der Truppe sieht mich mit gemischten Gefühlen an. Einerseits eingeschüchtert, weil ich einiger ihrer Freunde niedergerungen habe, andererseits wütend, weil ich nicht so leicht zu töten bin wie ich aussehe. „Rückzug! Die kleine Prinzessin holen wir uns später!“, ruft anscheinend der Anführer und so schnell wie möglich suchen sie das Weite. Schnaufend sehe ich ihnen hinterher. Als sie bei den Bäumen verschwinden lasse ich die Waffe fallen und stürze zu Faramir. Er ist ganz bleich im Gesicht und kalter Schweiß bildet sich auf seiner Stirn. „Faramir, ihr müsst durchhalten. Hier wachst sicher das Leioskraut“, rede ich hektisch auf ihn ein und wische mit meinem Ärmel die Schweißperlen von seiner Stirn. „Du musst nur fest auf die Wunde drücken“, erkläre ich ihm noch. Antworten gibt er mir keine und schnell mache ich mich auf die Suche nach dem Kraut. Dieses soll die Blutung stillen und Entzündungen verhindern. Schon fast hysterisch durchsuche ich das Gras, aber behalte Faramir immer im Augenwinkel. „Da ist es ja“, winsele ich erfreut und reiße es ohne Bedenken aus dem Boden. Ungeschickt falle ich nach hinten, als die Pflanze schnell nachgibt. Die Haut von meinem Ellbogen reißt auf und einige Tropfen Blut rinnen auf den Stein, auf den ich gefallen bin. Aber es ist egal. Nur eines ist im Moment wichtiger. Beim Laufen überhole ich mich schon fast selber, aber es kommt mir wie eine halbe Ewigkeit vor, dass ich bei Faramir ankomme. Ohne zu zögern rupfe ich die Blätter auseinander, während ich versuche die Tränen zurückzuhalten. Faramir ist mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. Er legt seine Hand langsam auf mein Bein und erschrocken fahre ich zusammen. „Es tut mir leid, Lucida, dass ich euch nicht beschützen konnte“, flüstert er angestrengt. „Ihr müsst mich nicht beschützen. Das schaffe ich selber recht gut“, antworte ich ihm und öffne sein Hemd. Die Wunde ist nicht allzu tief, aber sie sieht nicht gut aus. „Das könnte jetzt vielleicht etwas brennen“, warne ich meinen Freund vor und lege die Blätter in die Wunde. „Au!... Das soll helfen?“, fragt er mich und ich nicke zur Bestätigung. Lächelnd reiße ich den Ärmel von meinem Hemd ab und lege den Stoff auf seine Wunde. „Lucida, ihr wisst ja gar nicht wie viel Glück ich habe“, sagt Faramir aus heiterem Himmel und greift nach meiner Hand. „Ich bin vielleicht verletzt, aber ich bin mit euch hier. Mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein“, erklärt er mir als ich den Kopf fragend schief lege. „Das ... ist süß von euch“, bedanke ich mit einem leichten Lächeln und sehe dabei zu wie er langsam seine Augen schließt. Das Kraut wirkt. Er ist eingeschlafen. Seufzend streiche ich ihm die Haare aus der Stirn. Diese sind schweißnass und kleben auf seiner Haut. Wie er so daliegt, fällt mir auf wie wichtig er mir ist. Tränen sammeln sich in meinen Augen. Tapfer versuche ich sie wegzublinzeln, aber sie lassen sich nicht aufhalten. „Bitte werdet wieder gesund“, bitte ich ihn flüsternd und lege meine Hand auf seine Wange. Die ist kalt und trotzdem feucht vom Schweiß. Besorgt ziehe ich eine Decke aus dem Rucksack und werfe diese über Faramir. „Bitte, Aragorn, mach dir Sorgen und finde uns schnell“, hoffe ich und sehe kurz in den Himmel. „Holt sie euch!“, ruft eine Stimme über die Wiese. Erschrocken zucke ich zusammen, während Lärm aufkommt. Die Räuber nähern sich auf Pferden, während ich mich über Faramir beuge. „Ich...Ich liebe euch“, gestehe ich ihm und küsse ihn zögernd auf die Lippen. Ich setzte mich wieder auf, während die Schmetterlinge in mir Samba tanzen. Entschlossen stehe ich auf und nehme den Griff des Schwertes in die Hand. Es kommt mir vor als wiege die Waffe Zentner. Meine Beine werden ein wenig zittrig. Genau wie meine Unterlippe. Das Trampeln der Hufe kommt bedrohlich näher, während mir tausend Gedanken durch den Kopf schießen. Werde ich das überleben? Werden sie Faramir auch töten? Wird Aragorn an seinen Schuldgefühlen zerbrechen? Werde ich aufhören mir Gedanken zu machen, wenn ich gleich Kämpfen muss? „Lucida, bitte passt auf euch auf“, sagt plötzlich Faramir und vor lauter Schreck lasse ich den Zweihänder fallen. Die Spitze bohrt sich in die Erde, aber ich beachte es nicht mehr. „Faramir, wieso schlaf ihr nicht? Geht es euch gut?“, frage ich ihn besorgt und ergreife die Hand, die er mir hinhält. Die Räuber habe ich schon wieder vergessen, aber so leicht lassen sie sich nicht vergessen. „Oh Gott“, kommt es erschrocken von mir, als sich einer meiner Feinde mit gezogener Waffe vor mir aufbaut. Zum Angriff kommt es aber nicht.... Die silberne Spitze eines Schwertes ragt plötzlich aus seiner Brust. „Boromir!“ staune ich überrascht, wie der Räuber leblos umfällt. „Ja, Lucida, wir haben nicht viel Zeit“, antwortet er hektisch und pariert einen Schwertstreich, „Ich passe auf meinen Bruder auf und ihr zeigt Aragorn was wirklich in euch steckt.“ Kurz sehe ich mich um und wirklich dort am Hügel sitzt er stolz auf seinem Pferd. Er reitet uns entgegen. „Ihr wisst gar nicht wie dankbar ich euch bin, Boromir“, sage ich zu ihm bevor ich mich umdrehe, das Schwert aus der Erde ziehe und meine wohlmöglich einzige Chance ergreife. „Ihr wisst gar nicht, wie dankbar ich euch wäre, wenn ihr euch ein bisschen beeilt“, murrt er und weicht einem Faustschlag aus. Grinsend schwinge ich das Schwert, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes getan. Die Räuber fallen einer nach den anderen auf den Boden, bis kein Einziger mehr steht. „Das habt ihr gut gemacht, Lucida! Obwohl ihr noch ein wenig schneller sein hättet können“, lobt mich Boromir. Viel Lob konnte ich aber von jemand anderen nicht erwarten... Schnaubend bleibt Aragorns Pferd vor mir stehen und so schnell kann ich gar nicht schauen werde ich stürmisch umarmt. „Lucida! Gott sei Dank geht es euch gut!“, meint er erleichtert und löst die Umarmung. Aragorn sieht mir in die Augen und legt seine Hände auf meine Schultern. „Ich bin jetzt nicht wichtig, Aragorn. Faramir ist schwer verletzt“, erkläre ich ihm und zeige auf den wieder schlafenden Freund. „Wir reiten sofort los“, sagt er und schnell helfe ich Boromir seinen Bruder auf das Pferd zu hieven. „Ich reite mit ihm“, erkläre ich mich bereit und steige etwas ungeschickt in den Sattel. Faramirs Kopf fallt auf meine Schulter und seufzend streiche ich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Vorsichtig gebe ich dem Pferd einen Schenkeldruck und langsam setzt es sich in Bewegung. Mir ist gar nicht klar, wie schwer es ist mit einem Bewusstlosen auf einem Pferd zu reiten. Es dauert seine Zeit, bis wir das Stadttor erreichen und der Krampf, der sich in meinem Arm gebildet hat wird schlimmer. „Schnell wir brauchen einen Arzt“, ruft Aragorn den Wachen zu. Ohne lange warten zu müssen kommt der Hofarzt angelaufen und behutsam legt man Faramir auf eine Art Trage. Er wird sofort ins Schloss getragen. Mit trüben Augen sehe ich ihnen hinterher ohne sie wirklich zusehen. „Lucida?“, fragt Aragorn, aber es klingt, als ist er meilenweit weg von mir. Müde drehe ich ein wenig den Kopf zu ihm. Alles dreht sich um mich herum. Die Welt steht plötzlich auf dem Kopf. Meine Hände werden kraftlos, eigentlich wie mein ganzer Körper. „Faramir“, flüstere ich leise, bevor ich auf die Seite rutsche und mit einem dumpfen Laut vom Pferd falle. Die Schwärze saugt mich einfach so in sich auf, während der dumpfe Schmerz in meinem Kopf langsam abebbt. Jemand streicht mir über den Kopf... Bin ich tot? Bin ich im Himmel? Oder habe ich nur schon wieder total wirre Gedanken? „Ihr müsst aufwachen. Ich bitte euch. Ihr habt mein Leben doch auf so viele Weisen bereichert mit eurer wundervollen Art“, redet dieser jemand mit mir und träge versuche ich die Augen zu öffnen. Mein Körper verweigert mir anfänglich den Dienst, aber nach dem dritten Versuch funktioniert es. Ein paar Augenblicke vergehen, bis sich meine Augen an das Licht gewöhnen und ich Faramir vor mir erkenne. Mit geschlossenen Augen sitzt er auf dem Bett, hält meine Hand und seufzt leise. „Ich bin so froh, dass es euch gut geht“, murmele ich leise und erschrecke ein wenig, wie kratzig meine Stimme sich anhört, als hätte ich tagelang nicht gesprochen. „Lucida! Ich bin froh, dass es euch gut geht“, erwidert er und drückt meine Hand leicht. „Wartet mal, wieso sitzt ihr hier und seid wohlauf?“, frage ich ihn verwirrt und setzte mich ein Stück auf. Ein stechender Schmerz fährt durch meinen Arm. Meine Gedanken purzeln nur so durch meinen Kopf, sodass sich leichte Schmerzen in meinem Kopf ausbreiten. „Der Hofarzt hat mich gesund gepflegt, während ihr im Fieberwahn lagt. Das Schwert, das euch am Arm verletzte war vergiftet und einige Tage war es ungewiss, ob ihr überleben würdet“, erklärt er schnell, aber die Traurigkeit in seinen Augen spricht Bände. „Tage? Wie lange war ich denn krank?“, frage ich entsetzt und lege meine zweite Hand auf seine. „Es waren fast sieben Tage, die ihr im Fieberwahn lagt“, antwortet er und streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht. Sonst bin ich immer die das bei ihm macht. „Ich hatte wirklich Angst, dass ich euch verliere“, sagt Faramir plötzlich und ein leichtes Lächelnd legt sich auf meine Lippen. „Dann wisst ihr, wie ich mich gefühlt habe, als ihr verletzt wurdet“, erwidere ich grinsend und auch Faramir muss lächeln. Er hegt Gefühle für mich und ich für ihn, aber keiner traut sich wirklich etwas zu sagen. So sitzen wir schweigend auf dem Bett und sehen aneinander vorbei. Schnaufend setzte ich mit weiter auf. Die Schmerzen ignorierte ich weiter. Faramir sieht mich verwirrt an, aber hält mich nicht auf. Mit verzogenem Gesicht setzte ich mich auf meine Füße vor ihm aufs Bett. Kurz sehe ich auf das Bett, weil ich sehr nervös bin. „Küss mich“, verlange ich und sehe ihm fest in die Augen. Erschrocken sieht er mich an und erstarrt für einige Momente. „Lucida...“, beginnt er, aber ich unterbreche ihn einfach: „Sagt nichts, sondern tut es einfach.“ Einen Augenblick sieht er mich an, aber dann legt er seine Hände an mein Gesicht und ganz sanft berühren seine Lippen meine. Es ist wie eine Explosion von Gefühlen in mir. Schmetterlinge, die durch meinen ganzen Körper fliegen. Zögernd löst er den Kuss und wir sehen uns in die Augen. „Ich liebe euch“, sagen wir zeitgleich und lachen leise. „Ich dachte schon, dass mit euch wird nichts mehr“, sagt eine Stimme von der Türe her. Sofort erkenne ich Aragorn, ohne mich umzudrehen. „Ich hoffe, ihr seid damit einverstanden, König von Gondor. Wenn nicht, tut es mir leid, aber ich kann nicht aufhören sie zu lieben. Niemals“, meint Faramir ernst und streicht mir mit seiner Hand über die Wange. „Ich hatte auch gar nichts anderen erhofft“, erwidert er fröhlich und setzt sich zu uns auf das Bett, „Ach, Lucida. Ich wollte mich bei dir entschuldigen, dass ich euch nichts zugetraut habe. Vor allem ich, euer Bruder, hätte Vertrauen in euch haben sollen.“ „Meint ihr das ernst? Ich bin begeistert... Überrascht aber begeistert“, reagiere ich auf seine Entschuldigung und drücke meinem Bruder einen Kuss auf die Wange. „Ich muss jetzt los. Königliche Angelegenheiten warten wiedermal auf mich“, entschuldigt er sich und geht aus dem Raum. „So, so. Ihr werdet mich immer lieben? Wirklich?“, frage ich Faramir nach einem kurzen Augenblick und lege den Kopf schief. „Für immer und ewig glaubt mir“, antwortet er, „Aber nun ruht euch ein wenig aus.“ Liebevoll streicht er mir über den Kopf und küsst mich auf die Stirn. „Aber nur wenn ihr euch zu mir legt“, sage ich grinsend und lasse mich in die Kissen fallen. Stoffrascheln ist zu hören und dann liegt er neben mir. Lächelnd kuschele ich mich an ihn, während er einen Arm um mich legt. „Schlaft ein wenig. Es wird euch gut tun. Keine Sorge, ich bleibe bei euch“, verspricht er mich. Das was er sagt bekomme ich nur noch am Rande mit, weil ich schon ein wenig vor mich hin döse. Müde öffne ich die Augen und drehe meinen Kopf. Neben mir liegt noch immer Faramir. Seine Augen beobachten jede meiner Bewegungen und lächelnd sage ich: „Du hast dein Versprechen wirklich gehalten.“ Sanft drückt er mir einen Kuss auf die Lippen. „Ich werde dich nie wieder alleine lassen.“

27.8.13 19:32, kommentieren

Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde :D

Mein Name ist Esce, das Rascheln bedeutet. Ich bin eine Elbin und lebe in Lothlórien. Dort habe ich in jungen Jahren eine neue Heimat gefunden, weil ich im Wald ausgesetzt wurde. Auch wenn Celeborn und Galadriel nicht meine richtigen Eltern sind, fühle ich mich bei ihen wie zu Hause und Haldir ist wie ein Bruder für mich, weil er mir alles Wichtige beigebracht hat. Das Kämpfen sowohl mit dem Bogen und dem Schwert oder das Anschleichen. Elrond kennt mich seit Kindheitstagen und so ist es kein Wunder, dass ich auch zum geheimen Ringrat gerufen wurde. Deine Familie lässt mich nicht gerne gehen, weil sie genau wissen, dass ich kämpfen werde, egal was kommen würde. Mein Gerechtigkeitssind ist sehr gut ausgeprägt, was mich öfters in missliche Lagen befördert, doch meine Gefährten habe ich ziemlich damit beeindruckt. Nachdem Haldir im Kampf gefallen ist, bricht für mich meine Welt zusammen. Nichts und niemand könnte mich aufheitern, obwohl der Krieg vorbei ist und wir Mittelerde gerettet haben. Bäume, Gras, Wald ... Alles ist gerettet und in sicheren Händen, doch mir ist weder nach Feiern noch nach Lachen, denn ich konnte Haldir nicht mehr retten. Der Mond scheint auf das Land herab und taucht es in ein schönes Grau, während die Blätter von den Bäumen im Wind tanzen. „Esce, seit ihr das?“, reißt mich eine Stimme aus meinen traurigen Gedanken und ich drehe mich erschrocken um. „Éomer? Wieso seid ihr noch wach?“, frage ich ihn überrascht und klopfe auf den Platz neben mir auf der Bank. „Ich sah die Traurigkeit in euren Augen, vorhin beim Abendmahl und ich konnte nicht schlafen“, gibt er zu und setzt sich neben mich. Mein Blick fällt auf seine Hand, die er immer wieder zur Faust ballt und verwirrt sehe ich ihn an. „Ist bei euch alles okay?“, frage ich ihn und lege meine Hand auf seine. „Natürlich, natürlich. Ist nur ein bisschen kühl hier. Findet ihr nicht?“, stellt er eine Gegenfrage und ich nicke zustimmend, während er seine Hand wieder wegzieht. „Hier, nehmt die Decke“, meint er daraufhin und legt mir den Stoff über die Schultern. Überrascht ziehe ich eine Augenbraue nach oben und Éomer blickt mich fragend an. „Wieso tragt ihr eine Decke mit euch herum?“, wollte ich wissen und er lächelt leicht. „Eigentlich wollte ich mich auf diese Bank setzen und warten bis der Schlaf von selber kommt, doch ich möchte euch nicht weiter stören“, antwortet er und wuschelt mir freundlich durch die Haare. Wie ein begossener Pudel sitze ich jetzt auf der steinernen Bank, während ich ihm hinterher sehe. Was war das, bitte? Verwirrt streiche ich mir meine Haare glatt... Verflixt! Ich bin ja nicht ein kleines Kind, das man mit einem Haare verwuscheln wieder aufmuntern kann. Aber auf der anderen Seite hat er es sicher nur gut gemeint...oder Éomer hat einfach keine Ahnung von Frauen. Das eher am wahrscheinlichsten ist. Ha, Männer verwirren mich nur und das kann ich jetzt nicht brauchen. Gähnend sehe ich einem Nachtfalter beim Herumfliegen zu und meine Augen werden immer schwerer. Kein Wunder. Ich habe seit Tagen nicht richtig geschlafen und so rutsche ich ans Ende der Bank, sodass ich mich darauf legen kann. Die Decke ist schön warm und sie riecht ein wenig nach Pferd und Éomer. Ein leichtes Lächeln schleicht sie auf meine Lippen, bevor ich hinüber in die Traumwelt gleite. Dunkelheit...Wo bin ich? Was mache ich hier? ... Sind da etwa Stimmen zu hören? ... Ja, wirklich, aber es ist nur eine Stimme... Anscheinend ein Selbstgespräch... „Nein, Esce hat mich nicht im Stich gelassen. Ich bin selber daran schuld, weil ich nicht gut genug aufgepasst habe, sonst wäre das nicht geschehen. Wenn ich sie nochmal sehen könnte, würde ich ihr sagen, dass sie nicht Schuld daran hat...“, führt mich die Stimme durch den weißen Nebel und ich folge ihr aufmerksam. Da...da geht Haldir im weißen Nebel auf und ab, während er mit sich selber spricht. „Was tut ihr da?“, frage ich ihn, doch er hört mich nicht und wandert weiter. „Was habe ich getan? Was habe ich getan? Wenn ich wüsste, dass es ihr gut gehe, könnte ich in Ruhe meinen weiteren Weg gehen“, führt er sein Gespräch weiter und interessiert beobachte ich ihn. „Aber mir geht es doch gut“, antworte ich ihm, „Du kannst ruhig deinen Weg weitergehen!“ „Esce?!“, reißt mich eine weitere Stimme aus meinen Träumen und erschrocken setze ich mich auf. Zur Begrüßung knalle ich mit meinem Kopf gegen Éomers und ziehe scharf die Luft ein. „Tut mir furchtbar leid, Esce“, murmelt er und ich mache verschlafen eine wegwerfende Handgeste, doch mein Kopf holt mich schon in die Realität zurück. „Nein, nein, mir tut es leid. Ich wollte euch nicht erschrecken. Autsch, ihr habt aber vielleicht einen harten Kopf“, reiße ich einen Witz, obwohl ich noch ziemlich verdattert bin und ein Lachen kann ich mir auch nicht verkneifen. „Aha! Die wunderschöne Frau kann ja auch lachen und ich dachte, sie hätte das schon längst verlernt“, meint Éomer darauf und sieht mir beim Aufstehen zu. Etwas empört werfe ich ihm die Decke entgegen und bevor er sich von dieser befreien konnte, bin ich lachend zum Festsaal gelaufen. Wartet! Lache ich etwa? Seit wann lache ich wieder? Verwirrt sehe ich mich um und streiche mir durch die Haare. „Ich sollte mit solchen Selbstgesprächen aufhören. Das wird langsam gruselig“, spreche ich mit mir selber und eine Stimme hinter mir bestätigt das noch: „Stimmt, ein wenig gruselig ist es schon, aber auch irgendwie süß.“ „Ihr wisst schon, dass man Selbstgespräche nicht einfach so stört, oder?“, frage ich Éomer, doch dieser zuckt nur mit den Schultern und kopfschüttelnd gehe ich an ihm vorbei. „Manieren sind nicht so euer Ding, nicht wahr? Nun gut, ich werde mich nun mal frisch machen“, meine ich noch und werde an der Hand festgehalten. „Da habt ihr Recht. Manieren sind nicht mein Ding, aber ich sehe gut aus. Das wiegt die Sache wieder auf“, prahlt er ein wenig und grinst breit, während ich ihm empört ansehe. Leicht boxe ich ihm gegen die Brust und warne ihn: „Ihr solltet euch lieber mehr um eure Manieren Sorgen machen und weniger um euer Aussehen. Das kommt nicht so gut bei Frauen an.“ „Meint ihr damit, ihr findet mich etwa nicht attraktiv?“, fragt er ein wenig skeptisch und ich beiße mir auf die Zunge, um nicht laut loszulachen. „Das wird mein Geheimnis bleiben“, flüstere ich Éomer ins Ohr, als ich ihn kurz zu mir runterziehe. „Esce, ihr seid echt gemein“, sagt er beleidigt, „Wollen wir unser Gespräch nicht weiterführen? Vielleicht bei einem kleinen Ausflug?“ „Herr Éomer, ihr wollt mich doch nicht etwa ausführen, oder?“, frage ich ihn leicht lächelnd und lege meinen Kopf ein wenig schief. „Nein, ich möchte euch nicht ausführen. Nur ein kleiner Ausflug. Nur ihr und ich“, antwortet er und mir friert mein Gesicht ein. „Natürlich, ich werde mir noch frische Sachen anziehen und warte auf euch bei den Ställen“, erkläre ich ihm und verschwinde mit schnellen Schritten hinter der nächsten Ecke. So schnell wie es geht bin ich in meinem Zimmer und lehne mich seufzend gegen die Türe, während sich Éomer einige Meter weiter selbstverflucht. „Verdammt! Was ist mit mir los? Wieso bin ich so ... Argh! Ich hätte leicht „Ja“ sagen können und es wäre kein Ausflug, sondern eine Verabredung...“, er schnauft verärgert und lasst sich auf eine steinerne Bank fallen, „Normalerweise kann ich doch gut mit Frauen umgehen, aber bei Esce bin ich so unbeholfen wie ein Kleinkind.“ Ein helles Lachen lässt ihn hochsehen und seine Schwester setzt sich zu ihm. „Ich kann dir ganz genau sagen was mit dir los ist“, meint Éowyn und ihr Bruder sieht sie nur verwundert an. „Du bist in Esce verliebt“, erklärt sie ihm die Situation und nimmt seine Hand kurz in ihre, „Jetzt mach mit ihr diesen Ausflug und benimm dich einfach wie immer. Bleib du selbst!“ Einige Zimmer weiter verflucht sich aber noch wer... „Ich bin wirklich doof. Warum glaube ich, dass er mit mir ausgehen will?!“, schnaufe ich und unterdrücke die aufkommenden Tränen. Kopfschüttelnd stehe ich auf, weil mich Jammern nicht weiter bringt und ziehe mir frische Kleidung an. „Na bitte, du siehst super aus“, mache ich mir selber ein Kompliment und begutachte mich im großen Spiegel. Das Klopfen an der Türe überhörte ich fast, denn ich summte das Lied vor mich hin, das mir meine Mutter früher vorgesungen hat. „Wow, Esce, ihr seht wundervoll aus“, überrascht mich Éomer mit freundlicher Stimme und ich lächle, während ich ein wenig rot im Gesicht werde. „Vielen Dank“, antworte ich ihm und er reicht mir seine Hand. „Seid ihr bereit für ein wenig Frischluft?“, fragt mich Éomer und ich hacke mich zur Bestätigung bei ihm unter. Ohne ein Wort zu wechseln gehen wir durch den Palast, weiterhin bei ihm eingehackt und ich genieße jeden Augenblick. „Habt ihr euch meine Warnung zu Herzen genommen?“, breche ich das Eis zwischen uns und er lacht kurz. „Ja, ihr habt Recht. Vielleicht könnt ihr mir bei unserer kleinen Reise ein paar Manieren beibringen“, gibt er zu, während ich Éowyn winke, die uns über den Weg läuft. Diese winkt freundlich zurück, doch kicherte unaufhörlich, während ich skeptisch die Augenbraue nach oben ziehe. „Natürlich, wenn ihr mich lieb darum bittet“, mache ich ihm ein Angebot und er nickt zustimmend, als wir bei den Ställen ankommen. Zu meiner Verwunderung sind die Pferde schon gesattelt und ich grinse leicht. „Woher wusstet ihr, dass ich zustimme?“, frage ich den lächelnden Éomer und dieser zuckt nur mit den Schultern. „Vielleicht habe ich es einfach gehofft und dachte mir, wenn ich die Pferde satteln lasse, dass ihr zusagt“, ist seine Antwort und ich sehe ihn überrascht, aber auch zugleich verwirrt an. „Wie bitte? Kein Wort von Charme oder eurem Aussehen?“, schnaufe ich erstaunt, während er mir die Zügel meines treuen Begleiters reicht. Die hellbraun gefleckte Stute, namens Daría, tritt nervös auf der Stelle herum und ohne auf meine Aussage zu antworten, geht Éomer aus dem Stall. „Hey, wartet doch!“, rufe ich ihm hinterher und mache einige Schritte nach draußen. „Buh!“, erschreckt er mich, während er hinter der Ecke vorspringt. Mit einem spitzen Schrei hole ich aus und pfeffere ihm eine. Ohne zu wissen, was ich da tue. „Au! Ihr hättet auch einfach sagen können, dass ihr nicht gerne erschreckt werdet“, meint er und reibt sich die wunde Wange. „Oh, tut mir so leid! Tut es sehr weh? Bitte verzeiht mir!“, stottere ich wie ein laufender Wasserfall und sehe mir seine Wange genauer an. Mit Feingefühl streiche ich über diese und spüre mein Herz schneller schlagen. Seine Haut war weich und ein dicker Kloss bildet sich in meinem Hals. „Es tut schon weh. Also was kriege ich zur Entschädigung?“, fragt er mich lächelnd und ich überlegte kurz. „Vielleicht wird es dadurch besser“, sage ich und drücke ihm einen Kuss auf die Wange, während er sanft seine Hand auf meine Hüfte legt. „Das hat ein bisschen geholfen, aber ich bin ja so lieb und charmant da geht sicher noch ein Kuss, oder?“, fängt er an zu feilschen und ich schüttele lächelnd den Kopf. „Ihr seid einfach unverbesserlich“, flüstere ich ganz dicht vor seinen Lippen und drehe mich dann geschmeidig weg von ihm. „Esce, wartet. Ich bin doch noch in der Ausbildung“, witzelt er und hält mich an der Hand fest. Seine Hände liegen an meiner Hüfte und er zieht mich noch näher an sich. Es ist ein leichtes ihn jetzt zu küssen, doch ich bin noch nicht bereit dafür ... und ein anderes Bild drängte sich in meinen Kopf ... Haldir. „Lasst uns jetzt losreiten“, wechsle ich das Thema und drücke mich ein wenig weg von ihm. Éomer sieht mich überrascht an, lässt mich dann auch los, damit ich auf meine treue Begleiterin steigen konnte. „Wartet auf mich!“, ruft er hektisch, als ich los reite und er noch nicht mal im Sattel sitzt. Mir war klar, dass er mich binnen Sekunden eingeholt haben wird, da er ein Rohirrim war. „Éomer! Nehmt Rücksicht auf sie, wegen Haldir. Sie trauert immer noch um ihn. Also zeig ihr, dass sie Spaß haben kann, auch ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen“, flüstert Éowyn ihrem Bruder zu bevor dieser auch auf sein Pferd steigt und mir hinterher reitet. „Schneller, Daría! Schneller!“, rufe ich meiner Begleiterin zu und sie legte nochmals an Tempo zu, sodass wir durch die Landschaft zischen. Der Wind schlägt mir kalt ins Gesicht und die Sonne blendet mich mit ihrer Kraft, aber es ist wunderbar. Auch wenn Haldir nie wieder solche Momente mit mir teilen wird, habe ich wieder dieses Gefühl von Leben in mir. „Esce, so wartet doch!“, rief mir Éomer über das laute Tosen vom Wind zu, doch ich habe nicht vor langsamer zu reiten. Eher im Gegensatz sporne ich meine Stute nochmal an, noch schneller zu werden und weiter ging es einen Hügel hinab. Die Blätter drehen sich im Wind und wurden nochmals aufgewirbelt, als wir an ihnen vorbeizischen. Ein kleiner Fluss zieht sich vor mir durch die Landschaft und ich senke das Tempo wieder, denn Daría liebte es durch das Wasser zu waten. Im Schritt Tempo näherten wir uns dem Fluss und meine treue Begleiterin schüttelte vor lauter Vorfreude den Kopf. „Seid ihr sicher, dass ihr keine Rohirrim seid? So wie ihr reitet“, keucht Éomer neben mir und ich muss leise lachen. „Ihr frage mich eher, wer von euch beiden den Hügel hinuntergelaufen ist. Ihr oder das Pferd?“, scherze ich und grinse leicht. „Eigentlich das Pferd, aber so wie ich schnaufe könnte man glatt meinen ich wäre es gewesen“, meint er und lacht kurz, „Hey, ich würde sagen wir frühstücken.“ „Das nenne ich mal eine gute Idee“, stimme ich ihm zu und steige von Daría ab, genau wie Éomer von seinem Pferd. „Mal sehen, was ich zum anbieten habe...“, murmelt er und sieht in der Satteltasche seines Pferdes nach, während ich mich am Rand des Flusses auf den Boden falle lasse. Daría macht sich selbstständig und macht sich auf den Weg zu einer schönen Erfrischung. „Einmal einen schönen saftigen Apfel für die Dame“, sagt er höflich und hält mir das Besagte hin. „Ihr habt ja doch Manieren“, staune ich und greife nach dem Apfel, doch wie konnte ich mir einbilden, dass dieser Mann Manieren hat? „Das glaubt ihr vielleicht“, grinst er und zieht mir das Obst vor der Nase weg. Empört sehe ich ihn an und stürze mich auf ihn. Es ist eindeutig zu viel Schwung, denn wir landen gemeinsam im Gras und ich auf ihm. Er lacht herzlich und ich stimme mit ein. „Das gehört sich aber auch nicht für eine Dame“, mahnt Éomer und ich lege nur den Kopf schief. „Wenn ihr mich so reizt, seid ihr selber schuld“, antworte ich lächelnd darauf und greife nach dem Apfel. Er sitzt trotzdem am längeren Ast und hält ihn so weit von mir weg, wie es nur geht. Wieso ist er nur größer als ich? „Oh mein Gott! Was ist das?!“, rufe ich plötzlich überrascht und zeige mit meiner Hand in eine Richtung. Alarmiert setzt er sich auf und er ist wirklich darauf reingefallen. Blitzschnell schnappe ich mir den Apfel und mache mich aus dem Staub damit. „Hey!“, sagt er erstaunt und hechtet mir hinterher. So schnell wie es halt geht einmal um sein Pferd herum und weiterlaufen. „Ihr entkommt mir nicht!“, meint er und ich laufe lachend weiter. Natürlich holt er mich bald ein und packt mich um den Bauch herum. Ich versuche ihm noch auszuweichen, doch ich habe keine Chance. Wieder fallen wir ins Gras, aber diesmal liegt er neben mir und wir müssen beide laut lachen. Lautes Wiehern lässt uns beide hochsehen und jetzt haben wir wirklich ein Problem. Éomers Pferd frisst gerade genüsslich den Apfel, der mir aus der Hand gerutscht ist, als wir auf den Boden fielen. Unsere Blicke kreuzen sich und jeder weiß was der andere denkt. Wie aufgescheuchte Hühner rennen wir los und zwar kerzengerade zu seinem Pferd. Er ist wieder um eine Spur schneller als ich und etwas brutal schubse ich ihn ins Gras. Zu meiner Überraschung hält er mich fest und ich falle mit ihm. Kichernd kullern wir über den Boden und rangeln um den letzten Apfel. Da ist meine Chance. Eine Lücke in seiner Logik und so ergreife ich siegessicher das Stück Obst. „Ha!“, rufe ich aus und halte es in die Höhe. Mein Blick fällt auf das Wasser, das uns wiederspiegelt und es ist als wäre ich mit einem Schlag in die Vergangenheit zurückversetzt worden. So was habe ich schon mal gemacht, aber nicht in Rohan und auch nicht mit Éomer. Traurig lasse ich meinen Arm sinken und übergebe den Apfel an meinen Freund, weil mir gerade alles vergangen ist. Zerknirscht setzte ich mich auf den Boden und ziehe meine Beine eng an mich, um sie mit meinen Armen zu umschlingen. Dieses Schuldgefühl kommt mit einer beachtlichen Schnelligkeit zurück und nimmt den Platz von der Freude einfach so ein. „Aber...Esce? Was ist los?“, fragt Éomer gleich besorgt und setzt sich neben mich. Keine Antwort ... Er legt seinen Arm um meine Schultern und legt seine Hand unter mein Kinn, damit ich ihn ansehe. „Euch steht ein Lächeln viel besser als Tränen der Trauer“, versucht er mich aufzumuntern und wie aufs Stichwort rinnt eine heiße Träne aus meinem Augenwinkel. Er streicht sie zart weg und ich überfalle ihn mit einer stürmischen Umarmung. Éomer streicht mit seiner Hand über meine Haare, währenddessen rotze ich und heule ihm sein Hemd voll. Womit habe ich so einen guten Freund nur verdient? Wer weiß, wie viel Zeit vergangen ist, während wir am Boden liegen und meine Tränen langsam versiegen. „Éomer, ich...“, beginne ich mich zu entschuldigen, doch er legt mir nur seinen Finger auf die Lippen. „Sagt jetzt nichts, sondern lauscht einfach der Natur“, unterbricht er mich und ich folge seinem Rat. Die Natur ist es nicht ganz, aber ich konnte seinen Herzschlag hören, genau wie seine Atmung und es beruhigt mich sofort. Plötzlich ist ein lautes Knurren zu hören und überrascht blicke ich auf. „Tut mir leid, aber wir haben noch nichts gegessen und ich würde sagen es geht so auf Mittagszeit zu“, entschuldigt er sich grinsend und ich konnte nicht anders als leise lachen. „Ich hätte da vielleicht eine Idee“, murmelt er vor sich hin und nickt dann zur Bestätigung. „Dürfte ich auch erfahren um was es sich handelt?“, frage ich ihn, als er mich von sich runterschiebt und zu seinem Pferd hingeht. „Habt ihr schon mal versucht einen Fisch mit einem Speer zu fangen?“, ist seine Gegenfrage und ich schüttle nur den Kopf, „Gut, dann werde ich euch mal zeigen, was ich so draufhabe.“ Na das konnte ja was werden... Er kramt alles Nötige zusammen und macht sich dann an die Arbeit, während ich ihm vom Ufer aus belustigt zusehe. Ganz konzentriert blickt er ins Wasser und rührt sich kaum, damit die Fische nicht aufgeschreckt werden. „Seid ihr sicher, dass das eine gute Idee ist?“, frage ich ihn, doch er winkt nur mit seiner Hand ab und ich zucke mit den Schultern. Minuten vergehen und ich binde einen kleinen Kranz aus Gras und Blumen, während Éomer noch immer im Wasser steht und sich nicht bewegt. Ganz ohne Vorwarnung sticht er mit dem Speer in seiner Hand zu und gebannt beobachte ich ihn dabei. Éomer ist wirklich faszinierend. Einerseits so stark und kämpferisch und anderseits manchmal gefühlvoll und zart. Nun wirft er den Speer weg und greift mit den Händen in das Wasser, während ich den Kopf schief lege. Na hoffentlich geht das nicht schief... Er zieht einen dicken Fisch aus dem Wasser, doch dieser wehrt sich, wie ein Balrog und da muss es ja passieren, was ich schon längst befürchtet habe. Mein Freund verliert den Halt auf den glitschigen Steinen und fallt mit dem Fisch ins Wasser, während ich mir auf die Zunge beiße, um nicht lauf aufzulachen. „Éomer! Geht es euch gut?“, frage ich ihn und halte mir die Hand vor den Mund, als er klitschnass aus dem Wasser kommt. „Ihr könnt ruhig lachen. Mir ist es sowieso gerade peinlich. Ich lege mich mal zum Trocknen in die Sonne“, meint er griesgrämig und ich lasse die Schultern kurz hängen. „Ach, Éomer, das muss euch doch nicht peinlich sein“, versuche ich ihn aufzumuntern, doch er lässt sich ohne einen weiteren Mucks in Gras fallen. Immer diese gekränkte Männerehre... Lautlos schnaufend verdrehe ich die Augen und lege mich neben ihm ins Gras. „Habe ich euch schon mal die Geschichte erzählt, wo ich zum ersten Mal auf einem Pferd geritten bin?“, frage ich ihn und er schüttelt wie erwartet den Kopf. Solche Geschichten erzähle ich auch nicht gerne, aber um ihn aufzumuntern, mache ich es gerne. „Haldir hatte sich extra Zeit genommen, um mir das Reiten beizubringen. Also wollte ich ihn nicht enttäuschen“, fange ich mit meiner Erzählung an und bei der Erinnerung an ihn überkommt es mich nicht mehr so schlimm, nachdem ich mit ausgeweint habe, „doch ich stellte mich ziemlich tollpatschig an und stieg beim ersten Mal gleich verkehrt auf das Pferd.“ Ein leises Lachen kommt von Éomer und ich erzähle etwas erleichtert weiter: „Aber es wird noch besser, denn als ich losreiten sollte kam ich nicht vom Fleck. Das Pferd wollte einfach nicht weiter und so gab Haldir dem Tier einen kleinen Klapps. Ich war nicht vorbereitet gewesen und ich landete im hohen Bogen in einem Fluss. Die nächsten paar Tage stieg ich in keinen Sattel mehr.“ Eine kurze Stille entstand zwischen uns beiden und ich denke schon Éomer gefällt die Geschichte nicht. „Das kann ich mir bei eurem Talent gar nicht vorstellen, dass ihr euch mal so tollpatschig angestellt habt“, durchbricht er das Eis zwischen uns und ich lache kurz. „Ihr habt ja gar keine Ahnung, wie oft ich mich so wirklich blöd anstelle“, antworte ich ihm und er dreht den Kopf zu mir. Plötzlich setzt er ein böses Grinsen auf und ich blicke ihn verwirrt an. „Ihr habt mir neuen Mut gegeben und ich möchte mich jetzt bei euch bedanken“, sagt er daraufhin und hebt mich einfach so hoch. „Ich warne euch, wenn ihr das tut...“, beginne ich mit meinen Verschwörungen, komme aber nicht weit und lande mit einem schönen, lauten Platsch im Wasser. Das Wasser ist nicht kalt, aber auch nicht warm und schnell tauche ich wieder auf. „Éomer! Ihr seid so fies!“, rufe ich laut, habe aber gar keine Lust aus dem Wasser zu gehen. Ich lasse mich reglos am Wasser treiben und sehe in den wunderschönen blauen Himmel. Eine Welle erfasst mich und Éomer taucht neben mir auf, nur damit ich ihm gleich eine Kopfnuss geben kann. „So etwas macht man bei einer Frau nicht“, belehre ich ihm und er lacht nur daraufhin. „Wie gesagt keine Manieren“, wiederholt er und spritzt mich wieder mit einer Ladung Wasser voll. „Das gibt Krieg!“, rufe ich ihm entgegen und gebe ihm saures. Eigentlich müsste nach dieser Wasserschlacht gar kein Wasser mehr im Fluss sein. Erschöpft legen wir uns ins Gras und genießen noch ein wenig die Sonne, während wir uns Geschichten erzählen. Der Wind zischt über das Land und ein Schauern durchzieht meinen Körper. „Friert ihr?“, fragt mich Éomer und ich nicke leicht, „Kommt wir machen ein Feuer, sonst verkühlt ihr euch noch.“ Zusammen suchen wir uns ein paar kaputte Äste, die am Boden herumliegen und machen uns ein kleines Lagerfeuer. Das brutzelnde Feuer reicht jedoch immer noch nicht aus, um mich zu wärmen. „Wartet kurz, ich habe eine Decke“, meint Éomer und holt diese geschwind aus der Satteltasche seines Pferdes. „So, gleich wird euch wärmer“, sagt er liebevoll und legt mir den kuscheligen Stoff auf die Schultern. Aufmerksam sehe ich ihn an, als er sich neben mich auf den Boden setzt. Einladend halte ich einen Teil der Decke hoch und er braucht einen Moment um zu verstehen, was ich möchte. Sein Körper ist ganz warm, im Gegensatz zu meinem und ich kuschle mich an ihn. Meine Augenlider sind ja vorher schon schwer gewesen, aber jetzt wird es noch schlimmer. So sinkt mein Kopf auf seine Schulter und wunderbare Dunkelheit umgibt mich. Schlaf...endlich hast du mich... „Nein! Lass mich nicht alleine!“, schreie ich verzweifelt und klammere mich an den blutroten Mantel von der Person, die mich verlassen möchte. Unaufhaltsam geht sie trotzdem weiter und langsam löst sie sich auf, sodass der Stoff, den ich in der Hand hielt, nicht mehr da ist. So wie die ganze Person. Dicker, schwarzer Nebel kommt auf und ich bin allein...ganz allein... Bilder von Freunden und meinen Gefährten tauchen auf, strahlen helles Licht aus und ich fühle ein wenig Kraft in mir aufkommen. Doch sie kehren mir alle nacheinander den Rücken und verblassen so schnell wie sie gekommen sind auch wieder. „Warum geht ihr alle? Wieso will mich keiner?“, frage ich in die Leere, aber eine Antwort kommt keine. Tränen bilden sich, kämpfen gegen meine Willenskraft an und brechen dann aus, als ich sie nicht mehr zurückhalten kann. „Éomer? Seid ihr das?“, frage ich in die Stille und wirklich er taucht vor mir auf, doch er ist total zerschunden. Seine Rüstung ist blutrot und sein Schwert zerbrochen. Neben ihm taucht eine weitere Person aus dem Nichts auf. Auch dessen Rüstung ist rot und zerschunden, Nein, sogar tot... „Haldir, wieso? Wieso spukst du so sehr in meinem Kopf herum?“, frage ich ihn weiter, aber niemand gibt mir eine Antwort. Weitere Tränen der Trauer überwältigen mich und fließen an meinen Wangen herab... Erschrocken zische ich in die Höhe und kann nicht mehr klar denken. Mein Herz versucht krampfhaft aus meiner Brust zu springen und auch in Wirklichkeit fließen Tränen aus meinen Augen, während ich einen Art Schüttelfrost bekomme. Eine Panikattacke würden andere sagen, denn als ich mich umsehe und Éomer nirgends sehen kann bekomme ich auch noch Atemnot. Zwischen schniefen und keuchen bekomme ich noch ein: „Éomer?! Bitte verlass mich nicht!“ heraus. Das heruntergebrannte Feuer tanzte im Wind und zusammengekrümmt weine ich vor mich hin, während ich die Hände zu Fäusten balle. „Esce! Esce!“, ruft Éomer und kommt aus dem Wald gelaufen. Muss ein Schock für ihn sein, als er mich da halb aufgelöst beim Lagerfeuer findet. Voller Sorge nimmt er mich in den Arm und ich lasse meinen Gefühlen weiter ihren Lauf. Beruhigend streichelt er mir über den Kopf und die Haare. Was hatte dieser Mann an sich? Augenblicklich als er mich an sich drückt und tröstet beruhige ich mich. Mein Herzschlag normalisiert sich langsam und atmen konnte ich auch wieder normal. „Alles wird gut, denn ich bei dir“, flüstert er leise und ich verliere wiedermal mein Zeitgefühl, wie lange wir schon da sitzen und er auf mich einredet. Es muss aber eine Weile gewesen sein, denn das Lagerfeuer ist fast ausgegangen und nur ein paar kleine Flammen züngeln nach neuem Holz. „Wo wart ihr denn?“, frage ich schniefend und wische mir etwas umständlich über die Augen. „Ich wollte neues Feuerholz sammeln, als ich eure Rufe gehört habe und bin sofort wieder her gekommen“, erklärt er leise und streicht mir weiter über die Haare. „Ihr könnt ruhig welches holen gehen. Mir geht es schon besser, danke“, sage ich und Éomer sieht mich prüfend an. Um einen gute Eindruck zu machen, versuche ich ein Lächeln aufzusetzen, doch es muss eher wie eine Grimasse aussehen. „Kann ich euch wirklich für ein paar Minuten alleine lassen?“, fragt er sicherheitshalber nochmal nach und ich nicke bestätigend. Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn und macht sich auf den Weg in den Wald, aber nicht ohne sich vorher noch ein paar Mal umzudrehen, um zu sehen, ob ich nicht schon wieder am Weinen bin. Als er dann endlich in der Dunkelheit verschwindet, sehe ich den paar Flämmchen zu, wie sie um ihr Überleben kämpfen. Hinter mir wurde ein weißes Licht heller und verwirrt blicke ich nach hinten. Ein kleines Glühwürmchen vielleicht dachte ich mir, aber es wurde größer und nimmt bald Menschengestalt an. Erstaunt starre ich den näherkommenden Menschen an... oder eher Elb... „Haldir? Was tut ihr hier? Träume ich oder habe ich Halluzinationen?“, frage ich die Gestalt vor mir und wische mir nochmals über die Augen. „Es ist kein Traum, Esce, ich habe nicht viel Zeit, denn ich muss bald zurück zu den anderen Seelen. Ich bin nur hier, um dir zu sagen, wie leid es mir tut, dass ich mich nicht verabschieden konnte und das du diesen Schmerz nun ertragen musst“, erklärt er schnell und ich schüttle kurz den Kopf. Irgendwie wollte das nicht in mein Gehirn... „Du bist doch für mich wie eine kleine Schwester. Also bitte lebe dein Leben weiter, auch wenn ich nicht mehr bei dir sein werde“, bittet mich der leuchtende Haldir und legt mir seine Hand auf die Wange, „Bitte, tu es für mich. Ich könnte es nicht ertragen, wenn du nur Schmerz erleidest.“ „Geht es dir denn jetzt gut?“, frage ich ihn und lege meine Hand auf seine. „Ja, sehr gut sogar. Hast du jetzt deinen inneren Frieden gefunden, wenn du weißt, dass es mir gut geht? Denn ich muss wieder gehen“, sagt mein Bruder und ich blicke traurig auf den Boden. „Ja, habe ich. Ich liebe euch, Haldir, und werde euch vermissen“, verabschiede ich mich und er macht es mir gleich: „Ich liebe euch auch, kleine Schwester. Lebt wohl! Ich werde immer über euch wachen.“ Zum Abschied nimmt er mein Gesicht in seine Hände und küsst mich auf die Stirn. Dann geht er in die Dunkelheit und löst sich nacheinander auf... Zurückbleibe ich alleine ... und ein Amulett, dass er bei seinem Tod trug. Ich glaubte, ich sehe es nie wieder. Keine Tränen, keine Trauer, keine Schuldgefühle... „Esce? Was tut ihr da?“, fragt der aus dem Wald kommende Éomer und legt das Holz in das Feuer. „Ich habe mich gerade von einem sehr guten Freund verabschiedet“, antworte ich leicht lächelnd und verwirrt kommt er näher. „Und woher habt ihr die Kette?“, fragt er weiter und ich grinse leicht. „Ihr werdet mir nie glauben, wenn ich euch erzähle, was mir gerade passiert ist“, erkläre ich ihm geheimnisvoll und lächelnd umarmt mich Éomer. „Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich bin, euch wieder lächeln zu sehen“, teilt er mir mit und ich streiche ihm über die Wange. „Ich kann euch gar nicht sagen wie froh ich bin, euch bei mir zu haben“, sage ich ihm und er lehnt seine Stirn gegen meine. „Ihr zeigt eure Manieren vielleicht etwas selten, doch ihr seid ein wunderbarer Mensch und ich bin so froh, euch bei mir zu haben. Ich wüsste gar nicht, was mit mir geschehen wäre, wenn ihr nicht dagewesen wärt“, lobe ich ihn und er nimmt mein Gesicht in beide Hände. „Das ist zu viel des Guten, denn so toll bin ich auch wieder nicht“, meint er grinsend und ich sehe ihn erstaunt an. „Auch noch bescheiden. Ihr werdet immer besonderer“, entgegne ich ihm und ganz zart legt er seine Lippen auf meine. Eine Welle der Glücksgefühle durchströmt meinen Körper und dazugesellt sich ein angenehmes Kribbeln. „Ich liebe euch“, sagen wir zeitgleich, als er den Kuss löst und leise lachend setzen wir uns wieder an das Feuer. Am nächsten Tag reiten wir zurück ins Schloss und Éowyn freute sich, wie ein kleines Kind als sie erfährt, dass wir endlich zueinander gefunden haben.

26.8.13 19:11, kommentieren