Über

das melancholische Kind in mir... Seit ich mich erinnere versuche ich mich mit Geschichten, Gedichten und vieles mehr in der Welt zurecht zu finden. Das liest sich vielleicht jetzt schon etwas uebertrieben und melancholisch, aber so bin ich und meine Schreibweise nun mal. Wenn dir die Texte gefallen, wuerde ich mich sehr ueber konstruktive Kritik freuen. Wenn nicht, dann lies dir bitte einen anderen Blog durch und lass meinen in Ruhe! Danke! :D

Alter: 22
 


Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
war ich jeden Tag etwas anderes. Am liebsten Piratin :D

Wenn ich mal groß bin...:
werde ich Feuerwehrfrau! :D

In der Woche...:
werde ich noch Klettern gehen

Ich wünsche mir...:
, dass ich meine Fantasiewelt immer behalten kann

Ich glaube...:
an vieles...

Ich liebe...:
gute Buecher und Regenwetter!

Man erkennt mich an...:
meiner Verruecktheit?!

Ich grüße...:
meine Mami und meinen Papi :D



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Blog

Frischer Wind in Miami

Mein Name ist Luca Audira und ich arbeite im CSI Team von Miami. Wie jeder von uns musste ich mich durch die harte Ausbildung und Akademie schlagen, aber es hat sich gelohnt. Mein Partner ist Ryan Wolfe und gemeinsam lösen wir fast jeden Fall. Solange uns keine Reporterinnen in den Weg kommen, doch lest einfach selbst: Gehetzt wische ich mir mit der Hand über die Stirn. „Wieso müssen die immer weglaufen?!“, frage ich Ryan, der neben mir läuft. „Wenn ich das wüsste“, antwortet er schnaufend. Mit der Hand gebe ich ihm ein Zeichen. „Ich schneide ihm den Weg ab“, erkläre ich schnell dazu und biege links in eine Seitengasse ein. Erschrocken springe ich über eine Schubkarre voller Erde, die mitten in der Gasse steht. „Entschuldigung!“, rufe ich dem ebenso erschrockenen Gärtner zu und hetzte weiter durch die enge Gasse. Diese mündet in einen großen Park. Um diese Zeit tummeln sich viele Leute hier herum und genießen ihre Freizeit oder ihre Mittagspause. Sofort sticht mir unser Verdächtiger ins Auge. Gefolgt von meinem Partner Ryan, der aussieht als hätte er einen zweistündigen Marathon hinter sich. Schnell bewegen sich meine Beine über den Boden und im richtigen Augenblick springe ich los. Mit viel Schwung reiße ich den jungen Mann nieder und lande dadurch ebenfalls im Dreck. „Sie sind verhaftet“, schnaufe ich nur und drehe ihm die Arme auf den Rücken um ihn Handschellen anzulegen. „Ich kenne meine Rechte“, antwortet er bloß und lässt dann seinen Kopf ins Gras sinken. Der Aufprall wird ihm sicher einige blaue Flecken wenn nicht sogar einige Prellungen beschert haben. „Das nenne ich mal einen Touchdown“, scherzt Ryan und hält mir hilfsbereit die Hand hin. Dankbar ergreife ich diese. Er zieht mich auf die Beine, während die Verstärkung mit lauter Sirene eintrifft. „Wie langweilig! Die könnten auch ruhig laufen. Das erspart einem das Workout im Fitnesscenter“, kommentiere ich das Geschehen sarkastisch. Ryan grinst breit und ich lasse den Arm kurz kreisen. Ein leichter pulsierender Schmerz zieht sich durch meinen ganzen linken Arm. „Gute Arbeit“, lobt Horatio uns, „Ihr seid ein tollen Team und deswegen könnt ihr euch auch gleich sein Auto vornehmen.“ Mein Gesicht verzieht sich von selber. „Ein falscher Augenblick und schon ist man wieder ins Labor verdammt“, murmele ich genervt, während Ryan kurz die Augen verdreht. „Alles klar bei dir?“, fragt er mich aber dann besorgt mit dem Blick auf meinen Arm gerichtet. Der Schmerz pulsiert noch immer durch meinen ganzen linken Arm trotzdem nicke ich lächelnd. „Es wird mich nicht umbringen“, antworte ich ihm ein wenig verspätet. Die Sorge weicht nicht aus seinen Augen auch wenn er auf meine Aussage hin nickt. „Gehen wir zu Fuß oder nehmen wir doch lieber den Wagen?“, frage ich Ryan grinsend. Erschrocken weitet er kurz die Augen und schüttelt schnell den Kopf. „Du kannst ja gerne die zehn Blocks bis zum Labor laufen. Ich warte dann mit einem schönen heißen Kaffee dort auf dich“, kontert er dann geschickt und klopft mir freundschaftlich auf die Schulter, während ich mit offenem Mund stehen bleibe. Mit so einer Antwort habe ich überhaupt nicht gerechnet. „Wie fies, du würdest mich wirklich alleine die zehn Blocks laufen lassen, während du dir einen Kaffee gönnst?“, frage ich ihn empört und schließe griesgrämig wieder zu ihm auf. „Natürlich. Nur weil wir Partner sind heißt das noch lange nicht, dass wir jetzt unsere ganze Arbeitszeit aufeinander kleben“, erklärt er mit ernstem Gesicht und überrascht ziehe ich die Augenbrauen hoch. „Ist das dein Ernst oder veräppelst du mich gerade wieder?“, platzt es aus mir heraus nachdem ich die Worte kurz verdauen musste. Prompt bleibt Ryan stehen und sieht mir in die Augen. Sofort erkenne ich das typische Glitzern in seinen Augen. „Na klar, heute ist ja auch Mittwoch, der Ich-veräpple-meinen-Partner Tag. Wieso ist mir das nicht gleich aufgefallen?“, rede ich sarkastisch zu mir selber und drehe mich genervt um. Mit der Hand mache ich eine wegwerfende Geste. Mein Blick fällt auf unseren Dienstwagen, den Eric hergefahren hat und ein Grinsen huscht über mein Gesicht. „Viel Spaß beim Laufen!“, rufe ich Ryan breit grinsend zu und laufe blitzschnell los um als Erstes beim Auto zu sein. Bevor Ryan reagieren kann habe ich schon einen großen Vorsprung rausgeholt und bin nur noch ein paar Meter vom Wagen entfernt. Triumphierend reiße ich die Türe auf, während mein Blick über die Schulter fällt. Mein Partner ist gerade erst losgelaufen. „Ach, wie schön. Ich kann mir auch noch Zeit lassen“, murmele ich lächelnd und setzte mich langsam in den Wagen. Kurz bevor Ryan die Autotür erreichen kann schließe ich von innen ab und winke ihm grinsend durch das Glas des Fenster zu. „Mach die Türe auf! Du hast einen Frühstart hingelegt. Das ist nicht fair!“, ruft er, während er am Griff rüttelt, doch diese rührt sich keinen Zentimeter. „Sind doch nur zehn Blocks, Ryan. Ein bisschen Sport wird dir gut tun“, antworte ich frech und lasse ihn noch ein paar Augenblicke an der Türe rütteln. „Ich schlage dir einen Deal vor“, unterbreche ich seine Versuche dann und aufmerksam sieht er mich an. „Ich lass dich mitfahren, wenn du mich heute zum Mittagessen einlädst“, schlage ich ihm vor und lege den Kopf ein wenig schief. „Okay, das ist ein guter Deal und jetzt lass mich rein“, geht Ryan darauf ein und wie versprochen öffne ich die Zentralverriegelung wieder. „Also wenn man dich als Partner hat braucht man keine Feinde mehr“, bemerkt er ein wenig griesgrämig als er sich in den Wagen setzt und ich auf den Beifahrersitz rutsche, „Zuerst lässt du mich Sport machen, dann sperrst du mich aus UNSEREM Dienstwagen aus und jetzt knöpfst du mir auch noch mein ganzes Geld ab.“ „Du wolltest unbedingt mein Partner sein“, ist meine Antwort darauf und es entsprach sogar der Wahrheit. „Da wusste ich ja noch nicht, was da auf mich zukommt“, kontert er grinsend und startet den Wagen. Empört sehe ich ihn an und schüttele leicht den Kopf. „Willst du damit etwa sagen, dass ich anstrengend bin?“, frage ich meinen Partner gespielt böse. „Nein, du doch nicht. Du bist ein Engelchen, das einem nicht mal auffällt, weil du so still bist“, antwortet er grinsend und Stille breitet sich zwischen uns aus als er den Park verlässt und Richtung Labor fährt. „Ryan? Bin ich wirklich anstrengend?“, stelle ich eine ernst gemeinte Frage und beobachte ihn, wie er konzentriert auf die Straße sieht. Kurz legt er die Stirn in Falten und bleibt bei einer roten Ampel stehen. „Ist die Frage ernst gemeint?“, ist seine Gegenfrage und mit gesenktem Blick nicke ich darauf. „Ach, Luca. Du weißt doch, dass ich mir niemand anderen als meinen Partner vorstellen kann und du nichts tun könntest, dass ich dich als anstrengend empfinden würde“, antwortet er ehrlich und legt seine Hand unter mein Kinn. Ein dicker Kloss entsteht in meinem Hals, der mich am Reagieren hinderte. „Na, hat es dir die Sprache verschlagen?“, fragt er frech und grinsend ziehe ich meinen Kopf weg. Lautes Hupen ertönt plötzlich und Ryan fährt schnell los als er bemerkt, dass die Ampel auf Grün geschalten hat. Etwas verträumt sehe ich aus dem Fenster und beobachte die vorbeizischenden Häuser. Die Menschen verschwimmen zu bunten Schemen während die Bäume zu grüne Flecken wurden. „Luca, ich sollte dir etwas sagen“, beginnt Ryan mit seiner ernsten Stimme und ganz ohne Vorwarnung rutscht mir mein Herz ein Stück tiefer. Der Wagen biegt auf den Parkplatz vor dem Polizeidepartment ein und ich beobachte sein konzentriertes Gesicht. „Von Anfang an... Nein ... Ich wollte ...“, stottert er ein paar Wörter als er den Motor abstellt, die Hände dann aufs Lenkrad legt und stur gerade aussieht. „Du wolltest was von Anfang an?“, frage ich nach als er nicht weiterspricht, aber er schüttelt nur den Kopf und lächelt mich dann an. „Nicht so wichtig. Luca, du bist nicht anstrengend“, sagt mein Partner ausweichend und steckt die Autoschlüssel in die Hosentasche als er die Türe öffnet und aussteigt. Verwirrt sehe ich ihm hinter her, während sich große Fragezeichen um meinen Kopf bilden und in schillernden Farben blinken. „Komm schon, Schlafmütze. Wolltest du vorher nicht die zehn Blocks laufen?“, reißt Ryan mich aus meiner Grübelei und hält mir seine Hand hin um mir beim Aussteigen zu helfen. Mein Hirn ist ein wenig mit seiner Art überfordert und streikt deswegen. Eine Antwort gibt es auch deshalb nicht. Gemeinsam gehen wir nebeneinander in das große Gebäude um das Auto im Labor auseinander zu nehmen. „Na, ihr seht aber ziemlich abgestrampelt aus“, begrüßt uns Walter grinsend und griesgrämig sehe ich ihn an. „Uh, der böse Blick. Du solltest sie lieber in Ruhe lassen sonst sieht du nachher nicht mehr so frisch aus, Walter“, mischt sich auch noch Eric ein und auch er wird mit einem bösen Blick gestraft. „Das nächste Mal schicke ich dich, wenn es um Verfolgungsjagden geht“, erwidert Ryan dafür und geht voraus in Richtung Labor. „Du hast da einen Grasfleck, Luca“, bemerkt Walter noch bevor ich mit hängenden Schultern davon ziehe und Ryan zum Aufzug folge. „Was heißt hier ein Grasfleck? Das ist ein ganzer Rasen, den ich auf meiner Jacke habe und ich will nicht wissen, wie viele blaue Flecken ich darunter habe“, grummele ich leise vor mich hin. Ryan lacht kurz auf und auch ich muss kurz grinsen. „Dein Sarkasmus ist ungeschlagen, Luca“, lobt mich mein Partner, während er eine einladende Geste mit seiner Hand in den Aufzug macht. Hinter ihm schließen sich die Türen des Aufzuges. Die Anzeige leuchtet auf und jedes Mal wenn wir einen Stock nach unten fahren ertönt ein leises „Ding“. „Hey, Sonnenschein. Wo ist dein Lächeln hin?“, reißt mich mein Kollege aus meinen Gedanken. Zur Antwort ziehe ich skeptisch die Augenbrauen nach oben. „Dich bedrückt doch etwas. Sag es deinem Kumpel Ryan“, redet er weiter und legt seinen Arm um meine Schulter. Bevor ich antworten kann bleibt der Fahrstuhl mit einem weiteren leisen Ding stehen und öffnet die Türen. Mein größter Albtraum wartet am Ende des Ganges auf mich... oder besser gesagt auf Ryan. „Erica? Was macht sie denn hier?“, fragt sich mein angeblicher Kumpel selber, während meine Laune noch ein paar Etagen weiter in Richtung Erdinneres sinkt. „Sie ist mein Problem. Was macht sie schon wieder hier? Will sie noch mehr Informationen nach außen dringen lassen und somit einen Fall zerstören?“, stelle ich eine Gegenfrage, aber die Antwort bleibt aus. Ohne mich weiter zu beobachten geht Ryan ihr entgegen. Mit offenem Mund starre ich ihm hinter her. „Lass mich ruhig hier alleine stehen und geh zu deiner Erica. Ist gar kein Problem“, grummele ich wütend. Doch die Traurigkeit überfällt mich als ich die Türe zur Werkstatt öffne. Diese Erica... Was findet Ryan bloß an ihr?! Frustriert über diese Situation beginne ich mit der alltäglichen Analyse des Wagens und dessen Inhalt. Die Arbeit zieht sich wie ein alter ausgeleierter Kaugummi und dauert um die eine Stunde. Seufzend schäle ich mich aus den Gummihandschuhen, die einen nach der Zeit so einengen. „Luca! Ich bin schon da und helfe dir“, ruft Ryan während des Hineinlaufens. Hinter ihm fällt die Türe ins Schloss. Wütend oder besser gesagt stinksauer werfe ich ihm die Handschuhe gegen die Brust. „Du bist zu spät, Ryan. Wie so oft schon wenn Erica um dich herum schwirrt! Mach dir nicht die Mühe die Proben zu Natalia zu bringen. Ich habe sie schon längst informiert, Partner. Einen schönen Tag noch! Ich mache jetzt Feierabend“, zische ich Ryan entgegen und verlasse den Raum ohne mich noch einmal zu ihm umzudrehen. Innerlich fühle ich mich ein wenig besser. Anscheinend sollte ich öfters Dampf ablassen und meinem angeblichen Partner die Meinung sagen. Trotzdem gekränkt hänge ich den Laborkittel zu den restlichen. „Hey Luca! Du siehst aber wütend aus. Was hat Ryan schon wieder ausgefressen?“, fragt Eric im vorbei gehen. „Seine Erica Sikes hat er ausgefressen“, antworte ich nur und hole meine Sachen aus dem Spind. Es ist schon allgemein im Labor bekannt, dass ich mit der Reporterin Erica Sikes nicht kann. Lieber würde ich einen wildgewordenen Rottweiler küssen bevor ich ihr auch nur die Hand zur Begrüßung reiche. „Er wird ihr doch nicht wieder Informationen über einen Fall geben“, meint Eric besorgt. Kurz flammt in mir die Wut auf und mit einem lauten Knall schlage ich die Türe meines Spindes zu. „Wenn er das macht war er für die längste Zeit mein Partner“, sind meine letzten Worte und lasse Eric alleine zurück. Deprimiert und böse gleichzeitig stapfe ich durch die Empfangshalle des Departments. Noch ein paar Schritte zur Türe und somit in die Freiheit, aber dieser Plan wurde mir schön vereitelt. Jason Mailes, der als Fotograf für Erica arbeitet, ist sein langer Zeit mein leider nicht so heimlicher Verehrer und taucht überall auf wo ich mich befinde. „Luca! Hey, Luca! Willst du nicht mit mir essen gehen? Ich kenne da ein schönes griechisches Restaurant. Oder willst du lieber chinesisch essen? Arabisch? Indisch?“, ruft er von weitem und läuft aufgeregt neben mir her. „Jason, ich habe heute keine Nerven mehr. Bitte lass mich in Ruhe und ich habe keinen Hunger“, versuche ich ihn noch nett abzuwimmeln. Er erweist sich als hartnäckiger als ich erwartet habe. „Kein Problem! Dann machen wir etwas Entspannendes. So etwas wie Joggen oder einen Film schauen. Soll ich dir den Rücken massieren?“, schlägt er zappelig vor und mir reißt endgültig der Geduldsfaden. „Jetzt hör mir mal zu, Jason! Anscheinend hast du es beim ersten Mal nicht verstanden, aber ich will und werde dich nie treffe, weil du nicht mal annähernd mein Typ bist. Lass mich gefälligst in Ruhe und denk nicht nochmal daran mich anzureden!“, schreie ich ihn lautstark nieder, sodass sich alle Polizisten verwundert zu uns umdrehen. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren stapfe ich weiter durch die Eingangshalle. Respektvoll hält mir ein Kollege die Türe auf. Draußen an der frischen Luft geht es mir ein wenig besser. Kurz habe ich so etwas wie Mitleid mit Jason, aber daran ist er selber schuld. In Gedanken versunken gehe ich durch die belebten Straßen Miamis. „Luca!“, höre ich eine Stimme rufen und verwirrt drehe ich mich um. Auf den ersten Blick erkenne ich kein bekanntes Gesicht, doch dann entdecke ich Ryan in einem silbernen Hummer. Wie wild winkt er mir zu und Augen verdrehend erbarme ich mich zu ihm rüber zugehen. „Was willst du, Ryan?“, frage ich ihn genervt und lehne mich beim offenen Fenster herein. Einen Moment lang druckt er verlegen herum, aber gibt sich schließlich einen sichtlichen Ruck. „Ich wollte dich doch zum Essen einladen“, gibt er wortkarg von sich. „Bei den Gefallen, die du mir schuldig bist, müsste es ein fünf Gänge Menü mit Vor- und Nachspeise sein“, erwidere ich gelassen und sehe Ryan an wie sehr er sich schämt. „Tut mir leid“, sagt er dann leise. Meine Wut verraucht augenblicklich und sofort hätte ich ihm verziehen. Hätte er bloß nicht weitergeredet... „Erica hat mir wichtige Informationen zu unserem Täter liefern können“, schwenkt er auf das Tabu Thema zurück. Meine Gesichtszüge entgleiten mir, während ihm seine Verwirrtheit ins Gesicht geschrieben steht. „Ryan, du hättest wirklich aufhören sollen zu reden. Ich wünsche dir noch einen schönen Tag“, verabschiede ich mich, während ich mir vorlehne und den Autoschlüssel aus dem Zündschloss ziehe. „Viel Spaß beim Suchen“, grinse ich ihn humorlos an und werfe den Schlüssel beim Beifahrerfenster hinaus. „Hey!“, ruft Ryan überrascht, aber ich achte nicht weiter auf ihn. Mit erhobenem Haupt stolziere ich die Straße entlang auf den Weg nach Hause. „Guten Morgen, Luca!“, höre ich jemanden rufen und drehe mich zu der Stimme um. Ich bleibe stehen damit Eric zu mir aufschließen kann. Aufbauend legt er mir seinen Arm um die Schulter. „Du musst Ryan verzeihen. Er ist halt ein wenig naiv und braucht oft einen Stoß in die richtige Richtung“, erklärt er grinsend und skeptisch ziehe ich die Augenbraue hoch. „Auch wenn ich ihn mit Wucht in die richtige Richtung boxen muss?“, frage ich ihn ernst, während wir weiter durch die Eingangshalle des Departments gehen. „Genau, das ist dein Job als seine Partnerin“, erwidert er ehrlich, „Und jetzt mach nicht so ein Gesicht wie die Regenwolken, die gerade über Miami hängen.“ Mein Blick fällt zu der großen Glasfront des Hauses. Er hat Recht. Es hängen tiefe Wolken über dem sonst so sonnigen Miami. „Eric, bitte, wir sind hier in Miami. Hier regnet es so gut wie nie“, erwidere ich grinsend. Er zuckt bloß mit den Schultern und gemeinsam bleiben wir noch kurz stehen, um uns die Wolken anzusehen. „Was macht ihr da?!“, reißt uns eine Stimme aus unseren Gedanken und erschrocken drehen wir uns um. Ryan steht mit verschränkten Armen vor uns und sieht ziemlich wütend aus. „Ah, Ryan! Gut, dass du da bist. Wir haben noch Arbeit von gestern aufzuholen“, sagt Eric bevor ich überhaupt reagieren konnte. Verwirrt sehe ich ihm dabei zu wie er meinen Partner in Richtung Aufzüge zieht. „Was soll das denn werden, Eric?“, fragt Ryan seinen Freund, der ihn nur böse ansieht. „Das fragst du mich? Ich wusste gar nicht, dass du so beschränkt bist, Ryan! Weißt du eigentlich wie sehr du Luca weh tust? Sie hat definitiv etwas Besseres verdient als andauernd verletzt zu werden. Wenn ich du wäre, Ryan, würde ich ihr jeden Tag zu einen ganz besonderen machen“, erklärt Eric wütend, während Ryans Gesichtsausdruck von verwirrt zu überrascht ändert. „Du bist in Luca verliebt?!“, stößt er seine Erkenntnis verwundert aus. Eric boxt ihn auf den Arm. „Ja, doch sie hatte immer nur Augen für dich. Aber schön, dass es dir nach einem ganzen Jahr erst auffallt, obwohl wir ja angeblich so gute Freunde sind“, erwidert sein Freund gelassen und lässt Ryan entsetzt alleine am Gang stehen. Kurz dreht sich Eric noch um und ergänzt: „Ach, du musst dich nicht um den Bericht kümmern. Den hat Luca schon geschrieben und an Horatio weitergeleitet...wiedermal.“ So gehen Freundschaften auseinander, aber von alldem bekomme ich leider nichts mit, weil ich es sonst mit aller Kraft verhindert hätte. Frustriert ordne ich die Berichte in die Akten. Währenddessen gehen Polizisten durch die Glastür ein und aus, sodass ich die zivile Frau mittendrinnen nicht mitbekomme. „Entschuldige. Luca, nicht wahr?“, reißt mich eine Stimme aus meiner monotonen Arbeit. Fragend sehe ich zu der Person hin. Ganz schnell verfinstert sich mein Gesicht. „Für Sie immer noch Officer Audira. Was wollen Sie hier, Sikes?“, begrüße ich meine Konkurrentin gereizt und schiebe die Akten ganz beiseite. „Von mir aus auch das, Officer Audira“, meint sie sarkastisch und betont Officer extra abwertend, „Ich muss zu Ryan.“ Ding, Ding! Der Kampf hat begonnen. In der linken Ecke Luca Audira mit einem Kampfgewicht von einer Pistole und einen Dienstausweis. In der rechten Ecke die Konkurrentin Erica Sikes mit einem Kampfgewicht von einem Mikro. Skeptisch ziehe ich die Augenbrauen nach oben. „Das geht nicht, weil er gerade bei Ermittlungen ist und Sie wollen doch nicht schon wieder einen Fall sabotieren“, antworte ich ihr und ihre Augen sprühen fast vor Wut. Nach der ersten Runde steht es 1:0 für Luca Audira, die ihre Konkurrentin mit einem Fakt leicht aus dem Konzept gebracht hat. Mal sehen wie es weiter geht! „Dann sagen Sie ihm, dass ich heute leider keine Zeit für unser Date habe“, bittet sie mich böse grinsend. Au, dieser Schlag geht unter die Gürtellinie. Luca strauchelt ein wenig und ringt kurz um ihre Verfassung. Nun steht es 1:1... Es fällt mir schwer mein Pokerface aufzubehalten, doch irgendwie mit aller Kraft gelingt es mir. „Hat es Ihnen die Sprache verschlagen, Audira? Kümmere dich lieber um deine Akten und Berichte“, legt sie noch eines nach, während sie einige Berichte in die Hand nimmt und lustlos durchblättert. Bevor sie die lesen konnte reiße ich ihr die Blätter aus der Hand. „Verschwinde Sie hier oder ich lasse Sie wegen Behinderung der Ermittlungen verhaften“, zische ich wütend. Respektvoll macht sie einen Schritt zurück. Aha, Audira packt nun ihre Geheimwaffe aus. Ihr Beruf als Polizistin schlägt ihre Feindin ein wenig zurück in ihren Bereich. Wird sie sich das gefallen lassen? In dem Moment taucht Eric auf und mischt sich ebenfalls mit ein. „Was ist hier los?“, fragt er mich, aber Erica antwortet ihm gleich: „Nichts, Audira hat mir nur freundlich gesagt wo sich die Tür befindet.“ Eric wendet sich gelassen der Reporterin zu. Mit einer Mischung aus Gelassenheit und Respekt erwidert er: „Für Sie Officer Audira und ich würde sie jetzt ebenfalls bitten zu gehen. Hier werden Ermittlungen durchgeführt.“ Ihr entgleiten die Gesichtszüge und stolz erhobenen Hauptes verlässt sie das Department. Ding, Ding! Der Kampf ist vorbei und Sieger ist Luca Audira! Dank ihres Freundes Eric konnte sie sich den letzten Punkt holen und gewinnt mit 2:1! So endet das Duell zwischen uns, aber ich fühle mich kein bisschen wie ein Sieger. Ich habe Ryan eher noch ein Stück mehr an Erica verloren. „Komm her“, meint Eric liebevoll nachdem er meine Hand ergreift. Sanft schließt er mich in seine Arme. Ich fühle mich in Erics Armen so geborgen und doch schlägt mein krankes oder eher dummes Herz für Ryan. „Eric...ich“, fange ich an, aber er unterbricht mich sofort: „Ich weiß, Luca. Du liebst ihn. Das kann ich verstehen, aber trotzdem werde ich mir wünschen an seiner Stelle zu sein.“ Seine Augen sehen in meine. So viel Liebe habe ich noch nie in einem Blick gesehen. „Danke für dein Verständnis“, flüstere ich ihm zu und streiche über seine Schultern. Kurz jedoch ganz sanft legen sich meine Lippen auf seine. Durch die Umarmung spüre ich sein Herz schneller schlagen. „Damit du etwas zum Träumen hast“, erkläre ich nach dem kurzen Kuss und lasse Eric alleine zurück. Geschockt und beflügelt zugleich bleibt er einfach dort stehen und starrt ins Nichts... Nichts... Genau das was ich gefühlt habe. Eric wäre so ein toller Freund im Gegensatz zu Ryan, der mich doch gar nicht einmal wahrnimmt. Minuten kommen mir vor wie Stunden, aber auch der schlimmste Arbeitstag hat mal ein Ende. Das jetzt endlich gekommen ist. Seufzend schließe ich die Türe von meinem Spind. Erschrocken stolpere ich einen Schritt zurück und presse mir die Hand gegen die Brust, während versucht mein Herz aus dem Brustkorb zu springen. „Wenn du mich tot sehen willst mach das nochmal“, gehe ich Ryan gereizt an und schüttle leicht den Kopf. „Tut mir leid, aber ich habe nicht mitbekommen wie sehr du in deine Gedanken versunken warst“, antwortet er mir ein wenig peinlich berührt, „Ich wollte dich eigentlich etwas wichtiges fragen.“ Skeptisch ziehen sich automatisch meine Augenbrauen nach oben. Er druckt noch einen Moment herum bevor er es mir erzählt. „Ich würde dich nach den ganzen Problemen zwischen uns auf ein Essen einladen. Vielleicht finden wir dann wieder ein wenig zu einander...Vielleicht...Naja, so was wie ein Date halt“, stottert er mit roten Wangen, aber mein Herz zerbricht bei den Worten in tausend Teile. „Ryan, wir können das auch hier und jetzt gleich klären. Ich habe es satt dein Notnagel zu sein, wenn deine Erica mal keine Zeit für dich hat. Ja, sie war heute im Department und hat mich gebeten dir zu erzählen, dass sie heute nicht kann“, werde ich alles wütend los und boxe ihm kurz gegen die Schulter, während mir die Tränen über die Wangen laufen, „Weißt du, Partner müssen sich aufeinander verlassen können und einander vertrauen. Das kann ich schon lange nicht mehr!“ Ich hole tief Luft, um mich zu beruhigen und eine dramatische Pause einzulegen. „Ryan, ich habe einen neuen Partner von Horatio verlangt. Das war es wohl.“ Total überrascht von meiner Aussage weicht er einen Schritt zurück. „Das kannst du doch nicht machen, Luca! Wir sind Partner seit unserer Akademiezeit“, meint Ryan entsetzt. „Ja, vielleicht ist das einfach schon zu lange. Finde wieder zu dir selbst, bevor du mich suchst“, verabschiede ich mich traurig und kehre ihm den Rücken zu. So gehen Partner auseinander, aber leider habe ich es diesmal mitbekommen. Die Konsequenzen warten aber noch... Der restliche Tag verläuft ziemlich ereignislos und schon beginnt der nächste Arbeitstag. „Luca, schön, dass wir nun Partner sind!“, begrüßt mich Eric erfreut in der Früh vor dem Department. Zuvorkommend hält er mir die Türe auf, während ich antworte: „Ja, unsere Fähigkeiten ergänzen sich sicher gut.“ Es ist keine wirklich originelle Antwort, aber leider das Einzige was mir in dem Moment einfällt. „Wir haben auch schon den ersten Auftrag von Horatio bekommen, da es einen neuen Fall gibt“, erklärt mein neuer Partner, doch meine Aufmerksamkeit konzentriert sich in dem Augenblick auf eine andere Person. Ryan stapft uns mit entschlossener Miene entgegen. Seine Augen blitzen vor Wut. Ich konnte nicht reagieren, weil alles in mir den Dienst verweigert, während Ryan immer näher kommt. Eric bleibt ebenfalls stehen und sieht mich fragend an. Mein alter Partner nutzt seine Chance und packt Eric am Kragen. „Wie kannst du nur mir den Partner klauen! Ich dachte, wir sind Freunde, aber wahre Freunde tun so etwas nicht“, fahrt Ryan ihn an. Eric weiß kurz nicht, was gerade passiert, aber fängt sich sofort wieder. Mit Kraft stößt er seinen Rivalen von sich. „Du hast gut reden von wahren Freunden. Du warst nie einer, weder für mich noch für Luca. Sie hat was Besseres verdient als andauernd verletzt zu werden.“ Keiner der beiden Männer will nachgeben. Mit so viel Hass starren sie sich an und stoßen sich gegenseitig. „Na los, prügeln wir uns doch darum. Ich würde dich sowieso schlagen“, fordert Ryan Eric heraus, aber ich funke dazwischen. „Nein, hier wird niemand geschlagen, Ryan! Zuerst siehst du deine Fehler nicht und jetzt schiebst du sie anderen zu!“, weise ich ihn zurecht und stelle mich zwischen ihnen hin, „Ryan, du bist echt das Allerletzte!“ Die Worte treffen meinen alten Partner zutiefst. Er weicht ein paar Schritte zurück, während die Traurigkeit in seinen Augen sichtbar wird. „Wieso er? Jeder andere, aber wieso genau Eric?“, fragt er nur leise. „Weil er mir zuhört, mich sieht, mich wahrnimmt und die Arbeit mit mir teilt. Aber vor allem... weil er für mich da war und ist als ich dich brauchte“, entgegne ich ihm ehrlich. Man kann das Zerbrechen seines Herzens richtig hören. Wortlos nehme ich Eric an der Hand und verschwinde mit ihm im Labor. Ryan soll nicht sehen wie sehr es mir das Herz zerbricht... „Luca, ich...“, fängt Eric an, aber ich unterbreche ihn sofort mit einer Handgeste. „Bitte, Eric, lass es. Ich möchte einfach nicht darüber reden“, bitte ich ihn leise und ziehe mir meinen Laborkittel an. Konzentrieren ist schwer, doch ich schaffe es irgendwie auch diesen Arbeitstag hinter mich zu bringen. „Wir sehen uns morgen, Eric“, verabschiede ich mich und verlasse das Department. Die grauen Wolken hängen schon den ganzen Tag über am Himmel und haben sich nicht fortbewegt. „Das ist wirklich überhaupt nicht mein Tag“, murmele ich traurig, während ich in meiner Handtasche nach einem Regenschirm suche. Ein Regenschirm... so etwas braucht man in Miami eigentlich eher seltener. „Mist, wieso habe ich keinen Regenschirm?“, spreche ich mit mir selber. Seufzend sehe ich mich um, ob es irgendwo ein Geschäft gibt, wo ich einen kaufen kann. Auf der anderen Straßenseite entdecke ich Ryan mit seiner Erica Sikes. Genau in dem Moment schlägt in der Nähe ein Blitz ein, gefolgt von dem Donner. Mein alter Partner bekommt einen braunen Umschlag von Erica in die Hand gedrückt, während er mit ihr spricht. Ihr Lachen höre ich bis hier herüber. Danach fällt sie ihm um den Hals und die ersten Wassertropfen fallen vom Himmel. Ja, da regnet es einmal in Miami und ich habe keinen Regenschirm. Von einem Augenblick auf den anderen schüttet es wie aus Eimern. Alle flüchten sich unter Vordächer, in Geschäfte oder unter Regenschirme. Genau wie Ryan und Erica... Gemeinsam drängen sie sich unter einen Regenschirm, währenddessen bin ich bis auf die Knochen durchnässt. „So viel dazu also“, schniefe ich und meine Tränen vermischen sich mit den Regentropfen. Mein Herz zerbricht nun noch mehr von tausend Teilen in Millionen. „Luca! Komm unter meinen Regenschirm!“, ruft eine Stimme mir fröhlich zu, aber ich reagiere nicht darauf. Jason Miles kommt mit seinem Schirm angelaufen. „Jason... Wie oft muss ich dir sagen, dass du mich in Ruhe lassen sollst?! Ich will und werde nie etwas von dir wollen! Ich sage es dir nun zum letzten Mal, dass du verschwinden sollst und am besten kommst du nie wieder!“, schreie ich ihn an, um meine aufgestaute Wut herauszulassen. Jason weicht einen Schritt zurück und verengt die Augen kurz. „Du musst mich nicht anschreien“, meint er nur dazu und ich stapfe im Regen nach Hause. „Das wirst du noch büßen, Luca. So spricht keine Frau mit mir“, schwört er leise, während er mir hinterher sieht. Triefend sperre ich meine Haustüre auf. Tieftraurig schäle ich mich aus meinen nassen Klamotten und schlürfe unter die Dusche. Das warme Wasser hilft mir ein wenig mich zu entspannen und die Situation nicht mehr allzu schwarz zu sehen. „Vielleicht...vielleicht war nur ein neuer Auftrag in dem Umschlag... oder einfach nur ein Bericht“, versuche ich mir das schön zu reden. Funktioniert aber nicht wirklich, weil ich es mir selber nicht glaube... Seufzend wickle ich mich im Badetuch ein und frottiere mir die Haare ab. „Jetzt geht es mir ein wenig besser“, stelle ich überrascht fest und öffne die Badezimmertüre mit einem seichten Lächeln. Meine nackten Fußsohlen hinterlassen Abdrücke auf den Fliesen, während ich mir die Haare bürste. Alarmiert bleibe ich stehen, während ich dieses Gefühl von Gefahr in mir spüre. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht... Unauffällig drehe ich mich nach links und rechts, aber ich konnte nichts und niemanden erkennen. „Ach, ich habe ich noch gar nicht umgezogen“, sage ich laut und deutlich, während ich wieder ins Badezimmer gehe. Nervös schließe ich leise die Türe und schlüpfe in eine Jogginghose und ein Top. Gehetzt sehe ich mich nach einer brauchbaren Waffe um. Wieso ich so paranoid bin? Weil ich genau gesehen habe, dass sich dreckige Schuhabdrücke auf dem Wohnzimmerboden befinden und das obwohl ich meine Schuhe ausgezogen habe! Es muss sich jemand Zugang zu meiner Wohnung verschafft haben... Gehetzt durchwühle ich die Badezimmerschränke, doch ohne Erfolg. Ein Klirren von zerbrechendem Glas lässt mich zusammenschrecken. Schnell stürze ich zur Türe und sperre sie zu. „Alles wird gut...“, versuche ich mir leise selber zuzureden, „Wo habe ich bloß meine Waffe gelassen?“ Die liegt in meiner Tasche und diese befindet sich natürlich außerhalb meines Badezimmers. Ganz leise öffne ich die Türe wieder. Vorsichtig lasse ich meinen Blick von links nach rechts schweifen, aber es ist nichts zu sehen... Außer meine Handtasche! Noch einmal tief einatmen... Meine Beine starten durch so schnell sie können. Schnaufend lasse ich mich vor der Tasche auf die Knie fallen und durchsuche sie. „Willkommen zu Hause, Luca“, begrüßt mich eine unbekannte Stimme, während jemand meine Haare packt und grob nach oben zieht. Na das verläuft ja ganz nach meinem Plan... Seine Sicht: Mein Herz ist schwer vor lauter Kummer. Liebeskummer... Luca fehlte mir als Partnerin, als Freundin und... als meine bessere Hälfte. Der Glastisch spiegelt mein Gesicht wieder, aber es ist nur eine Hälfte zu sehen. Tränen schießen mir in die Augen und ich versuche mich auf die Arbeit zu konzentrieren. Frustriert sitze ich im Labor, warte auf die Berichte und versinke im Selbstmitleid. Obwohl ich ja eigentlich an der Situation selbst schuld bin. „Ryan? Wir haben ein großes Problem“, eröffnet Kelly mir, als sie bei der Tür herein kommt. Fragend sehe ich sie an. „Jemand hat unsere Kamera sabotiert, so dass alle unsere Beweisfotos mit einem Schlag weg sind“, erzählt sie das Problem. „WAS?! Was für eine Katastrophe!“, rufe ich verärgert aus und raufe mir die Haare. „Ja, alles ist fort. Somit können wir den Fall nicht abschließen und der Täter läuft auf freiem Fuß weiter“, setzt sich noch eines oben drauf. Kurz verfalle ich ins Grübeln und streiche mir nachdenklich über das Kinn. „Vielleicht habe ich eine Idee, um wenigstens ein paar Beweisfotos zu bekommen“, sage ich nach einigen Augenblicken und Kelly sieht mich verwundert an. „Warte hier auf die Berichte, während ich mein Glück versuche! Ich bin gleich wieder da!“, fordere ich sie auf und stürme aus dem Labor. Mit schnellen Schritten begebe ich mich zum Aufzug. Ein wenig ungeduldig warte ich auf den Lift, der sich heute nur langsam nach oben bewegt. Mit einem lauten „Ding“ öffnen sich die Türen, aber ich steige doch nicht ein. „Erica! Ich brauche deine Hilfe“, bitte ich die Reporterin, die gerade zur rechten Zeit aus dem Aufzug aussteigen möchte. „Kommt darauf an, was für mich herausspringt“, erwidert sie gelassen. Kurz schüttele ich seufzend den Kopf. „Du wirst dich nie ändern, oder? Ich brauche die Fotos, die dein Kameramann von dem Haus am Strand gemacht hat“, erkläre ich ihr. Ericas Gesicht verzieht sich zu einem Lächeln. „Das ist aber ein sehr großer Gefallen, den du von mir verlangt“, antwortet sie, „Für ein paar exklusive Insiderinformationen mache ich es.“ Wut steigt in mir auf, sodass ich etwas ruppig ihren Arm ergreife. „Jetzt hör mir mal zu, Erica! Dein Verhalten geht mir langsam gehörig auf die Nerven. Du hast alles, was zwischen mir und Luca war zerstört. Wenn du mir also nicht gleich die SD Karte mit den Fotos gibst, lasse ich dich wegen Behinderung der Ermittlung verhaften und sorge dafür, dass du deinen Job als Reporterin vergessen kannst“, drohe ich ihr das Schlimmste für sie an, während ich Augen sich immer mehr weiten. Mit einem Ruck reißt sie sich los und fängt an in ihrer Tasche zu kramen. „Hier, das sind die Fotos von Jason Miles Kamera. Diese Luca muss dir ja wirklich viel bedeuten, wenn du schon die gleichen Worte wie sie wählst“, gibt sich Erica geschlagen und reicht mir die Karte. „Danke“, antworte ich ihr und drehe mich um, „Sie ist mein Leben.“ So schnell wie möglich spurte ich zurück ins Labor zur Kelly, die gerade die Berichte liest. „Ich habe hier vielleicht die Lösung, Kelly“, bemerke ich grinsend und halte die SD Karte hoch. „Wo hast du die denn her?“, fragt sie überraschte, während sie mir den Chip aus der Hand nimmt. „Eine hilfsbereite Reporterin hat sie mir gegeben. Ich bin mal gespannt, was wir finden werden“, antworte ich ihr leise und stecke die Karte in den Laptop. Mit großen Hoffnungen öffne ich den Order am Arbeitsplatz und... erstarre. Meine Augen weiten sich, während es langsam in meinem Kopf anfängt zu rattern. „Ryan. Was...Was ist hier los?“, fragt Kelly mich ebenfalls verwirrt. Ohne ihr zu antworten scrolle ich weiter, aber es ändert sich nichts an der Situation. Es ist immer dasselbe Motiv zu sehen... Luca ... Deine Sicht: Meine Augen füllen sich mit Tränen, weil Jason Miles fest an meinen Haaren zieht. „Du hast mich einfach so vor allen abblitzen lassen, Luca. Das war ganz und gar nicht nett, deswegen muss ich jetzt Rache üben. Keine Frau spielt mit mir“, zischt er mir ins Ohr. Brutal stößt er mich auf den Boden. Wie ein Tiger geht er vor mir auf und ab. „Ich weiß wirklich nicht, was ich mit dir machen soll, Luca. Einerseits möchte ich einfach meine Waffe auf dich richtigen und abdrücken, aber andererseits bist du mir wirklich ans Herz gewachsen“, erklärt Jason nachdenklich, während die besagte Waffe von links nach rechts wandert. Was er sagt ist unwichtig, weil mein Herz nur nach einem verlangt. Ryan... Wo bist du, wenn ich dich einmal brauche?! Da drängt sich schon das Bild von Ryan und Erica in mein Gedächtnis. Traurigkeit überfällt mich, gefolgt von Trotz. Gelassen sehe ich Miles entgegen. „Weißt du eigentlich wie egal mir das ist? Es gibt noch andere Menschen auf der Welt, die vielleicht auch solche Probleme haben. Du bist wirklich egoistisch, Jason“, werfe ich ihm vor. Wut gemischt mit Traurigkeit erscheint in seinen Augen, bevor er ausholt und mich mit der Waffe ins Gesicht schlägt. Der Schmerz explodiert ganz plötzlich in meinem Kopf, während ich zurück auf den Boden falle. Warmes Blut läuft über meine Stirn, doch ich konnte nur liegen bleiben und warten, dass die Schmerzen wieder abebben. „Das hast du nun davon, Luca“, sagt Jason nur leise. Auf einmal öffnet er seinen Gürtel. „Jetzt wo ich dich schon geschlagen habe, kann ich auch ein paar Schritte weiter gehen und mir endlich einen Wunsch erfüllen“, erklärt er mir und macht sich nun an seiner Hose zu schaffen. Alles um mich dreht sich wie wild im Kreis. Wenn ich jetzt einfach liegen bleibe, wird er sich an mir vergreifen, aber ich fühle mich so schwach. „Baby, es hätte so einfach für dich sein können“, murmelt Miles, nachdem er sich zu mir vorbeugt. Lächelnd schiebt er mir das Shirt nach oben. „Nie und nimmer“, antworte ich keuchend und trete mit aller Kraft, die ich in diesem Moment aufbringen kann, zu. Scharf zieht Miles die Luft ein, dann kippt er nach vorne auf die Knie. Mit starken Kopfschmerzen springe ich auf die Beine. Schnell bringen sie mich zur Haustüre, aber ich habe Jason leider unterschätzt. Ebenfalls so schnell hechtet er mir nach. Bevor ich aus der Wohnung flüchten kann, packt er mich am Arm. „Lass mich los!“, schreie ich wütend und reiße mich los. Etwas ungeschickt stolpere ich über die Stufen. Hart falle ich auf meinen Allerwertesten. „Luca, du bist wirklich hartnäckig!“, brüllt Jason und zielt mit seiner Waffe auf mich. Ängstlich rutsche ich vor Miles weg, aber er kommt immer wieder näher. „Stehen bleiben und die Waffe fallen lassen!“, mischt sich eine dritte Stimme ein. Obwohl sie mir bekannt vorkommt, doch ich will die Pistole nicht aus den Augen lassen. „Sofort, Miles!“, sagt die Stimme mit mehr Nachdruck. Jason wird sichtlich immer nervöser, weil die Waffe in seiner Hand beginnt zu zittern. „Ich zähle bis drei und wenn sie nicht die Waffe fallen lassen, zwingen sie mich zum schießen“, droht die Stimme, „Eins...Zwei...!“ Der Fotograf lässt die Pistole sinken, hebt sie dann aber entschlossen nochmal. Wie auf Kommando ertönen vier Schüsse. Zwei von Jason und zwei von ... „Ryan!“, rufe ich mit tränenerstickter Stimme, während ich auf den leblosen Körper vor mir starre. „Ich bin da, Luca!“, antwortet er und kniet sich ganz plötzlich vor mich hin. Glücklich schließt er mich in die Arme. „Ich...Ich“, stottere ich vor mich hin. Tränen brechen ohne Vorwarnung aus mir heraus. Wäre Ryan nicht gekommen könnte ich...Nein, dann wäre ich mit Sicherheit nicht mehr am Leben. „Alles ist gut. Ich bin bei dir“, beruhigt mich mein Freund und nimmt mein Gesicht in seine Hände. Er lehnt seine Stirn an meine. „Ich hätte dich fast verloren, aber was hätte ich ohne dir nur gemacht?! Ich habe gesehen, dass ich mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen kann. Ohne dich existiere ich doch nur zur Hälfte, Luca“, redet Ryan plötzlich darauf los, „Luca, ich... ich will mehr als nur dein Partner sein und das seit Anfang an. Ich liebe dich!“ Ein dicker Kloss bildet sich in meinem Hals, während mir die Luft zum Atmen wegbleibt. Mein Mund öffnet sich, doch kein einziger Ton kommt heraus. „Erica?!“, bringe ich nur fragend heraus. Ryan bringt ein wenig Distanz zwischen uns, legt seine Hände auf meine Schultern und sieht mich fragend an. „Seikes bedeutet mir doch nichts“, antwortet er verwirrt. „Wieso hast du ihr einen braunen Umschlag gegeben? Was war das unter dem Regenschirm? Weshalb hast du nur Augen für sie? Wo warst du, als ich dich am meisten gebraucht habe? Wie hätte ich dir je sagen können, dass ich dich vom ganzen Herzen liebe, wenn du nur Erica siehst?“, lösen sich meine Emotionen von einem Augenblick auf den anderen. Die Überraschung schlägt in Wut um. „Du hast was und wer vergessen“, bemerkt Ryan sarkastisch, „Spaß beiseite. Ich erkläre dir alles.“ Horatio taucht hinter meinem Kollegen auf. Unser Chef reicht ihm einen Eisbeutel. Es ist eine Wohltat als Ryan mir den Beutel auf die Kopfwunde drückt. „In dem braunen Umschlag befand sich das Geld für ihr Diktiergerät, das ich ihr zerstört habe vor lauter Wut, weil sie uns den Fall versaut hatte. Sie hat mich unter dem Regenschirm gezogen, als es begonnen hat zu regnen, das Lachen war nicht echt. Du hast Recht, dass ich nie da war. Du hast mich gebraucht, aber ich habe versucht Erica von dir fernzuhalten. Ich wollte nicht, dass du erfährst wieso ich das Diktiergerät zerstört habe. In meinen Gedanken warst immer nur du“, erklärt er mir alles sachlich. Es steht Aussage gegen Aussage, aber wie kann ich ihm glauben? ... Sein Blick fällt Richtung Boden. Anscheinend vor Scham, die ihn wieder überfallt. Sanft lege ich meine Hand auf seine, die den Eisbeutel hält. „Ich glaube dir, Dummkopf“, versichere ihm lächelnd. Erleichterung macht sich in seinem Gesicht breit. Er entspannt sich sichtlich, als er näher kommt und seine Lippen auf meine legt. Ja, das ist eine gute Entschädigung für den Überfall... Zwischen mir und Ryan ist alles wieder im Reinen, doch Partner können wir trotzdem keine sein. Horatio möchte kein Risiko eingehen, weil wir nun ein Paar sind. Er vertraut uns, aber seine Chefs über ihm nicht. Mein Partner ist weiterhin Eric und Ryan bekommt den Neuen, Walter Simmons. In gewisser Hinsicht stärkt das unsere Beziehung leider nicht. Ryan ist sehr eifersüchtig und drei Mal dürft ihr raten auf wem... „Eric ist mein Partner... Nur mein Partner. Das musst du doch endlich akzeptieren können. Ich liebe dich“, führen wir immer dieselbe Diskussion. „Ich traue ihm aber nicht“, meint er nur grimmig und verschränkt die Arme vor der Brust. Manchmal kommt er mir vor wie ein zu groß geratenes Kind... „Ach, Ryanchen, schmoll doch nicht“, sage ich zuckersüß, während ich ihn am Ärmel zu mir ziehe, „Du traust aber mir. Reicht dir das denn nicht?“ Nachdenklich streicht er mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ohne mir zu antworten küsst er mich auf den Mund. „Ich liebe dich doch auch“, murmelt mein Liebster dann leise. So schnell wie wir anfangen zu streiten, so schnell versöhnen wir uns auch wieder. Nach den ganzen Streitigkeiten, die meist auch sehr heftig zugehen habe ich mich dazu durchgerungen mir einen neuen Partner zuteilen zu lassen. Endlich kehrt bei Familie Audira-Wolfe wieder Ruhe ein, doch es bleibt nicht allzu lange so schön. „Luca! Luca!“, ruft man mich aufgeregt. Überrascht bleibe ich stehen. Eric schließt keuchend zu mir auf. „Ryan ... Fernsehen ... ansehen“, stammelt er zwischen den kurzen Atemzügen, die er macht. „Eric, Eric. Atme tief durch. Ich verstehe kaum ein Wort“, erkläre ich und lege ihm eine Hand auf die Schulter. Einige Augenblicke steht er da, atmet tief durch, um mir dann aufgeregt die Geschichte zu erzählen. „Ryan ist im Fernsehen. Er redet irgendetwas von einem Fall!“ Kurz überschlägt sich meine Welt. „Was?!“, rufe ich dann aus und sprinte zum nächsten Fernsehgerät. Tatsächlich sieht mir mein Freund vom Display entgegen. „Den entscheidenden Beweis fand Officer Audira auf dem Boden in der Wohnung des Opfers. Apropos! Luca Audira willst du meine Frau werden?“, fragt er vor aller Welt. Überrascht, geschockt und überwältigt gleichzeitig stehe ich nur da. „Und was sagst?“, fragt man mich. Noch immer etwas starr drehe ich mich um. Ryan steht keine zehn Meter von mir entfernt in der Eingangshalle des Departments. Hinter ihm ein Kameramann, Horatio, Eric und der Rest des Teams. Je länger ich mit der Antwort warte so unruhiger wird Ryan, tritt nervös von einem Fuß auf den anderen. Einen Moment lang lasse ich ihn noch zappeln, bevor ich ihm dann überglücklich antworte: „Ja! Ich will!“ Die Distanz zwischen uns überwinden wir schnell, schließen uns dann beflügelt in die Arme. „Ich liebe dich, Luca“, flüstert er mir ins Ohr. „Und bald kannst du das noch jemanden sagen“, gestehe ich ihm gleich, weil es einfach der richtige Augenblick ist. Verwirrt sieht er mich an. „Du wirst Vater, Ryan!“, übersetzt Eric für mich und klopft seinem Kollegen freundschaftlich auf die Schulter, „Herzlichen Glückwunsch!“ „Das ist der schönste Tag meines Lebens, danke“, sagt Ryan und küsst mich lange. Bis ich meine Füße gar nicht mehr sehen kann, arbeite ich im Labor, natürlich nur die harmlosen Sachen. Die schönsten Augenblicke sind die in denen man die Tritte unseres Sohnes spüren und auch sehen kann. „Er wird später sicher Kickboxer“, witzelt Ryan immer und vielleicht hat er ja gar nicht so Unrecht. Lucius mit seinem rabenschwarzen Haar ist unser kleiner Engel. Sein stetiger Begleiter ist ein Kater namens Angel, der ebenfalls schwarz ist. Er rundet unser Familienglück endgültig ab...

13.8.13 20:15, kommentieren

Ballettschuhe vs. Pistolenkugel

Mein Name ist Diana Fleur und ich bin von Beruf Tanzlehrerin. Ich unterrichte kleine Mädchen und Teenager in Ballett. Seit ich denken kann war dies immer mein Traumjob und ich habe die Jahre über nichts anderes gemacht. Meine Eltern dagegen waren nicht meiner Meinung und haben mich wie ich gerade 19 Jahre alt war vor die Türe gesetzt mit den Worten: „Du kannst wiederkommen und unsere Tochter sein, wenn du einen normalen Job ergreifst.“ Sie wollten es nicht anders und ich habe mir eine kleine Wohnung und einen Job als Tanzlehrerin gesucht. Nach und nach hatte ich das Geld zusammen, um mir mein eigenes kleines Studio zu leisten und dort zu unterrichten. Freunde ... habe ich keine mehr, denn die wandten sich alle von mir ab als ich mir meinen Traum erfüllte. Eines Tages taucht dann er in meinem Leben auf und los geht es: Ein Tag wie jeder andere auch. Die Sonne scheint, wie immer in Miami, und viele Menschen tummeln sich auf den Straßen. „So, die Pause ist vorbei“, sage ich und wende mein Gesicht vom Fenster ab. Die kleinen Mädchen stehlen sich in einer Reihe auf. „Jetzt übt nochmals die Pirouette, meine Kleinen“, weise ich ihnen an und sofort machen sie sich ans Werk. Es sind wenige, die ich unterrichte, doch die bleiben mir wenigstens treu. „Au!“, reißt mich eine weinende Stimme aus meinen Gedanken und schnell stürze ich zu den Mädchen. „Lisa! Was ist passiert?“, frage ich das weinende Kind. Schniefend zeigt sie auf ihr Knie, das leicht gerötet ist. „Oh nein. Jetzt weine doch nicht“, versuche ich sie zu beruhigen, „Siehst du, es ist nicht so schlimm.“ Vorsichtig streiche ich mit meinem bestickten Tuch über die Wunde. Sie wischt sich über die Augen und lächelt schon wieder. „Na komm. Wir lassen kaltes Wasser über die Wunde laufen“, meine ich zu ihr und hebe sie hoch. „Übt bitte gemeinsam fleißig weiter“, bitte ich die anderen Mädchen und verlasse den Raum durch die einzige Türe. Kaum schließe ich diese hinter mir, stehen zwei Männer mit versteinerten Mienen vor mir und Lisa. „Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“, frage ich sie und kurz tauschen sie einen Blick aus. „Können Sie. Sind sie Frau Fleur?“, stellt der Größere der beiden eine Gegenfrage. Etwas verschreckt, aber trotzdem alarmiert sehe ich die Männer an. „Ja, das bin ich. Was gibt es denn?“, antworte ich zögernd, während Lisa mit meinen Haaren spielt. „Gut. Sie müssten uns aufs Präsidium begleiten. Ihr Sponsor wurde heute tot in seinem Büro aufgefunden“, erklärt man mir schnell und erschrocken starre ich die beiden an. Bitte?! „Ich verstehe Ihr Anliegen, doch ich habe noch einige Schülerinnen, die erst in zehn Minuten von ihren Eltern abgeholt werden“, versuche ich zu erklären und zur Bestätigung fängt Lisa an zu nörgeln. „Natürlich, wir werden mit Ihnen warten und bringen Sie dann zur Polizei. Da wir Sie gerne befragen würden“, gehen sie darauf ein. Mit einem Nicken führe ich sie in den großen Raum, in dem die Mädchen herumwuseln und sich an Pirouetten versuchen. „Möchten Sie etwas trinken?“, frage ich sie höfflich und lasse Lisa auf den Boden gleiten. „Nein, danke. Wir sind im Dienst“, winken sie synchron ab und ich nicke darauf hin.   „Setzen Sie sich bitte Ms. Fleur“, bittet mich Jesse und ich folge seiner Bitte. Da ich noch nie verhört wurde bin ich dem entsprechend nervös und spiele unbewusst mit meinen Händen. „Nervös, Ms. Fleur?“, fragt mich Jesse mit dem Blick zu meinen Händen gerichtet. „Ein wenig“, antworte ich leise, während ich meine Hände vom Tisch nehme. Um die Angst niederzukämpfen, balle ich meine Hände zu Fäusten. „Wie Sie schon im Tanzstudio erfahren haben wurde Mr. Wright tot in seinem Büro aufgefunden und wir ermitteln in diesem Fall, da es sich eindeutig um Mord handelt“, beginnt der ausgebildete Polizist die Befragung, während sein Partner still neben ihm sitzt und mich nicht aus den Augen lässt. Ein Nicken kommt als Antwort von mir und sofort geht das Gespräch weiter: „Stimmt es, dass Sie und Ihr Sponsor einige Unstimmigkeiten hatten?“ Kurz wandert mein Blick zu Walter, der mich weiterhin nur stumm ansieht, dann antworte ich auf die gestellte Frage. „Unstimmigkeiten würde ich jetzt nicht sagen. Es waren eher Meinungsverschiedenheiten“, sage ich ehrlich. „Meinungsverschiedenheiten? Worüber denn?“, hackt Jesse nach und ich erkläre ihm die Sache: „Immer weniger Mädchen wollen Ballett lernen und ich verliere immer mehr Kunden. Da hat Mr. Wright mich darauf hingewiesen, dass es mehr Kunden geben soll oder er zieht sein Sponsoring zurück.“ Die zwei Männer werfen sich einen vielsagenden Blick zu und ich erkenne meinen Fehler. „Interessant. Er wollte Ihnen also kein Geld mehr geben und da hat Sie vielleicht die Wut gepackt“, fasst Jesse schnell zusammen und steht von seinem Stuhl auf. „Sie haben uns gerade das perfekte Mordmotiv geliefert. Also wo waren Sie in der Nacht vom zehnten auf den elften November?“, klärt er mich auf und stellt sich neben mich hin. Lässig legt er seine Hände auf den Tisch und stütz sich ab. „Ich war die ganze Nacht im Studio, um mir neue Ideen für Kundengewinnung einfallen zu lassen“, antworte ich brav auf die Frage. „Ich bin mir sicher, dass das keiner bezeugen kann, weil Sie alleine waren. Habe ich da Unrecht?“, lässt mir der Polizist keine Pause und betreten lasse ich den Kopf sinken. „Dachte ich mir schon. Sie haben erfahren, dass Mr. Wright sein Geld woanders investieren wollte und Sie hätten dann ihr Tanzstudio schließen müssen. In der Nacht fahren Sie zu ihm hin und fangen einen kleinen Streit mit ihm an“, erklärt er mir seine Version und macht dazwischen eine kleine Pause, um das Gesagte wirken zu lassen, „Sie sehen den Pokal und schlagen auf ihn ein, aber nicht nur einmal, Nein, sondern gleich mehrfach. Geben Sie es doch endlich zu!“ Mit jedem Wort, das er sagt unterstreicht er die Bedeutung mit wilden Handgesten. „Das ist nicht wahr!“, rufe ich aus und drehe mich wütend zu ihm, denn er wandert durch den Raum wie ein Tiger im Käfig. „Jesse“, sagt Walter sein erstes Wort seitdem man mich hergebracht hatte, doch sein Partner geht nicht darauf ein. „Sie haben kein Alibi, aber ein Motiv und die Möglichkeiten zum Mord“, sagt er laut und packt mich grob an der Schulter. Mit mehr Nachdruck versucht Walter seinen Freund zu beruhigen. „Mr. Wright hat viele Organisationen gesponsert und wenn er einen Rückzieher macht wird er gleich umgebracht! Gestehen Sie endlich! Wir kriegen Sie sowieso dran!“, macht er einfach weiter und rüttelt mich leicht durch. Plötzlich steht Walter auf, sodass sein Sessel polternd auf den Boden fällt. Schnell geht er zu Jesse und ihm am Arm aus dem Verhörraum zerrt. Der Schreck sitzt mir noch immer in den Knochen, als es im Raum still wurde. Einzig und allein mein Atem ist zu hören. Meine Hände presse ich flach auf den Tisch als die Türe sich wieder öffnet. Walter ist dieses Mal alleine. „Diana? Ich darf doch Diana sagen?“, fragt er mich und kurz nicke ich verschreckt. „Gut, ich wollte mich für meinen Partner entschuldigen. Er ist nicht ganz bei der Sache“, erklärt er freundlich. Wieder wurde es still... Nicht ganz bei der Sache ist ein wenig untertrieben finde ich... Anscheinend wartet er auf eine Antwort, doch ich gebe ihm keine. „Sie können jetzt sicher etwas zum Trinken gebrauchen. Darf ich Sie auf einen Automatenkaffee einladen?“, bricht er das Eis und öffnet einladend die Türe. Einige Augenblicke sehe ich von Walter zur Türe hin und her. „Bitte, machen Sie es mir nicht so schwer. Sie sind nicht festgenommen und Jesse wurde auch für eine Weile beurlaubt“, erklärt er ein wenig verzweifelt und hält mir jetzt auch noch die Hand hin. „Okay, Sie haben mich überzeugt“, antworte ich schließlich und stehe von meinem Sessel auf. Zögerlich greife ich nach seiner Hand, die er mir noch immer entgegen hält. „Aber sagen Sie ja nichts meinen Kollegen nicht denn der normale Automatenkaffee ist grässlich. Für uns Polizisten gibt es eine extra Kaffeemaschine“, erzählt er grinsend und fasziniert höre ich ihm zu. Plötzlich wirkt er nicht mehr wie ein Polizist, der gnadenlos Mörder und Verbrecher jagt. Das Glitzern in seinen Augen gibt ihm einen Hauch von einem kleinen Jungen, der gerade einen Scherz ausgeheckt hat. Ganz in Gedanken trete ich durch die Türe, die er mir jetzt aufhält. „Diana, wir werden nicht daran vorbeikommen. Sie müssen mir alles erzählen. Wo Sie waren und wer Sie vielleicht gesehen haben könnte“, kommt er zurück auf das Thema Befragung und richtet zwei Kaffes her. „Es war ein Abend wie jeder andere auch“, beginne ich zu erzählen und ergreife die Tasse, die mir Walter hinhält. „Es fing vor ein paar Wochen an, dass sich immer mehr Leute von meinen Kursen abmeldeten. Mr. Wright wies mich schon auf die Folgen hin doch er versuchte mich immer zu unterstützen, wo er nur konnte. Er war der Einzige, den ich hatte. Umbringen hätte ich ihn nie können.“ Walter hört mir aufmerksam zu, macht aber nach ein paar Minuten eine einladende Geste zu der Couch, die in einer Ecke stand. „Ich verbrachte den damaligen Abend im Tanzstudio, um mir neue Ideen einfallen zu lassen, doch es kam nichts dabei heraus. Gegen Mitternacht oder so schlief ich über den Haufen Rechnungen ein und erst der Mechaniker weckte mich so gegen acht auf“, erzähle ich weiter und nehme einen Schluck vom Kaffee. Dieser wärmte mich angenehm von innen. „Wieso ist Mr. Wright der Einzige den Sie hatten?“, fragt Walter interessiert. „Freunde habe ich keine und meine Eltern glauben nie an mich. Sie wollten, dass ich studiere und später einen reichen Arzt oder Anwalt heirate doch ich brach zu meinem 17ten Geburtstag aus diesem Käfig aus. Seitdem hörte ich nie wieder etwas von Ihnen“, ist die traurige Wahrheit von meiner Familie. Walter lässt kurz den Kopf hängen. „Tut mir leid“, sagt er nach ein paar Augenblicken und verwirrt lege ich den Kopf auf die Seite. „Wieso entschuldigen Sie sich?“, frage ich ihn, da er starr auf den Boden sieht. „Da verlieren Sie eine wichtige Person und wir, die Polizei, machen Ihnen auch noch so viel Druck“, antwortet er ehrlich. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Walter ist wirklich kein normaler Polizist. Er zeigt Mitleid und Mitgefühl. So etwas habe ich schon lange nicht mehr zu spüren bekommen. „Es muss Ihnen nichts leidtun. Finden Sie bloß den Mörder, damit die Sache beendet ist und Mr. Wright Ruhe finden kann“, antworte ich ihm und er nickt kurz. „Sie sagten der Mechaniker weckte Sie auf?“, fragt er dann nach. „Ja, es müsste so gegen acht gewesen sein“, wiederholte ich die Antwort für ihn. Nachdenklich legt er den Kopf schief. „Es ist nicht viel, aber mal ein Anfang für ein Alibi“, meint er nach einer Weile, „Wir werden ihn befragen.“ In mir breitet sich eine seichte Hoffnung aus, dass man mich doch nicht als Mörderin verhaftet. Beflügelt von dem Gefühl trinke ich meinen Kaffee aus, der sich wärmend in mir ausbreitet. „Nun ja, das war es mal für heute“, fängt Walter an und lässt leicht die Schultern hängen. „Ich kann also gehen?“, frage ich zur Sicherheit nochmal nach und er beantwortet die Frage mit einem Nicken. „Gut, dann wünsche ich viel Glück bei der Suche nach dem Mörder“, verabschiede ich mich und mache eine kurze Pause, „Ach, und danke fürs Zuhören.“ Lächelnd nimmt er mir die Tasse aus der Hand und stellt diese in die Abwasch. „Ich danke für die Kooperation“, sagt er und öffnet die Türe. Mit ein paar Schritten bin ich bei dieser draußen konnte Walters Geflüster aber noch hören. „Hoffentlich sehen wir uns bald wieder“, murmelte er leise, während ich den Gang entlang gehe hoffte ich dasselbe. Ja, ich wollte ihn unbedingt wiedersehen. Nur vielleicht nicht in Handschellen oder hinter Gitter. Aus dem Polizei Department draußen spaziere ich durch die Stadt nach Hause. Die Sonne verschwindet hinter dem Horizont, als ich gerade die Türe zu meiner Wohnung aufsperre. Home sweet Home, begrüßt mich meine Fußmatte. Den restlichen Abend ließ ich in Ruhe mit einer schönen Tasse Tee und einem guten Buch ausklingen. Lange hatte ich aber nicht gelesen, denn ich schlief sehr schnell über dem Buch ein. Wie jeden Morgen weckt mich mein Wecker mit seinem schrillen Klingeln um punkt acht Uhr. „Verflucht! Lass mich schlafen!“, grummle ich verschlafen und drehe mich auf die andere Seite. Ohne Erbarmen klingelt der Wecker weiter und ich gebe mich geschlagen. Noch ein wenig verdattert schalte ich den Störenfried aus und stehe auf. Das Frühstück lasse ich wie jeden Morgen ausfallen. Früher war das immer eine Familientradition das gemeinsame Frühstück, doch seit meine Eltern nicht mehr an mich glauben brauche ich ihre Traditionen nicht. Gemütlich spaziere ich zu meinem Tanzstudio, obwohl ich heute gar keinen Unterricht gebe. Kaum ist die Türe offen schon schalte ich die Musik ein. Meine Tasche knalle ich in Gedanken schon weit fort in eine Ecke und beginne mit den Dehnübungen. Die Töne von Tschaikowsky gehen mir gleich ins Blut über und meine Beine bewegen sich von selber. Das eine Lied endet, das nächste beginnt sogleich. Ohne es mitzubekommen wird die Türe zum Studio geöffnet und schon sitzt mir der Schrecken in den Knochen. Von einem Augenblick auf den anderen stehen vier uniformierte Polizisten vor mir und halten mir den Lauf ihrer Waffen entgegen. „Sie sind verhaftet Diana Fleur“, höre ich eine bekannte Stimme sagen, während ich erschrocken die Hände hebe. Jesse taucht hinter den Polizisten auf und sein Grinsen lässt mein Blut in den Adern gefrieren. „Das können Sie nicht machen! Ich habe nichts getan!“, verteidige ich mich, als man mir die Hände auf den Rücken dreht und Handschellen anlegt. „Ich kann sehr wohl denn es besteht Fluchtgefahr, weil Sie Ihr Tanzstudio ohne den Spenden von Mr. Wright nicht erhalten können“, klärt er mich auf und bevor ich etwas erwidern konnte wurde ich aus dem Raum gestoßen. „Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie sagen kann und wird bei Gericht gegen Sie verwendet“, ist der Standardsatz von ihm und verfrachtet mich auf den Rücksitz eines Polizeiwagens. So viel dazu, dass er für eine Weile beurlaubt wurde... Gefrustet wage ich es kaum mich zu bewegen und sehe während der Fahrt aus dem Fenster. Häuser und Parks zischen schemenhaft daran vorbei bis wir langsam vor dem Präsidium, das ich doch erst gestern bewundern durfte, stehen bleiben. „Ihr werdet euch sicher gut mit euern Zellennachbarn und Mitbewohnern verstehen“, bemerkt Jesse und ein wenig betrübt lehne ich den Kopf gegen die Fensterscheibe des Autos. Ohne Umschweifen steigt Jesse aus den Wagen und öffnet die Türe auf meiner Seite. Bevor er mich irgendwie aus den Wagen zerrt steige ich freiwillig aus. Das Glück ist doch noch auf meiner Seite heute. Walter stürmt kerzengerade auf uns zu, während sich ein leichtes Glitzern in meinen Augen bemerkbar macht. „Jesse! Was tust du hier?! Und wieso ist Diana verhaftet?!“, fragt er seinen Partner schroff und stellt sich schützend zwischen uns. „Walter, geht mir einfach aus dem Weg. Ich habe eine Befugnis von Horatio. Also spiel dich hier nicht so auf“, antwortet er ihm ebenfalls grimmig. Sie werfen sich gegenseitig böse Blicke zu. „Es ist schon okay. Jesse macht nur seinen Job“, versuche ich die Lage zu entschärfen, bevor es in eine Schlägerei übergeht. Kurz sieht mich Walter verwirrt an. „Ich werde das mit der Genehmigung überprüfen und bis dahin krümmst du ihr kein Haar“, beschwört Walter seinen Partner. Jesse jedoch antwortet nur mit einem abfälligen Grinsen. Ohne weiter darauf einzugehen nimmt er mich am Arm und zieht mich ins Department hinein. Die nächste Stunde wurde ich fotografiert, alle Daten von mir verlangt und in die nächstbeste Zelle gesteckt. Ängstlich sitze auf der kleinen Holzbank und halte meinen Blick streng auf den Boden gerichtet. „Kleine! Hast du was Schlimmes angestellt oder bist du nur eines dieser Modepüppchen von Miami, die nicht Autofahren können?“, fragt mich meine „Mitbewohnerin“. „Keines von beidem“, antworte ich, aber lasse den Blick nicht zu ihr schweifen. „So, so, also eine Rebellin“, meint die Frau und steht von ihrem Platz auf. „Du kannst mich ruhig ansehen. So hässlich bin ich auch nicht“, fordert sie mich auf, doch ich schüttele nur den Kopf. „Oh Nein. Hältst du dich für etwas Besseres? Also doch ein Modepüppchen“, interpretiert sie mein Kopfschütteln und kommt bedrohlich näher. „Niemand widersetzt sich mir!“, knurr die Frau. Plötzlich ergreift sie meinen Hals und drückt mich gegen die Wand. Paralysiert vor lauter Angst wage ich es weder zu schreien noch mich zu wehren. Ihre Hand drückt meinen Hals langsam fester zusammen. Endlich nach einer kleinen Ewigkeit finde ich mich selber wieder und versuche ihre Hand von meinem Hals zu lösen. Ihre Augen blicken mir ausdruckslos entgegen und mir wurde klar, dass sie so lange zudrücken würde bis ich mich nicht mehr bewegte. Die Kälte von der Wand dringt durch meine Klamotten, während schwarze Flecken vor meinen Augen anfangen zu tanzen. Hilfe! Warum ist keiner da um mir zu helfen?! Das ist mein Tod! Wie aufs Stichwort kommt Walter um die Ecke gebogen und brüllt plötzlich den Wachen etwas zu. Lärm kommt auf und die Zellentür wird aufgesperrt. Mindestens drei Männer zerren die Frau von mir weg. Befreit falle ich auf die Knie und hustete, während wunderbarer Sauerstoff meine Lungen füllen. Jetzt wo ich realisiere, dass ich gerettet wurde zitterte mein ganzer Körper wie Espenlaub. „Diana?! Geht es dir gut?“, fragt Walter besorgt und lässt sich zu mir auf den Boden fallen. Antworten ist nicht möglich denn ich musste weiterhin husten. „Holt einen Arzt!“, ruft Walter dann einen der Wachen zu, aber ich schüttele nur den Kopf. „Es geht schon. Ich brauche keinen Arzt“, antworte ich verspätet auf seine Frage, obwohl es war keine Antwort sondern nur Gekrächzte. „Sicher?“, fragt er nochmal nach und nickend bestätige ich seine Frage. „Komm, ich bringe dich raus und ein Schluck Wasser wird dir sicher gut tun“, meint er und hilft mir beim Aufstehen. So weit wie möglich von der Zelle setzten wir uns auf ein paar Stühle. „Warte hier. Ich hole eine Wasserflasche“, sagt Walter und verschwindet um die nächste Ecke, aber nicht ohne vorher sich nochmal umzudrehen. Wahrscheinlich will er sich sicher sein, dass ich nicht weglaufe oder umfalle. Walter läuft den Gang entlang und entdeckt nicht nur den Automaten mit den Getränken. „Wie konnte Jesse die Verhaftung von Diana Fleur durchsetzten?“, fragt er seinen Chef. Dieser sieht ihm ernst in die Augen und drückt einen Moment herum bevor er ehrlich antwortet: „Ich habe ihm die Erlaubnis gegeben. Jesse hätte sonst im Fernsehen Infos über den Fall ausgeplaudert und nicht nur Dianas Ruf geschädigt. Ich wollte sie eigentlich gleich wieder freilassen, nachdem er sie hergebracht hat, um ihn ein wenig zu beschäftigen. Walter, dein Partner ist versessen auf diesen Fall. Du musst auf ihn Acht geben. Er lässt sich nur allzu leicht täuschen.“ Walter nickt nur. Jetzt bestätigt ihm sogar sein Chef, dass sein Freund eine offene Gefahr für Diana und die Menschheit ist. Er will seinen Partner nicht aus dem Verkehr ziehen, aber anscheinend bleibt ihm nichts anderes über. „Sieh zu, dass du schnell Beweise findest und somit auch den Mörder“, rät ihm Horatio und mit der Wasserflasche macht sich Walter auf den Rückweg. „Hier! Das wird helfen“, begrüßt er mich und reicht mir die besagte Flasche voll Wasser. Bedrückendes Schweigen entsteht zwischen uns, als wir auf den Stühlen sitzen. „Es tut mir wirklich leid“, bricht Walter das Eis und leicht lächelnd winke ich ab. „Keine Sorge! Ich wollte schon immer mal die Zellen Miamis von innen sehen“, versuche ich mein Glück die Situation mit einem Witz aufzulockern. Geht ziemlich daneben.... Etwas betrübt und verwirrt sieht er mich an. „Vergiss es einfach“, antworte ich dann, „Hat man denn nur mich als Hauptverdächtige?“ Eine einfache Frage, um die peinliche Situation zu überspielen. Man konnte ihm den inneren Kampf ansehen. Anscheinend durfte er keine Infos zu laufenden Fällen ausplaudern. „Nein, es gibt da noch die Sekretärin, die kein nachprüfbares Alibi besitzt“, erklärt er mir dann doch. Wie die Schuppen fällt es mir von den Augen und mit dummem Gesicht starre ich ihn an. „Carla! Carla Fredricks?!“, frage ich erstaunt und verwundert legt er den Kopf schief. „Ja, so heißt sie“, bestätigt er meine Befürchtung. „Ich weiß, dass ihr es mir vielleicht nicht glauben werdet, aber ich habe mitbekommen, dass Carla mit Mr. Wright seit längerer Zeit ein Verhältnis hat. Sie haben sich mal lautstark darüber gestritten, als ich vor dem Büro stand. Carla sollte ihren reichen Mann verlassen, doch daran dachte sie gar nicht“, erzähle ich ihm das Ereignis und Walters Miene hellt sich auf. „Das ist ein Mordmotiv. Ich werde das gleich nachprüfen“, teilt er mir erfreut mit und ist mit einem Satz schon fast bei der Türe draußen. „Warte! Was ist mit mir?“, rufe ich ihm entsetzt hinterher und drehe mich zu ihm um. „Oh! Entschuldige“, sagt er grinsend und kratzt sich verlegen am Kopf, „Du kannst natürlich gehen, weil wir keine Beweise für eine Verhaftung haben.“ Er setzt ein zuversichtliches Lächeln auf und das gibt mir wieder Mut. „Okay. Ich vertraue dir“, murmele ich leise, als er schon längt weg ist und alleine verlasse ich ebenfalls das Department. Etwas erleichtert öffne ich nach einem kleinen Spaziergang die Eingangstüre zum Wohnhaus. Ohne Vorahnung was mich erwarten wird, steige ich seufzend die Treppen hinauf. „Diana, Diana. Haben dir deine Eltern nicht beigebracht nicht bei fremden Gesprächen zu lauschen?“, fragt man mich und erschrocken zucke ich zusammen. Vor meiner Wohnungstüre steht Carla, die Sekretärin von Mr. Wright. Sie wirkt recht entspannt wie sie an der Türe lehnt und eine Videokassette in der Hand hält. Im Gegensatz zu mir. Etwas verschreckt mache ich einen Schritt nach hinten. Ganz ruhig, Diana. Sie kann dir nichts tun. „Was willst du? Ich habe nur die Wahrheit gesagt“, antworte ich ihr gelassen. Eine wegwerfende Geste mit der Hand von ihr, dann hält sie mir die Kassette hin. „Das ist die Wahrheit und diese wird auch die Polizei erfahren, denn du hast Wright getötet und wurdest dabei auch noch gefilmt“, erklärt sie mir als ich das Band in die Hand nehme. „Nein! Damit wirst du nicht durchkommen! Du hast ihn getötet! Das ist mir jetzt klar!“, brause ich auf und wollte sofort die Treppe runterstürzen, aber Carla kommt mir zuvor. „Und jetzt lernst du fliegen, kleine Ballerina!“, verabschiedet sie sich und gibt mir einen kräftigen Stoß. Mit rudernden Armen rutsche ich die erste Stufe hinab und verliere endgültig das Gleichgewicht. Ihr höhnisches Grinsen ist das Letzte was ich sehe, bevor ich die Treppe herunterfalle. Es ist wie in Zeitlupe wie ich auf die einzelnen Stufen pralle und der Schmerz durch meine Glieder fährt. Endlich liege ich unten am Boden und kann mich kaum noch bewegen. „Ohw, hoffentlich hast du dir nicht weh getan“, sagt Carla spöttisch und verlässt breit grinsend das Haus. Das Blut rauscht in meinen Ohren und die Decke dreht sich wie ein Karussell im Kreis. Eigentlich sollte ich versuchen aufzustehen und der Polizei alles erzählen, aber ich wollte einfach nur liegen bleiben und warten bis mich jemand findet. Der Schock sitzt mir noch immer tief in den Knochen und hindert mich am logischen Denken. Nach ein paar Augenblicken hatte ich mich wieder gefangen und mache den ersten Schritt. Etwas wackelig setzte ich mich auf und warte kurz ab, ob irgendwelche Schmerzen kommen. Es kommen keine... „Wäre pures Glück, wenn ich mir nichts gebrochen hätte“, sage ich verwundert zu mir selber. Motiviert wage ich einen nächsten Schritt, aber der ist dann doch zu viel. Mein linkes Bein knickt einfach weg, als ich es belaste. „Wie gewonnen, so zerronnen“, gebe ich wieder frustriert von mir. So viel dazu... Das Glück ist wenigstens nicht so fies und lässt mich ganz alleine. Das Geräusch einer Türe ist zu hören und wenige Sekunden später steht meine Nachbarin am Treppenabsatz. „Diana?! Was ist geschehen?“, ruft sie erschrocken aus und hüpft elegant die Stufen runter. Eleganter als ich auf jeden Fall... „Ich hatte eine nette Begegnung mit einer Freundin“, antworte ich ihr, als sie sich neben mir auf den Boden kniet. „Kannst du gehen? Oder soll ich einen Krankenwagen rufen?“, fragt sie besorgt, wartet dann aber eine Antwort gar nicht ab, sondern greift zu ihrem Handy und ruft die Ambulanz an. Diese taucht nach ein paar Minuten dann schon auf und die Sanitäter kommen die zwei Stöcke rauf, während ich Juliet erzählte was passiert war. Schneller als ich schauen konnte taucht auch die Polizei vor Ort auf. „Man wird Sie im Krankenhaus befragen, weil ihre Nachbarin so etwas andeutete, dass sie gestoßen wurden“, klärt mich ein durchschnittlicher Polizist auf und mir wird ein wenig mulmig im Bauch. Wieso musste Juliet das auch der Polizei gegenüber erwähnen? Ohne weitere Ereignisse transportiert man mich ab und werde von oben bis unten untersucht. Seit einiger Zeit sitze ich schon auf dem Krankenhausbett und warte auf einen Arzt, der mich endlich aufklärt. Ein Klopfen an der Türe reißt mich aus meinen Gedanken und neugierig warte ich auf meinen Besucher. Die Tür wird geöffnet und Walter tritt ein. Irgendwie sieht er nicht gerade freundlich aus und ist es in dem Moment auch gar nicht... „Diana, Sie müssen mir da einiges erklären“, höre ich seine Stimme und ziehe eine Augenbraue nach oben. Seine Laune ist wirklich im Keller so wie sich seine Stimme anhört... Verwirrt lege ich den Kopf ein wenig schief und warte auf seine Erklärung, doch er lässt mich noch einige Augenblicke zappeln. „Sehen wir uns doch gemeinsam ein Video an“, meint er einfach und schiebt die Kassette in den Videorekorder, die ich zuerst gar nicht bemerkt hatte. Natürlich erkannte ich diese dann wieder, aber was sollte ich schon groß ausrichten können? Ihn mit meinem verletzten Fuß anfallen, sich die Kassette schnappen und mich dann nach Frankreich absetzten? Wohl kaum... Walter schaltet den Fernseher ein und schon bin ich die Hauptperson des Filmes. Ich bin im Büro von Mr. Wright zu sehen und bringe ihn um, aber dabei ist nur mein Rücken zu sehen. „Ist eigentlich egal, ob ich sage, dass ich das nicht war, weil Sie mir eh nicht glauben würden, Walter“, ist meine Antwort nachdem der Film geendet hatte und er mich mit einem strafenden Blick ansieht. „Sie könnten es ja probieren“, ist seine Aussage und unwillkürlich ziehe ich wieder die Augenbraue nach oben, weil ich ihm nicht glaube. „Ich habe ihn nicht getötet. Ich war es nicht, glaube mir“, probiere ich es mit der Wahrheit und sehe ihm dabei fest in die Augen. Ohne ein weiteres Wort von sich zu geben dreht er sich um und verlässt den Raum. „Ich wusste doch, dass du mir nicht glauben würdest“, murmele ich leise und sehe mich schon in orangener Gefängniskluft. Doch das ist mein kleinstes Problem, weil mir Walter schon sehr ans Herz gewachsen ist. Er hat an mich geglaubt, als man mich schon einbuchten wollte. Die Stunden vergehen weiter, während ich mir den Kopf über Walter zerbreche. Ebenfalls ist kein Arzt weit und breit, der mich vielleicht über mein Bein aufklären möchte. Außer dass sich eine Wache vor meiner Türe positionierte passierte rein gar nichts. Wieder reißt mich ein Klopfen aus meinen melancholischen Gedanken. „Wer ist da?“, frage ich laut und verwundert bekomme ich sogar eine Antwort. „Ihr behandelnder Arzt, Ms. Fleur“, sagt eine männliche Stimme und sofort schlägt mir mein Herz bis zum Hals. Viel zu langsam öffnet sich die Türe nun und der Arzt stellt sich vor mein Bett. „Diana, falls ich Sie mit Ihrem Vornamen ansprechen darf. Ich habe keine guten Nachrichten für Sie“, beginnt er und jetzt wird mir auch noch schlecht obendrauf. „Wir haben Sie untersucht und Ihr linker Fuß hat einiges abbekommen bei dem Sturz, aber das haben Sie sicher selber mitbekommen“, spricht der Arzt im weißen Kittel weiter, „Er ist angebrochen und dadurch ist der Knochen ein wenig gesplittert. Es tut mir wirklich leid, aber Sie müssen das Balletttanzen aufgeben sonst werden schwere Schäden zurückbleiben.“ Ein riesiger Spalt öffnet sich am weißen Boden und ich falle tief hinab. Meine Welt zerbröselt in viele Milliarden Teile und ich gleich dazu. „Ich werde Sie ein wenig alleine lassen, damit sie das verarbeiten können“, verabschiedet er sich und verschwindet fluchtartig aus dem Zimmer. Kaum wird die Türe geschlossen klopft es erneut und die Tränen unterdrückend rufe ich: „Wer ist da?“ „Ich bin es, Walter. Tut mir Leid wenn ich Sie nochmal stören muss“, antwortet man mir und sehe wie die Türklinke runtergedrückt wird. „NEIN!“, brause ich verzweifelt auf und stürze aus dem Bett. Egal, wie viele Schmerzen ich haben würde. Schluchzend falle ich vor die Türe und verhindere somit, dass Walter reinkommen kann. „Verschwinde einfach! Du glaubst sowieso nicht an mich! Keiner tut das! Das Pech verfolgt mich und anscheinend habe ich es auch verdient!“, brülle ich verzweifelt und zwischendurch schniefe ich leise. Die Tränen laufen wie Wasserfälle über meine Wangen. Jetzt war es auch schon egal wie ich einen Polizisten behandle, denn ich wandere sicher hinter Gitter. Nach meinen Vorwürfen wurde es still. Was macht er jetzt wohl? Ruft er Verstärkung oder holt er sich „ärztliche“ Hilfe? Damit man mich unter Drogen setzt... Es muss immer alles schief gehen sonst wäre ich ja nicht eine Fleur. Auf der anderen Seite der Türe lehnt sich Walter seufzend gegen diese. Die Worte treffen genau ins Schwarze. Er hatte dem Video und nicht Diana geglaubt. Er hatte sich täuschen lassen und die Frau, die ihm ins Herz schauen konnte, einfach stehen lassen. Der Blitz möge ihn hier und jetzt treffen und somit sein schlechtes Gewissen auslöschen! „Diana, ich habe einen riesigen Fehler gemacht und dem Video anstatt dir getraut. Bitte verzeih mir und lass mich rein. Ich will dir in die Augen sehen, während ich mich entschuldige“, erklärt er leise und lehnt seine Stirn gegen das Holt der Türe. So konnte er ihr wenigstens ein wenig nahe sein. „Es gibt nichts zu entschuldigen! Du hast deinen Job gemacht und jetzt lass mich in Ruhe sterben“, antwortet sie stur und traurig setzt er sich auf den Boden mit dem Rücken zur Türe. Minuten vergehen oder waren es doch eher Stunden? Bis auf die Geräusche des Krankenhauses herrscht Stille. „Walter? Bist du noch da?“, frage ich dann nach einer Weile, in der ich mich wieder beruhigt hatte. „Natürlich bin ich noch da“, antwortet er sofort und ein leichtes Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen. „Gut“, sage ich und weiß nicht so recht, was ich sagen sollte. In dem Moment wollte ich nicht alleine sein und bin froh, dass er da ist. „Könntest du ohne deinen Job leben? Würdest du dich ohne deiner Waffe leer fühlen?“, breche ich das Eis wieder und ich konnte richtig vor mir sehen wie er die Augenbrauen nach oben zieht. „Ich.. Ich glaube nicht, dass ich weder ohne meinem Job oder Waffe leben könnte. Ich habe mich einfach schon so sehr daran gewöhnt“, antwortet er, während ich meinen eingegipsten Fuß betrachte. Das dachte ich mir schon... „Der Sturz wird mir meinen Job... meinen Lebensinhalt kosten“, verbessere ich mich und werde wieder ein wenig melancholisch. „Du wirst nicht mehr tanzen können?“, fragt er aufgebracht und höre wie er eine Hand auf das Holz der Türe legt. „Nein, nie mehr“, bestätige ich ihm meinen schlimmsten Albtraum, „Meine Eltern haben sich das seit ich klein war gewünscht und jetzt ist es auch noch in Erfüllung gegangen. Irgendwie traurig.“ „Es tut mir so leid. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schlimm das für dich sein kann“, entschuldigt er sich und seufzend rutsche ich von der Türe weg. „Die Türe ist offen. Komm rein“, informiere ich Walter und kurz darauf öffnet sich diese. Wie ein Häufchen Elend sitze ich vor ihm, aber in Gedanken stehe ich vor dem Scherbenhaufen meines Lebens. „Ich helfe dir“, meint er lächelnd, doch seine Augen verraten mir wie mies er sich in dem Moment fühlt. Er ergreift einfach meine Hände und zieht mich an denen vorsichtig zu sich nach oben. Sodass ich nicht umfallen konnte legt er seine Arme um meine Hüften. „Es tut mir wirklich leid, aber wenn ich darf, helfe ich dir mit deinem Scherbenhaufen“, sagt er ehrlich und streicht mir eine Haarsträhne hinters Ohr. Antworten wollte ich nicht, sondern falle ihm nur um den Hals. „Mein liebstes Ballettstück ist Schwanensee von Tschaikowsky“, gibt Walter plötzlich von sich preis und verwirrt sehe ich ihn kurz an. „Wenn ich der Schwan wäre, müsstest du mich jetzt hochheben und danach küssen“, verstehe ich dann die Anspielung und mache mit. „Ich lasse das hochheben aus und gehe lieber zum Ende über, Diana. Man sollte schöne Schwäne nicht warten lassen“, antwortet er und mein Gesicht in seine Hände. Seine Lippen legen sich auf meine und ohne Ballettschuhe schwebe ich im siebten Schwanenhimmel. „Ich mag dich auch“, sage ich grinsend nachdem er den Kuss gelöst hatte. „Bevor wir das jetzt weiter vertiefen, muss ich dir noch sagen, dass du nicht mehr unter Mordverdacht stehst“, erklärt er mir seelenruhig, während er mir nochmals eine Haarsträhne hinters Ohr streicht, „Das Video wurde analysiert und als Fälschung entlarvt. Es tut mir so leid, dass ich dir nicht geglaubt habe.“ Überglücklich lege ich ihm meine Hand auf seine Wange. „Das Wichtigste ist doch, dass du den Fehler schnell bemerkt hast“, muntere ich ihn lächelnd auf. Der Tag ist also gelaufen. Mehr schlecht als recht, aber wie geht es jetzt weiter? Mein Fuß heilte schnell, doch mein Studio konnte ich trotzdem an den Nagel hängen. Mit Walters Unterstützung schloss ich meine Schule für immer und verkaufte die Räume weiter an einen Makler. „Ich bin so aufgeregt!“, erwähne ich zum tausendsten Mal, während ichaufgeregt auf und ab hopse. „Ganz ruhig, Kleine“, beruhigt mich Walter lächelnd und legt mir seinen Arm um die Schulter. „Aber das ist das erste Mal, dass ich das Stück „Schwanensee“ live sehe“, erwidere ich. Ganz hibbelig sauge ich jeden Augenblick in mich auf. „Hier sind unsere Sitze“, weist mich mein Freund hin, „Ich hole uns nur schnell was zum Trinken. Ich bin gleich zurück.“ Kurz sehe ich ihm hinter her, konzentriere mich dann aber wieder auf die Umgebung. Nach einigen Minuten geht das Licht aus und besorgt sehe ich mich um. Walter ist bis jetzt noch immer nicht aufgetaucht. Kann denn so viel los sein an der Bar? „Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bevor wir mit dem großartigen Stück beginnen, möchte ein mutiger Mann seine Freundin etwas fragen. Bühne frei für Walter Simmons!“, ertönt eine Stimme aus dem Lautspreche, während meine Augen immer größter werden. Nervös stolpert Walter auf die Bühne mit einem Mikrofon in der Hand. Zuerst kratzt er sich verlegen am Kopf, aber gibt sich dann einen sichtlichen Ruck. „Tut mir leid, dass ich vor dem wunderbaren Stück noch stören muss, aber ich habe eine wichtige Frage, die leider nicht mehr warten kann. Zu lange schiebe ich das schon hinaus. Hehe!“, beginnt er und lacht aufgeregt ins Mikro. Verwirrt lege ich den Kopf schief. Das mit den Reden muss er wohl noch ein wenig üben... „Ich mache es einfach kurz und schmerzlos. Diana Fleur, möchtest du meine Frau werden?“, fragt er vor dem ganzen Publikum und kniet sich auch noch dazu auf den Boden. „Oh mein Gott“, murmele ich überrascht, während sich alle Köpfe zu mir umdrehen. „Wäre schön, wenn du jetzt was sagen könntest“, meint Walter nach einigen Augenblicken nervös grinsend. Als würde ich aus einer Starre erwachen, stehe ich von meinem Sitz auf und lege den Weg zur Bühne schnell zurück. Überglücklich werfe ich mich in seine Arme und die restlichen Zuschauer applaudieren erfreut. Jetzt sind wir offiziell verlobt, aber das nächste Problem klopfte schon an meine Türe. Leider wortwörtlich... Es ist Samstagnachmittag als Walter und ich uns gemütlich auf das Sofa setzten. „Und schon aufgeregt, mich in meinem weißen Kleid zu sehen?“, frage ich meinen Verlobten grinsend, während ich ihm mit meinem Finger über die Brust streiche. „Natürlich, vor allem, wenn ich es dir dann wieder ausziehen darf“, grinst er mich noch breiter an. Unsere Zweisamkeit wird aber schnell wieder gestört... Verwirrt sehen wir beide zur Eingangstüre, die uns mit ihrer Klingel aus unserem Gespräch gerissen hat. „Ich gehe schon. Du sollst dich ja mit unserem Schatz ausruhen“, meint Walter gleich und küsst meinen Bauch. Wir erwarten Nachwuchs, auf den wir uns schon riesig freuen. Neugierig sehe ich über die Couchlehne, als er die Tür öffnet. „Ja? Was kann ich für Sie tun?“, fragt mein Verlobter unsere Gäste. „Oh nein! Sind wir hier etwa falsch? Wohnt hier eine gewisse Diana Fleur?“, ertönt eine allzu bekannte Stimme. Erschrocken bleibt mir der Atem weg. Was zur Hölle?! „Wahrscheinlich sind Sie der Butler oder etwas Ähnliches. Bitte gehen Sie auf die Seite“, befiehlt jetzt nun eine männliche Stimme. Jetzt reißt mir endlich der Geduldfaden... Etwas umständlich raffe ich mich von der Couch auf, was mich auch ziemlich ins Schwitzen bringt. „Jetzt haltet beide Mal die Luft an“, begrüße ich meine Eltern herzlichst, „So redet ihr nicht mit meinem Verlobten! Und den baldigen Vater eures Enkelkindes!“ Überrascht sieht Walter von mir zu meinen Eltern. „So redest du doch nicht mit deinen Eltern, Mädchen! Nach der langen Zeit könntest du ruhig ein wenig netter zu uns sein. Wir wollten dich ja vor der Katastrophe namens „Ballettstudio“ retten, aber du wolltest nicht auf uns hören“, erwidert meine Mutter streng, doch ich ziehe nur die Augenbraue nach oben. „Mutter, das kannst du dir sparen. Mein Studio habe ich an den Nagel gehängt, aber das habt ihr ja anscheinend mitbekommen, sonst würdet ihr nicht vor meiner Türe stehen“, antworte ich trotzig. Meine Eltern sehen sich erstaunt an, bevor das große Donnerwetter losbricht. „So sprichst du nicht mit deiner Mutter, Tochter! So haben wir dich nicht erzogen! Schämen solltest du dich!“, brüllt mich mein Dad plötzlich an, sodass ich erschrocken einen Schritt zurückpralle und schützen die Hände auf meinen Bauch lege. „Hey! So reden Sie nicht mit meiner Verlobten! Wenn Sie nicht akzeptieren wollen wer wir sind und was wir gemeinsam machen, dann sind Sie wohl in dieser Wohnung nicht willkommen. Ich fürchte wir haben noch einen wichtigen Termin. Tut mir leid! Schönen Tag noch oder auch nicht“, schaltet sich Walter wütend ein und schlägt meinen verwunderten Eltern die Türe vor der Nase zu. Überrascht sehe ich meinen Verlobten an. „Es tut mir leid, es hat mich ein wenig mitgerissen“, entschuldigt er sich ein wenig peinlich berührt. Glücklich umarme ich ihn. „Du hast gar keinen Grund dich zu entschuldigen! Noch nie hat sich jemand so für mich eingesetzt und vor meinen Eltern verteidigt“, erkläre ich ihm. „Och Gott, ich dachte schon, dass du jetzt vielleicht sauer auf mich wärst“, stoßt er erfreut aus, „Komm, wir haben einen wichtigen Termin. Ein Film, der auf uns wartet.“ So, nun ist das Thema mit meiner Familie ebenfalls geklärt. Die Hochzeit mussten wir leider verschieben, weil unser kleines Mädchen unbedingt schon das Licht der Welt erblicken wollte. Bevor der Pfarrer uns zu Mann und Frau erklären konnte, bekam ich meine Wehen und wurde mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht. Zur Entschädigung wurde unsere Hochzeitstorte an das Personal des Krankenhauses spendiert, weil wir nochmals eine Hochzeit planen wollten. Das zweite Mal funktionierte es auch ohne erfreuliche Störungen. Unserem Mädchen, Phoebe, folgten noch zwei Töchter. Layna und unsere Jüngste, Holly. Da wir Frauen in der Übermacht waren, wurde Walter sehr oft, um nicht zu sagen immer, von uns überstimmt. Egal um was es ging, doch beschwert hat er sich nie. Dafür liebt er uns viel zu sehr und wir ihn...

13.8.13 20:12, kommentieren