Ballettschuhe vs. Pistolenkugel

Mein Name ist Diana Fleur und ich bin von Beruf Tanzlehrerin. Ich unterrichte kleine Mädchen und Teenager in Ballett. Seit ich denken kann war dies immer mein Traumjob und ich habe die Jahre über nichts anderes gemacht. Meine Eltern dagegen waren nicht meiner Meinung und haben mich wie ich gerade 19 Jahre alt war vor die Türe gesetzt mit den Worten: „Du kannst wiederkommen und unsere Tochter sein, wenn du einen normalen Job ergreifst.“ Sie wollten es nicht anders und ich habe mir eine kleine Wohnung und einen Job als Tanzlehrerin gesucht. Nach und nach hatte ich das Geld zusammen, um mir mein eigenes kleines Studio zu leisten und dort zu unterrichten. Freunde ... habe ich keine mehr, denn die wandten sich alle von mir ab als ich mir meinen Traum erfüllte. Eines Tages taucht dann er in meinem Leben auf und los geht es: Ein Tag wie jeder andere auch. Die Sonne scheint, wie immer in Miami, und viele Menschen tummeln sich auf den Straßen. „So, die Pause ist vorbei“, sage ich und wende mein Gesicht vom Fenster ab. Die kleinen Mädchen stehlen sich in einer Reihe auf. „Jetzt übt nochmals die Pirouette, meine Kleinen“, weise ich ihnen an und sofort machen sie sich ans Werk. Es sind wenige, die ich unterrichte, doch die bleiben mir wenigstens treu. „Au!“, reißt mich eine weinende Stimme aus meinen Gedanken und schnell stürze ich zu den Mädchen. „Lisa! Was ist passiert?“, frage ich das weinende Kind. Schniefend zeigt sie auf ihr Knie, das leicht gerötet ist. „Oh nein. Jetzt weine doch nicht“, versuche ich sie zu beruhigen, „Siehst du, es ist nicht so schlimm.“ Vorsichtig streiche ich mit meinem bestickten Tuch über die Wunde. Sie wischt sich über die Augen und lächelt schon wieder. „Na komm. Wir lassen kaltes Wasser über die Wunde laufen“, meine ich zu ihr und hebe sie hoch. „Übt bitte gemeinsam fleißig weiter“, bitte ich die anderen Mädchen und verlasse den Raum durch die einzige Türe. Kaum schließe ich diese hinter mir, stehen zwei Männer mit versteinerten Mienen vor mir und Lisa. „Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“, frage ich sie und kurz tauschen sie einen Blick aus. „Können Sie. Sind sie Frau Fleur?“, stellt der Größere der beiden eine Gegenfrage. Etwas verschreckt, aber trotzdem alarmiert sehe ich die Männer an. „Ja, das bin ich. Was gibt es denn?“, antworte ich zögernd, während Lisa mit meinen Haaren spielt. „Gut. Sie müssten uns aufs Präsidium begleiten. Ihr Sponsor wurde heute tot in seinem Büro aufgefunden“, erklärt man mir schnell und erschrocken starre ich die beiden an. Bitte?! „Ich verstehe Ihr Anliegen, doch ich habe noch einige Schülerinnen, die erst in zehn Minuten von ihren Eltern abgeholt werden“, versuche ich zu erklären und zur Bestätigung fängt Lisa an zu nörgeln. „Natürlich, wir werden mit Ihnen warten und bringen Sie dann zur Polizei. Da wir Sie gerne befragen würden“, gehen sie darauf ein. Mit einem Nicken führe ich sie in den großen Raum, in dem die Mädchen herumwuseln und sich an Pirouetten versuchen. „Möchten Sie etwas trinken?“, frage ich sie höfflich und lasse Lisa auf den Boden gleiten. „Nein, danke. Wir sind im Dienst“, winken sie synchron ab und ich nicke darauf hin.   „Setzen Sie sich bitte Ms. Fleur“, bittet mich Jesse und ich folge seiner Bitte. Da ich noch nie verhört wurde bin ich dem entsprechend nervös und spiele unbewusst mit meinen Händen. „Nervös, Ms. Fleur?“, fragt mich Jesse mit dem Blick zu meinen Händen gerichtet. „Ein wenig“, antworte ich leise, während ich meine Hände vom Tisch nehme. Um die Angst niederzukämpfen, balle ich meine Hände zu Fäusten. „Wie Sie schon im Tanzstudio erfahren haben wurde Mr. Wright tot in seinem Büro aufgefunden und wir ermitteln in diesem Fall, da es sich eindeutig um Mord handelt“, beginnt der ausgebildete Polizist die Befragung, während sein Partner still neben ihm sitzt und mich nicht aus den Augen lässt. Ein Nicken kommt als Antwort von mir und sofort geht das Gespräch weiter: „Stimmt es, dass Sie und Ihr Sponsor einige Unstimmigkeiten hatten?“ Kurz wandert mein Blick zu Walter, der mich weiterhin nur stumm ansieht, dann antworte ich auf die gestellte Frage. „Unstimmigkeiten würde ich jetzt nicht sagen. Es waren eher Meinungsverschiedenheiten“, sage ich ehrlich. „Meinungsverschiedenheiten? Worüber denn?“, hackt Jesse nach und ich erkläre ihm die Sache: „Immer weniger Mädchen wollen Ballett lernen und ich verliere immer mehr Kunden. Da hat Mr. Wright mich darauf hingewiesen, dass es mehr Kunden geben soll oder er zieht sein Sponsoring zurück.“ Die zwei Männer werfen sich einen vielsagenden Blick zu und ich erkenne meinen Fehler. „Interessant. Er wollte Ihnen also kein Geld mehr geben und da hat Sie vielleicht die Wut gepackt“, fasst Jesse schnell zusammen und steht von seinem Stuhl auf. „Sie haben uns gerade das perfekte Mordmotiv geliefert. Also wo waren Sie in der Nacht vom zehnten auf den elften November?“, klärt er mich auf und stellt sich neben mich hin. Lässig legt er seine Hände auf den Tisch und stütz sich ab. „Ich war die ganze Nacht im Studio, um mir neue Ideen für Kundengewinnung einfallen zu lassen“, antworte ich brav auf die Frage. „Ich bin mir sicher, dass das keiner bezeugen kann, weil Sie alleine waren. Habe ich da Unrecht?“, lässt mir der Polizist keine Pause und betreten lasse ich den Kopf sinken. „Dachte ich mir schon. Sie haben erfahren, dass Mr. Wright sein Geld woanders investieren wollte und Sie hätten dann ihr Tanzstudio schließen müssen. In der Nacht fahren Sie zu ihm hin und fangen einen kleinen Streit mit ihm an“, erklärt er mir seine Version und macht dazwischen eine kleine Pause, um das Gesagte wirken zu lassen, „Sie sehen den Pokal und schlagen auf ihn ein, aber nicht nur einmal, Nein, sondern gleich mehrfach. Geben Sie es doch endlich zu!“ Mit jedem Wort, das er sagt unterstreicht er die Bedeutung mit wilden Handgesten. „Das ist nicht wahr!“, rufe ich aus und drehe mich wütend zu ihm, denn er wandert durch den Raum wie ein Tiger im Käfig. „Jesse“, sagt Walter sein erstes Wort seitdem man mich hergebracht hatte, doch sein Partner geht nicht darauf ein. „Sie haben kein Alibi, aber ein Motiv und die Möglichkeiten zum Mord“, sagt er laut und packt mich grob an der Schulter. Mit mehr Nachdruck versucht Walter seinen Freund zu beruhigen. „Mr. Wright hat viele Organisationen gesponsert und wenn er einen Rückzieher macht wird er gleich umgebracht! Gestehen Sie endlich! Wir kriegen Sie sowieso dran!“, macht er einfach weiter und rüttelt mich leicht durch. Plötzlich steht Walter auf, sodass sein Sessel polternd auf den Boden fällt. Schnell geht er zu Jesse und ihm am Arm aus dem Verhörraum zerrt. Der Schreck sitzt mir noch immer in den Knochen, als es im Raum still wurde. Einzig und allein mein Atem ist zu hören. Meine Hände presse ich flach auf den Tisch als die Türe sich wieder öffnet. Walter ist dieses Mal alleine. „Diana? Ich darf doch Diana sagen?“, fragt er mich und kurz nicke ich verschreckt. „Gut, ich wollte mich für meinen Partner entschuldigen. Er ist nicht ganz bei der Sache“, erklärt er freundlich. Wieder wurde es still... Nicht ganz bei der Sache ist ein wenig untertrieben finde ich... Anscheinend wartet er auf eine Antwort, doch ich gebe ihm keine. „Sie können jetzt sicher etwas zum Trinken gebrauchen. Darf ich Sie auf einen Automatenkaffee einladen?“, bricht er das Eis und öffnet einladend die Türe. Einige Augenblicke sehe ich von Walter zur Türe hin und her. „Bitte, machen Sie es mir nicht so schwer. Sie sind nicht festgenommen und Jesse wurde auch für eine Weile beurlaubt“, erklärt er ein wenig verzweifelt und hält mir jetzt auch noch die Hand hin. „Okay, Sie haben mich überzeugt“, antworte ich schließlich und stehe von meinem Sessel auf. Zögerlich greife ich nach seiner Hand, die er mir noch immer entgegen hält. „Aber sagen Sie ja nichts meinen Kollegen nicht denn der normale Automatenkaffee ist grässlich. Für uns Polizisten gibt es eine extra Kaffeemaschine“, erzählt er grinsend und fasziniert höre ich ihm zu. Plötzlich wirkt er nicht mehr wie ein Polizist, der gnadenlos Mörder und Verbrecher jagt. Das Glitzern in seinen Augen gibt ihm einen Hauch von einem kleinen Jungen, der gerade einen Scherz ausgeheckt hat. Ganz in Gedanken trete ich durch die Türe, die er mir jetzt aufhält. „Diana, wir werden nicht daran vorbeikommen. Sie müssen mir alles erzählen. Wo Sie waren und wer Sie vielleicht gesehen haben könnte“, kommt er zurück auf das Thema Befragung und richtet zwei Kaffes her. „Es war ein Abend wie jeder andere auch“, beginne ich zu erzählen und ergreife die Tasse, die mir Walter hinhält. „Es fing vor ein paar Wochen an, dass sich immer mehr Leute von meinen Kursen abmeldeten. Mr. Wright wies mich schon auf die Folgen hin doch er versuchte mich immer zu unterstützen, wo er nur konnte. Er war der Einzige, den ich hatte. Umbringen hätte ich ihn nie können.“ Walter hört mir aufmerksam zu, macht aber nach ein paar Minuten eine einladende Geste zu der Couch, die in einer Ecke stand. „Ich verbrachte den damaligen Abend im Tanzstudio, um mir neue Ideen einfallen zu lassen, doch es kam nichts dabei heraus. Gegen Mitternacht oder so schlief ich über den Haufen Rechnungen ein und erst der Mechaniker weckte mich so gegen acht auf“, erzähle ich weiter und nehme einen Schluck vom Kaffee. Dieser wärmte mich angenehm von innen. „Wieso ist Mr. Wright der Einzige den Sie hatten?“, fragt Walter interessiert. „Freunde habe ich keine und meine Eltern glauben nie an mich. Sie wollten, dass ich studiere und später einen reichen Arzt oder Anwalt heirate doch ich brach zu meinem 17ten Geburtstag aus diesem Käfig aus. Seitdem hörte ich nie wieder etwas von Ihnen“, ist die traurige Wahrheit von meiner Familie. Walter lässt kurz den Kopf hängen. „Tut mir leid“, sagt er nach ein paar Augenblicken und verwirrt lege ich den Kopf auf die Seite. „Wieso entschuldigen Sie sich?“, frage ich ihn, da er starr auf den Boden sieht. „Da verlieren Sie eine wichtige Person und wir, die Polizei, machen Ihnen auch noch so viel Druck“, antwortet er ehrlich. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Walter ist wirklich kein normaler Polizist. Er zeigt Mitleid und Mitgefühl. So etwas habe ich schon lange nicht mehr zu spüren bekommen. „Es muss Ihnen nichts leidtun. Finden Sie bloß den Mörder, damit die Sache beendet ist und Mr. Wright Ruhe finden kann“, antworte ich ihm und er nickt kurz. „Sie sagten der Mechaniker weckte Sie auf?“, fragt er dann nach. „Ja, es müsste so gegen acht gewesen sein“, wiederholte ich die Antwort für ihn. Nachdenklich legt er den Kopf schief. „Es ist nicht viel, aber mal ein Anfang für ein Alibi“, meint er nach einer Weile, „Wir werden ihn befragen.“ In mir breitet sich eine seichte Hoffnung aus, dass man mich doch nicht als Mörderin verhaftet. Beflügelt von dem Gefühl trinke ich meinen Kaffee aus, der sich wärmend in mir ausbreitet. „Nun ja, das war es mal für heute“, fängt Walter an und lässt leicht die Schultern hängen. „Ich kann also gehen?“, frage ich zur Sicherheit nochmal nach und er beantwortet die Frage mit einem Nicken. „Gut, dann wünsche ich viel Glück bei der Suche nach dem Mörder“, verabschiede ich mich und mache eine kurze Pause, „Ach, und danke fürs Zuhören.“ Lächelnd nimmt er mir die Tasse aus der Hand und stellt diese in die Abwasch. „Ich danke für die Kooperation“, sagt er und öffnet die Türe. Mit ein paar Schritten bin ich bei dieser draußen konnte Walters Geflüster aber noch hören. „Hoffentlich sehen wir uns bald wieder“, murmelte er leise, während ich den Gang entlang gehe hoffte ich dasselbe. Ja, ich wollte ihn unbedingt wiedersehen. Nur vielleicht nicht in Handschellen oder hinter Gitter. Aus dem Polizei Department draußen spaziere ich durch die Stadt nach Hause. Die Sonne verschwindet hinter dem Horizont, als ich gerade die Türe zu meiner Wohnung aufsperre. Home sweet Home, begrüßt mich meine Fußmatte. Den restlichen Abend ließ ich in Ruhe mit einer schönen Tasse Tee und einem guten Buch ausklingen. Lange hatte ich aber nicht gelesen, denn ich schlief sehr schnell über dem Buch ein. Wie jeden Morgen weckt mich mein Wecker mit seinem schrillen Klingeln um punkt acht Uhr. „Verflucht! Lass mich schlafen!“, grummle ich verschlafen und drehe mich auf die andere Seite. Ohne Erbarmen klingelt der Wecker weiter und ich gebe mich geschlagen. Noch ein wenig verdattert schalte ich den Störenfried aus und stehe auf. Das Frühstück lasse ich wie jeden Morgen ausfallen. Früher war das immer eine Familientradition das gemeinsame Frühstück, doch seit meine Eltern nicht mehr an mich glauben brauche ich ihre Traditionen nicht. Gemütlich spaziere ich zu meinem Tanzstudio, obwohl ich heute gar keinen Unterricht gebe. Kaum ist die Türe offen schon schalte ich die Musik ein. Meine Tasche knalle ich in Gedanken schon weit fort in eine Ecke und beginne mit den Dehnübungen. Die Töne von Tschaikowsky gehen mir gleich ins Blut über und meine Beine bewegen sich von selber. Das eine Lied endet, das nächste beginnt sogleich. Ohne es mitzubekommen wird die Türe zum Studio geöffnet und schon sitzt mir der Schrecken in den Knochen. Von einem Augenblick auf den anderen stehen vier uniformierte Polizisten vor mir und halten mir den Lauf ihrer Waffen entgegen. „Sie sind verhaftet Diana Fleur“, höre ich eine bekannte Stimme sagen, während ich erschrocken die Hände hebe. Jesse taucht hinter den Polizisten auf und sein Grinsen lässt mein Blut in den Adern gefrieren. „Das können Sie nicht machen! Ich habe nichts getan!“, verteidige ich mich, als man mir die Hände auf den Rücken dreht und Handschellen anlegt. „Ich kann sehr wohl denn es besteht Fluchtgefahr, weil Sie Ihr Tanzstudio ohne den Spenden von Mr. Wright nicht erhalten können“, klärt er mich auf und bevor ich etwas erwidern konnte wurde ich aus dem Raum gestoßen. „Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie sagen kann und wird bei Gericht gegen Sie verwendet“, ist der Standardsatz von ihm und verfrachtet mich auf den Rücksitz eines Polizeiwagens. So viel dazu, dass er für eine Weile beurlaubt wurde... Gefrustet wage ich es kaum mich zu bewegen und sehe während der Fahrt aus dem Fenster. Häuser und Parks zischen schemenhaft daran vorbei bis wir langsam vor dem Präsidium, das ich doch erst gestern bewundern durfte, stehen bleiben. „Ihr werdet euch sicher gut mit euern Zellennachbarn und Mitbewohnern verstehen“, bemerkt Jesse und ein wenig betrübt lehne ich den Kopf gegen die Fensterscheibe des Autos. Ohne Umschweifen steigt Jesse aus den Wagen und öffnet die Türe auf meiner Seite. Bevor er mich irgendwie aus den Wagen zerrt steige ich freiwillig aus. Das Glück ist doch noch auf meiner Seite heute. Walter stürmt kerzengerade auf uns zu, während sich ein leichtes Glitzern in meinen Augen bemerkbar macht. „Jesse! Was tust du hier?! Und wieso ist Diana verhaftet?!“, fragt er seinen Partner schroff und stellt sich schützend zwischen uns. „Walter, geht mir einfach aus dem Weg. Ich habe eine Befugnis von Horatio. Also spiel dich hier nicht so auf“, antwortet er ihm ebenfalls grimmig. Sie werfen sich gegenseitig böse Blicke zu. „Es ist schon okay. Jesse macht nur seinen Job“, versuche ich die Lage zu entschärfen, bevor es in eine Schlägerei übergeht. Kurz sieht mich Walter verwirrt an. „Ich werde das mit der Genehmigung überprüfen und bis dahin krümmst du ihr kein Haar“, beschwört Walter seinen Partner. Jesse jedoch antwortet nur mit einem abfälligen Grinsen. Ohne weiter darauf einzugehen nimmt er mich am Arm und zieht mich ins Department hinein. Die nächste Stunde wurde ich fotografiert, alle Daten von mir verlangt und in die nächstbeste Zelle gesteckt. Ängstlich sitze auf der kleinen Holzbank und halte meinen Blick streng auf den Boden gerichtet. „Kleine! Hast du was Schlimmes angestellt oder bist du nur eines dieser Modepüppchen von Miami, die nicht Autofahren können?“, fragt mich meine „Mitbewohnerin“. „Keines von beidem“, antworte ich, aber lasse den Blick nicht zu ihr schweifen. „So, so, also eine Rebellin“, meint die Frau und steht von ihrem Platz auf. „Du kannst mich ruhig ansehen. So hässlich bin ich auch nicht“, fordert sie mich auf, doch ich schüttele nur den Kopf. „Oh Nein. Hältst du dich für etwas Besseres? Also doch ein Modepüppchen“, interpretiert sie mein Kopfschütteln und kommt bedrohlich näher. „Niemand widersetzt sich mir!“, knurr die Frau. Plötzlich ergreift sie meinen Hals und drückt mich gegen die Wand. Paralysiert vor lauter Angst wage ich es weder zu schreien noch mich zu wehren. Ihre Hand drückt meinen Hals langsam fester zusammen. Endlich nach einer kleinen Ewigkeit finde ich mich selber wieder und versuche ihre Hand von meinem Hals zu lösen. Ihre Augen blicken mir ausdruckslos entgegen und mir wurde klar, dass sie so lange zudrücken würde bis ich mich nicht mehr bewegte. Die Kälte von der Wand dringt durch meine Klamotten, während schwarze Flecken vor meinen Augen anfangen zu tanzen. Hilfe! Warum ist keiner da um mir zu helfen?! Das ist mein Tod! Wie aufs Stichwort kommt Walter um die Ecke gebogen und brüllt plötzlich den Wachen etwas zu. Lärm kommt auf und die Zellentür wird aufgesperrt. Mindestens drei Männer zerren die Frau von mir weg. Befreit falle ich auf die Knie und hustete, während wunderbarer Sauerstoff meine Lungen füllen. Jetzt wo ich realisiere, dass ich gerettet wurde zitterte mein ganzer Körper wie Espenlaub. „Diana?! Geht es dir gut?“, fragt Walter besorgt und lässt sich zu mir auf den Boden fallen. Antworten ist nicht möglich denn ich musste weiterhin husten. „Holt einen Arzt!“, ruft Walter dann einen der Wachen zu, aber ich schüttele nur den Kopf. „Es geht schon. Ich brauche keinen Arzt“, antworte ich verspätet auf seine Frage, obwohl es war keine Antwort sondern nur Gekrächzte. „Sicher?“, fragt er nochmal nach und nickend bestätige ich seine Frage. „Komm, ich bringe dich raus und ein Schluck Wasser wird dir sicher gut tun“, meint er und hilft mir beim Aufstehen. So weit wie möglich von der Zelle setzten wir uns auf ein paar Stühle. „Warte hier. Ich hole eine Wasserflasche“, sagt Walter und verschwindet um die nächste Ecke, aber nicht ohne vorher sich nochmal umzudrehen. Wahrscheinlich will er sich sicher sein, dass ich nicht weglaufe oder umfalle. Walter läuft den Gang entlang und entdeckt nicht nur den Automaten mit den Getränken. „Wie konnte Jesse die Verhaftung von Diana Fleur durchsetzten?“, fragt er seinen Chef. Dieser sieht ihm ernst in die Augen und drückt einen Moment herum bevor er ehrlich antwortet: „Ich habe ihm die Erlaubnis gegeben. Jesse hätte sonst im Fernsehen Infos über den Fall ausgeplaudert und nicht nur Dianas Ruf geschädigt. Ich wollte sie eigentlich gleich wieder freilassen, nachdem er sie hergebracht hat, um ihn ein wenig zu beschäftigen. Walter, dein Partner ist versessen auf diesen Fall. Du musst auf ihn Acht geben. Er lässt sich nur allzu leicht täuschen.“ Walter nickt nur. Jetzt bestätigt ihm sogar sein Chef, dass sein Freund eine offene Gefahr für Diana und die Menschheit ist. Er will seinen Partner nicht aus dem Verkehr ziehen, aber anscheinend bleibt ihm nichts anderes über. „Sieh zu, dass du schnell Beweise findest und somit auch den Mörder“, rät ihm Horatio und mit der Wasserflasche macht sich Walter auf den Rückweg. „Hier! Das wird helfen“, begrüßt er mich und reicht mir die besagte Flasche voll Wasser. Bedrückendes Schweigen entsteht zwischen uns, als wir auf den Stühlen sitzen. „Es tut mir wirklich leid“, bricht Walter das Eis und leicht lächelnd winke ich ab. „Keine Sorge! Ich wollte schon immer mal die Zellen Miamis von innen sehen“, versuche ich mein Glück die Situation mit einem Witz aufzulockern. Geht ziemlich daneben.... Etwas betrübt und verwirrt sieht er mich an. „Vergiss es einfach“, antworte ich dann, „Hat man denn nur mich als Hauptverdächtige?“ Eine einfache Frage, um die peinliche Situation zu überspielen. Man konnte ihm den inneren Kampf ansehen. Anscheinend durfte er keine Infos zu laufenden Fällen ausplaudern. „Nein, es gibt da noch die Sekretärin, die kein nachprüfbares Alibi besitzt“, erklärt er mir dann doch. Wie die Schuppen fällt es mir von den Augen und mit dummem Gesicht starre ich ihn an. „Carla! Carla Fredricks?!“, frage ich erstaunt und verwundert legt er den Kopf schief. „Ja, so heißt sie“, bestätigt er meine Befürchtung. „Ich weiß, dass ihr es mir vielleicht nicht glauben werdet, aber ich habe mitbekommen, dass Carla mit Mr. Wright seit längerer Zeit ein Verhältnis hat. Sie haben sich mal lautstark darüber gestritten, als ich vor dem Büro stand. Carla sollte ihren reichen Mann verlassen, doch daran dachte sie gar nicht“, erzähle ich ihm das Ereignis und Walters Miene hellt sich auf. „Das ist ein Mordmotiv. Ich werde das gleich nachprüfen“, teilt er mir erfreut mit und ist mit einem Satz schon fast bei der Türe draußen. „Warte! Was ist mit mir?“, rufe ich ihm entsetzt hinterher und drehe mich zu ihm um. „Oh! Entschuldige“, sagt er grinsend und kratzt sich verlegen am Kopf, „Du kannst natürlich gehen, weil wir keine Beweise für eine Verhaftung haben.“ Er setzt ein zuversichtliches Lächeln auf und das gibt mir wieder Mut. „Okay. Ich vertraue dir“, murmele ich leise, als er schon längt weg ist und alleine verlasse ich ebenfalls das Department. Etwas erleichtert öffne ich nach einem kleinen Spaziergang die Eingangstüre zum Wohnhaus. Ohne Vorahnung was mich erwarten wird, steige ich seufzend die Treppen hinauf. „Diana, Diana. Haben dir deine Eltern nicht beigebracht nicht bei fremden Gesprächen zu lauschen?“, fragt man mich und erschrocken zucke ich zusammen. Vor meiner Wohnungstüre steht Carla, die Sekretärin von Mr. Wright. Sie wirkt recht entspannt wie sie an der Türe lehnt und eine Videokassette in der Hand hält. Im Gegensatz zu mir. Etwas verschreckt mache ich einen Schritt nach hinten. Ganz ruhig, Diana. Sie kann dir nichts tun. „Was willst du? Ich habe nur die Wahrheit gesagt“, antworte ich ihr gelassen. Eine wegwerfende Geste mit der Hand von ihr, dann hält sie mir die Kassette hin. „Das ist die Wahrheit und diese wird auch die Polizei erfahren, denn du hast Wright getötet und wurdest dabei auch noch gefilmt“, erklärt sie mir als ich das Band in die Hand nehme. „Nein! Damit wirst du nicht durchkommen! Du hast ihn getötet! Das ist mir jetzt klar!“, brause ich auf und wollte sofort die Treppe runterstürzen, aber Carla kommt mir zuvor. „Und jetzt lernst du fliegen, kleine Ballerina!“, verabschiedet sie sich und gibt mir einen kräftigen Stoß. Mit rudernden Armen rutsche ich die erste Stufe hinab und verliere endgültig das Gleichgewicht. Ihr höhnisches Grinsen ist das Letzte was ich sehe, bevor ich die Treppe herunterfalle. Es ist wie in Zeitlupe wie ich auf die einzelnen Stufen pralle und der Schmerz durch meine Glieder fährt. Endlich liege ich unten am Boden und kann mich kaum noch bewegen. „Ohw, hoffentlich hast du dir nicht weh getan“, sagt Carla spöttisch und verlässt breit grinsend das Haus. Das Blut rauscht in meinen Ohren und die Decke dreht sich wie ein Karussell im Kreis. Eigentlich sollte ich versuchen aufzustehen und der Polizei alles erzählen, aber ich wollte einfach nur liegen bleiben und warten bis mich jemand findet. Der Schock sitzt mir noch immer tief in den Knochen und hindert mich am logischen Denken. Nach ein paar Augenblicken hatte ich mich wieder gefangen und mache den ersten Schritt. Etwas wackelig setzte ich mich auf und warte kurz ab, ob irgendwelche Schmerzen kommen. Es kommen keine... „Wäre pures Glück, wenn ich mir nichts gebrochen hätte“, sage ich verwundert zu mir selber. Motiviert wage ich einen nächsten Schritt, aber der ist dann doch zu viel. Mein linkes Bein knickt einfach weg, als ich es belaste. „Wie gewonnen, so zerronnen“, gebe ich wieder frustriert von mir. So viel dazu... Das Glück ist wenigstens nicht so fies und lässt mich ganz alleine. Das Geräusch einer Türe ist zu hören und wenige Sekunden später steht meine Nachbarin am Treppenabsatz. „Diana?! Was ist geschehen?“, ruft sie erschrocken aus und hüpft elegant die Stufen runter. Eleganter als ich auf jeden Fall... „Ich hatte eine nette Begegnung mit einer Freundin“, antworte ich ihr, als sie sich neben mir auf den Boden kniet. „Kannst du gehen? Oder soll ich einen Krankenwagen rufen?“, fragt sie besorgt, wartet dann aber eine Antwort gar nicht ab, sondern greift zu ihrem Handy und ruft die Ambulanz an. Diese taucht nach ein paar Minuten dann schon auf und die Sanitäter kommen die zwei Stöcke rauf, während ich Juliet erzählte was passiert war. Schneller als ich schauen konnte taucht auch die Polizei vor Ort auf. „Man wird Sie im Krankenhaus befragen, weil ihre Nachbarin so etwas andeutete, dass sie gestoßen wurden“, klärt mich ein durchschnittlicher Polizist auf und mir wird ein wenig mulmig im Bauch. Wieso musste Juliet das auch der Polizei gegenüber erwähnen? Ohne weitere Ereignisse transportiert man mich ab und werde von oben bis unten untersucht. Seit einiger Zeit sitze ich schon auf dem Krankenhausbett und warte auf einen Arzt, der mich endlich aufklärt. Ein Klopfen an der Türe reißt mich aus meinen Gedanken und neugierig warte ich auf meinen Besucher. Die Tür wird geöffnet und Walter tritt ein. Irgendwie sieht er nicht gerade freundlich aus und ist es in dem Moment auch gar nicht... „Diana, Sie müssen mir da einiges erklären“, höre ich seine Stimme und ziehe eine Augenbraue nach oben. Seine Laune ist wirklich im Keller so wie sich seine Stimme anhört... Verwirrt lege ich den Kopf ein wenig schief und warte auf seine Erklärung, doch er lässt mich noch einige Augenblicke zappeln. „Sehen wir uns doch gemeinsam ein Video an“, meint er einfach und schiebt die Kassette in den Videorekorder, die ich zuerst gar nicht bemerkt hatte. Natürlich erkannte ich diese dann wieder, aber was sollte ich schon groß ausrichten können? Ihn mit meinem verletzten Fuß anfallen, sich die Kassette schnappen und mich dann nach Frankreich absetzten? Wohl kaum... Walter schaltet den Fernseher ein und schon bin ich die Hauptperson des Filmes. Ich bin im Büro von Mr. Wright zu sehen und bringe ihn um, aber dabei ist nur mein Rücken zu sehen. „Ist eigentlich egal, ob ich sage, dass ich das nicht war, weil Sie mir eh nicht glauben würden, Walter“, ist meine Antwort nachdem der Film geendet hatte und er mich mit einem strafenden Blick ansieht. „Sie könnten es ja probieren“, ist seine Aussage und unwillkürlich ziehe ich wieder die Augenbraue nach oben, weil ich ihm nicht glaube. „Ich habe ihn nicht getötet. Ich war es nicht, glaube mir“, probiere ich es mit der Wahrheit und sehe ihm dabei fest in die Augen. Ohne ein weiteres Wort von sich zu geben dreht er sich um und verlässt den Raum. „Ich wusste doch, dass du mir nicht glauben würdest“, murmele ich leise und sehe mich schon in orangener Gefängniskluft. Doch das ist mein kleinstes Problem, weil mir Walter schon sehr ans Herz gewachsen ist. Er hat an mich geglaubt, als man mich schon einbuchten wollte. Die Stunden vergehen weiter, während ich mir den Kopf über Walter zerbreche. Ebenfalls ist kein Arzt weit und breit, der mich vielleicht über mein Bein aufklären möchte. Außer dass sich eine Wache vor meiner Türe positionierte passierte rein gar nichts. Wieder reißt mich ein Klopfen aus meinen melancholischen Gedanken. „Wer ist da?“, frage ich laut und verwundert bekomme ich sogar eine Antwort. „Ihr behandelnder Arzt, Ms. Fleur“, sagt eine männliche Stimme und sofort schlägt mir mein Herz bis zum Hals. Viel zu langsam öffnet sich die Türe nun und der Arzt stellt sich vor mein Bett. „Diana, falls ich Sie mit Ihrem Vornamen ansprechen darf. Ich habe keine guten Nachrichten für Sie“, beginnt er und jetzt wird mir auch noch schlecht obendrauf. „Wir haben Sie untersucht und Ihr linker Fuß hat einiges abbekommen bei dem Sturz, aber das haben Sie sicher selber mitbekommen“, spricht der Arzt im weißen Kittel weiter, „Er ist angebrochen und dadurch ist der Knochen ein wenig gesplittert. Es tut mir wirklich leid, aber Sie müssen das Balletttanzen aufgeben sonst werden schwere Schäden zurückbleiben.“ Ein riesiger Spalt öffnet sich am weißen Boden und ich falle tief hinab. Meine Welt zerbröselt in viele Milliarden Teile und ich gleich dazu. „Ich werde Sie ein wenig alleine lassen, damit sie das verarbeiten können“, verabschiedet er sich und verschwindet fluchtartig aus dem Zimmer. Kaum wird die Türe geschlossen klopft es erneut und die Tränen unterdrückend rufe ich: „Wer ist da?“ „Ich bin es, Walter. Tut mir Leid wenn ich Sie nochmal stören muss“, antwortet man mir und sehe wie die Türklinke runtergedrückt wird. „NEIN!“, brause ich verzweifelt auf und stürze aus dem Bett. Egal, wie viele Schmerzen ich haben würde. Schluchzend falle ich vor die Türe und verhindere somit, dass Walter reinkommen kann. „Verschwinde einfach! Du glaubst sowieso nicht an mich! Keiner tut das! Das Pech verfolgt mich und anscheinend habe ich es auch verdient!“, brülle ich verzweifelt und zwischendurch schniefe ich leise. Die Tränen laufen wie Wasserfälle über meine Wangen. Jetzt war es auch schon egal wie ich einen Polizisten behandle, denn ich wandere sicher hinter Gitter. Nach meinen Vorwürfen wurde es still. Was macht er jetzt wohl? Ruft er Verstärkung oder holt er sich „ärztliche“ Hilfe? Damit man mich unter Drogen setzt... Es muss immer alles schief gehen sonst wäre ich ja nicht eine Fleur. Auf der anderen Seite der Türe lehnt sich Walter seufzend gegen diese. Die Worte treffen genau ins Schwarze. Er hatte dem Video und nicht Diana geglaubt. Er hatte sich täuschen lassen und die Frau, die ihm ins Herz schauen konnte, einfach stehen lassen. Der Blitz möge ihn hier und jetzt treffen und somit sein schlechtes Gewissen auslöschen! „Diana, ich habe einen riesigen Fehler gemacht und dem Video anstatt dir getraut. Bitte verzeih mir und lass mich rein. Ich will dir in die Augen sehen, während ich mich entschuldige“, erklärt er leise und lehnt seine Stirn gegen das Holt der Türe. So konnte er ihr wenigstens ein wenig nahe sein. „Es gibt nichts zu entschuldigen! Du hast deinen Job gemacht und jetzt lass mich in Ruhe sterben“, antwortet sie stur und traurig setzt er sich auf den Boden mit dem Rücken zur Türe. Minuten vergehen oder waren es doch eher Stunden? Bis auf die Geräusche des Krankenhauses herrscht Stille. „Walter? Bist du noch da?“, frage ich dann nach einer Weile, in der ich mich wieder beruhigt hatte. „Natürlich bin ich noch da“, antwortet er sofort und ein leichtes Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen. „Gut“, sage ich und weiß nicht so recht, was ich sagen sollte. In dem Moment wollte ich nicht alleine sein und bin froh, dass er da ist. „Könntest du ohne deinen Job leben? Würdest du dich ohne deiner Waffe leer fühlen?“, breche ich das Eis wieder und ich konnte richtig vor mir sehen wie er die Augenbrauen nach oben zieht. „Ich.. Ich glaube nicht, dass ich weder ohne meinem Job oder Waffe leben könnte. Ich habe mich einfach schon so sehr daran gewöhnt“, antwortet er, während ich meinen eingegipsten Fuß betrachte. Das dachte ich mir schon... „Der Sturz wird mir meinen Job... meinen Lebensinhalt kosten“, verbessere ich mich und werde wieder ein wenig melancholisch. „Du wirst nicht mehr tanzen können?“, fragt er aufgebracht und höre wie er eine Hand auf das Holz der Türe legt. „Nein, nie mehr“, bestätige ich ihm meinen schlimmsten Albtraum, „Meine Eltern haben sich das seit ich klein war gewünscht und jetzt ist es auch noch in Erfüllung gegangen. Irgendwie traurig.“ „Es tut mir so leid. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schlimm das für dich sein kann“, entschuldigt er sich und seufzend rutsche ich von der Türe weg. „Die Türe ist offen. Komm rein“, informiere ich Walter und kurz darauf öffnet sich diese. Wie ein Häufchen Elend sitze ich vor ihm, aber in Gedanken stehe ich vor dem Scherbenhaufen meines Lebens. „Ich helfe dir“, meint er lächelnd, doch seine Augen verraten mir wie mies er sich in dem Moment fühlt. Er ergreift einfach meine Hände und zieht mich an denen vorsichtig zu sich nach oben. Sodass ich nicht umfallen konnte legt er seine Arme um meine Hüften. „Es tut mir wirklich leid, aber wenn ich darf, helfe ich dir mit deinem Scherbenhaufen“, sagt er ehrlich und streicht mir eine Haarsträhne hinters Ohr. Antworten wollte ich nicht, sondern falle ihm nur um den Hals. „Mein liebstes Ballettstück ist Schwanensee von Tschaikowsky“, gibt Walter plötzlich von sich preis und verwirrt sehe ich ihn kurz an. „Wenn ich der Schwan wäre, müsstest du mich jetzt hochheben und danach küssen“, verstehe ich dann die Anspielung und mache mit. „Ich lasse das hochheben aus und gehe lieber zum Ende über, Diana. Man sollte schöne Schwäne nicht warten lassen“, antwortet er und mein Gesicht in seine Hände. Seine Lippen legen sich auf meine und ohne Ballettschuhe schwebe ich im siebten Schwanenhimmel. „Ich mag dich auch“, sage ich grinsend nachdem er den Kuss gelöst hatte. „Bevor wir das jetzt weiter vertiefen, muss ich dir noch sagen, dass du nicht mehr unter Mordverdacht stehst“, erklärt er mir seelenruhig, während er mir nochmals eine Haarsträhne hinters Ohr streicht, „Das Video wurde analysiert und als Fälschung entlarvt. Es tut mir so leid, dass ich dir nicht geglaubt habe.“ Überglücklich lege ich ihm meine Hand auf seine Wange. „Das Wichtigste ist doch, dass du den Fehler schnell bemerkt hast“, muntere ich ihn lächelnd auf. Der Tag ist also gelaufen. Mehr schlecht als recht, aber wie geht es jetzt weiter? Mein Fuß heilte schnell, doch mein Studio konnte ich trotzdem an den Nagel hängen. Mit Walters Unterstützung schloss ich meine Schule für immer und verkaufte die Räume weiter an einen Makler. „Ich bin so aufgeregt!“, erwähne ich zum tausendsten Mal, während ichaufgeregt auf und ab hopse. „Ganz ruhig, Kleine“, beruhigt mich Walter lächelnd und legt mir seinen Arm um die Schulter. „Aber das ist das erste Mal, dass ich das Stück „Schwanensee“ live sehe“, erwidere ich. Ganz hibbelig sauge ich jeden Augenblick in mich auf. „Hier sind unsere Sitze“, weist mich mein Freund hin, „Ich hole uns nur schnell was zum Trinken. Ich bin gleich zurück.“ Kurz sehe ich ihm hinter her, konzentriere mich dann aber wieder auf die Umgebung. Nach einigen Minuten geht das Licht aus und besorgt sehe ich mich um. Walter ist bis jetzt noch immer nicht aufgetaucht. Kann denn so viel los sein an der Bar? „Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bevor wir mit dem großartigen Stück beginnen, möchte ein mutiger Mann seine Freundin etwas fragen. Bühne frei für Walter Simmons!“, ertönt eine Stimme aus dem Lautspreche, während meine Augen immer größter werden. Nervös stolpert Walter auf die Bühne mit einem Mikrofon in der Hand. Zuerst kratzt er sich verlegen am Kopf, aber gibt sich dann einen sichtlichen Ruck. „Tut mir leid, dass ich vor dem wunderbaren Stück noch stören muss, aber ich habe eine wichtige Frage, die leider nicht mehr warten kann. Zu lange schiebe ich das schon hinaus. Hehe!“, beginnt er und lacht aufgeregt ins Mikro. Verwirrt lege ich den Kopf schief. Das mit den Reden muss er wohl noch ein wenig üben... „Ich mache es einfach kurz und schmerzlos. Diana Fleur, möchtest du meine Frau werden?“, fragt er vor dem ganzen Publikum und kniet sich auch noch dazu auf den Boden. „Oh mein Gott“, murmele ich überrascht, während sich alle Köpfe zu mir umdrehen. „Wäre schön, wenn du jetzt was sagen könntest“, meint Walter nach einigen Augenblicken nervös grinsend. Als würde ich aus einer Starre erwachen, stehe ich von meinem Sitz auf und lege den Weg zur Bühne schnell zurück. Überglücklich werfe ich mich in seine Arme und die restlichen Zuschauer applaudieren erfreut. Jetzt sind wir offiziell verlobt, aber das nächste Problem klopfte schon an meine Türe. Leider wortwörtlich... Es ist Samstagnachmittag als Walter und ich uns gemütlich auf das Sofa setzten. „Und schon aufgeregt, mich in meinem weißen Kleid zu sehen?“, frage ich meinen Verlobten grinsend, während ich ihm mit meinem Finger über die Brust streiche. „Natürlich, vor allem, wenn ich es dir dann wieder ausziehen darf“, grinst er mich noch breiter an. Unsere Zweisamkeit wird aber schnell wieder gestört... Verwirrt sehen wir beide zur Eingangstüre, die uns mit ihrer Klingel aus unserem Gespräch gerissen hat. „Ich gehe schon. Du sollst dich ja mit unserem Schatz ausruhen“, meint Walter gleich und küsst meinen Bauch. Wir erwarten Nachwuchs, auf den wir uns schon riesig freuen. Neugierig sehe ich über die Couchlehne, als er die Tür öffnet. „Ja? Was kann ich für Sie tun?“, fragt mein Verlobter unsere Gäste. „Oh nein! Sind wir hier etwa falsch? Wohnt hier eine gewisse Diana Fleur?“, ertönt eine allzu bekannte Stimme. Erschrocken bleibt mir der Atem weg. Was zur Hölle?! „Wahrscheinlich sind Sie der Butler oder etwas Ähnliches. Bitte gehen Sie auf die Seite“, befiehlt jetzt nun eine männliche Stimme. Jetzt reißt mir endlich der Geduldfaden... Etwas umständlich raffe ich mich von der Couch auf, was mich auch ziemlich ins Schwitzen bringt. „Jetzt haltet beide Mal die Luft an“, begrüße ich meine Eltern herzlichst, „So redet ihr nicht mit meinem Verlobten! Und den baldigen Vater eures Enkelkindes!“ Überrascht sieht Walter von mir zu meinen Eltern. „So redest du doch nicht mit deinen Eltern, Mädchen! Nach der langen Zeit könntest du ruhig ein wenig netter zu uns sein. Wir wollten dich ja vor der Katastrophe namens „Ballettstudio“ retten, aber du wolltest nicht auf uns hören“, erwidert meine Mutter streng, doch ich ziehe nur die Augenbraue nach oben. „Mutter, das kannst du dir sparen. Mein Studio habe ich an den Nagel gehängt, aber das habt ihr ja anscheinend mitbekommen, sonst würdet ihr nicht vor meiner Türe stehen“, antworte ich trotzig. Meine Eltern sehen sich erstaunt an, bevor das große Donnerwetter losbricht. „So sprichst du nicht mit deiner Mutter, Tochter! So haben wir dich nicht erzogen! Schämen solltest du dich!“, brüllt mich mein Dad plötzlich an, sodass ich erschrocken einen Schritt zurückpralle und schützen die Hände auf meinen Bauch lege. „Hey! So reden Sie nicht mit meiner Verlobten! Wenn Sie nicht akzeptieren wollen wer wir sind und was wir gemeinsam machen, dann sind Sie wohl in dieser Wohnung nicht willkommen. Ich fürchte wir haben noch einen wichtigen Termin. Tut mir leid! Schönen Tag noch oder auch nicht“, schaltet sich Walter wütend ein und schlägt meinen verwunderten Eltern die Türe vor der Nase zu. Überrascht sehe ich meinen Verlobten an. „Es tut mir leid, es hat mich ein wenig mitgerissen“, entschuldigt er sich ein wenig peinlich berührt. Glücklich umarme ich ihn. „Du hast gar keinen Grund dich zu entschuldigen! Noch nie hat sich jemand so für mich eingesetzt und vor meinen Eltern verteidigt“, erkläre ich ihm. „Och Gott, ich dachte schon, dass du jetzt vielleicht sauer auf mich wärst“, stoßt er erfreut aus, „Komm, wir haben einen wichtigen Termin. Ein Film, der auf uns wartet.“ So, nun ist das Thema mit meiner Familie ebenfalls geklärt. Die Hochzeit mussten wir leider verschieben, weil unser kleines Mädchen unbedingt schon das Licht der Welt erblicken wollte. Bevor der Pfarrer uns zu Mann und Frau erklären konnte, bekam ich meine Wehen und wurde mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht. Zur Entschädigung wurde unsere Hochzeitstorte an das Personal des Krankenhauses spendiert, weil wir nochmals eine Hochzeit planen wollten. Das zweite Mal funktionierte es auch ohne erfreuliche Störungen. Unserem Mädchen, Phoebe, folgten noch zwei Töchter. Layna und unsere Jüngste, Holly. Da wir Frauen in der Übermacht waren, wurde Walter sehr oft, um nicht zu sagen immer, von uns überstimmt. Egal um was es ging, doch beschwert hat er sich nie. Dafür liebt er uns viel zu sehr und wir ihn...

13.8.13 20:12

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