Ich mache was ich will...

Mein Name ist Lucida und ich bin die kleine Schwester von Aragorn. Man sieht es mir nicht an, aber in mir stecken eine große Kämpfernatur und sehr viel Energie. Auch wenn alle mich mit Samthandschuhen angreifen, zeige ich was ich kann. Eigentlich wollte ich immer mit meinem Bruder durch die Wälder streifen, aber davon hielt er nicht allzu viel und so durfte ich in Minas Tirith bleiben. Boromir und Faramir kenne ich schon länger dadurch. Ich wurde älter und durfte dann endlich meine eigenen Entscheidungen treffen. So packte ich meine Sachen und streife wie mein Bruder durch die Welt. In Bruchtal komme ich gerade rechtzeitig als zum Ringrat gerufen wird. Gegen den Willen von Aragorn bin ich einer der Gefährten und bin im Krieg voll dabei. Aber als dieser vorbei ist, hat sich Aragorns Verhalten kein bisschen geändert. Mal sehen wie es weitergeht... Meine Schritte hallen verzehrt von den Wänden wieder, als ich durch das Schloss laufe. Um nicht hinzufallen, halte ich den Saum meines Kleides nach oben. „Prinzessin Lucida! Bitte! Ihr wisst doch, dass ihr nicht laufen dürft. Das macht keine Prinzessin“, ermahnt mich mein ehemaliges Kindermädchen und ergreift den Saum meines Kleides. „Seht euch an. Durch das Laufen habt ihr eure Frisur ruiniert“, bemerkt sie und zupft gleich an meinen Haaren herum. Nur sehr schwer konnte ich mir ein Augenverdrehen verkneifen. „Ich muss schnell weiter, bitte“, würge ich sie ab, während ich mein Kleid wieder nach oben raffe. „Aber Prinzessin...“, ruft sie mir noch hinterher, aber ich bin schon weg. Diesmal etwas langsamer spurte ich den Gang entlang, aber nur um sofort wieder angehalten zu werden. Aragorn ergreift meinen Arm und lacht leise. „Na, na. Wo wollen wir denn so schnell hin?“, fragt er mich, während ich leise seufze. Wenn das so weitergeht komme ich nie bei meinem Ziel an. „Zu...Faramir“, antworte ich ihm zögernd. Mein Bruder lässt meinen Arm los, während er skeptisch die Augenbrauen nach oben zieht. „Habt ihr etwas vor?“, setzt er das Verhör weiter und jetzt bin ich an der Reihe die Augenbraue skeptisch nach oben zu ziehen. „Er hat vorgeschlagen einen Ausflug zu machen“, erkläre ich ihm. „Schön! Ich glaube, ich habe ihn vorhin im Garten gesehen“, erinnert er sich und nimmt kurz eine Denkerpose ein. „Danke, Ari“, säusele ich mit einem perfekten Wimpernaufschlag und drücke ihm einen Kuss auf die Wange. So schnell wie es in den furchtbaren Stöckelschuhen geht, zische ich durch die Gänge. Bei den Treppen muss ich meinen Fehler fast bereuen. Vor der letzten Stufe rutsche ich aus dem Höllenschuh und falle. Gott sei Dank nur kurz, weil mich jemand blitzschnell auffängt. „Ist bei euch alles okay?“, sorgt sich Faramir und lächelnd nicke ich. „Also was ist jetzt mit dem Ausflug, den ihr mir versprochen habt?“, frage ich ihn und einen Moment lang lacht er auf. „Ihr brecht euch fast ein Bein nur wegen einem Ausflug? Ich müsste noch etwas mit Aragorn besprechen und dann können wir los“, erklärt er, während er mir über die Wange streicht. Nachdenklich ergreift er eine Haarsträhne von mir und zwirbelt diese zwischen seinen Fingern. „Offen stehen sie euch besser“, sagt er plötzlich und greift entschlossen nach meiner Haarspange. Ganz vorsichtig zieht er sie raus und meine Haare fallen golden über meine Schultern. Der Augenblick war kurz...zu kurz. „Packt schon mal eure Sachen und wartet am Tor. Ich werde gleich euch sein“, bittet Faramir mich und ich nicke schüchtern. Als ich die Treppen wieder nach oben gehen wollte, bemerke ich, dass ich meinen Höllenschuh ja noch immer auf der Stufe habe liegen lassen. „Das ist ja fast wie im Märchen“, scherzt mein Freund und nimmt den Schuh in seine Hand. „Darf ich bitten?“, fragt er mich höflich und verbeugt sich tief vor mir. Grinsend raffe ich mein Kleid hoch und Faramir hält mir den Schuh einladend hin. „Vielen Dank, Herr Faramir“, bedanke ich mich und schlüpfe hinein. „Faramir! Aragorn wartet schon! Lucida, schön euch zu sehen!“, ruft Boromir seinem Bruder zu, während ich ihm kurz zu winke. Faramir greift schnell nach meiner Hand und küsst diese ganz sanft, bevor er sich umdreht und die Stufen hochhechtet. Wie paralysiert stehe ich noch einen Moment da. Heimlich sehe ich nach links und rechts. Niemand ist da. Also kann mich auch niemand ermahnen. Vorsichtig ziehe ich die Schuhe aus und seufze erleichtert. Die Höllenschuhe trage ich in der Hand, als ich die Treppe nach oben gehe. Träumend gehe ich durch die Gänge. Stimmen werden lauter und neugierig wie ich doch bin, schleiche ich mich näher ran. „Ihr müsst euch um meine Schwester kümmern. Sie überschätzt sich öfters“, ... Aragorns Stimme... Es hat sich also nichts geändert. Traurig blicke ich auf den Boden. „Aragorn. Ich kann eure Sorge gut verstehen, aber sie ist eure Schwester. Habt Vertrauen in Lucida und sie wird euch überraschen“, widerspricht jemand meinem Bruder. Überrascht erkenne ich Faramir. Wenigstens er hat Vertrauen in mich. Ohne einen Laut zu machen schleiche ich mich in mein Zimmer. Einerseits beflügelt, doch andererseits niedergeschlagen packe ich einige wichtige Sachen in einen Rucksack. Was braucht Aragorn denn noch?! Ich habe beim Ringkrieg mitgekämpft und überlebt! Als ich die Türe vom Kasten öffne, der nächste Schock, der mich überwältigt. Nur Kleider in verschiedensten Farben hingen darin, aber keine einzige Hose! Mein ehemaliges Kindermädchen kann es aber auch wirklich übertreiben. Grummelig stelle ich den Kasten auf den Kopf und da entdecke ich im hintersten Eck eine Hose in Olivgrün. Schnell aus dem Kleid raus und in gescheite Kleidung hinein. Plötzlich wird es dunkel um mich, als ich den Rucksack nehmen möchte. „Überraschung“, flüstert mir jemand ins Ohr und erschrocken lege ich meine Hände auf die, die meine Augen zuhalten. „Das ist wirklich eine Überraschung. Ich dachte, wir treffen uns am Tor“, antworte ich Faramir und ich kann wieder etwas sehen. „Als ich so durch die Stadt mit Aragorn wanderte, entdeckte ich etwas, das perfekt zu euch passen würde. Ich konnte es einfach nicht mehr erwarten es euch zu überreichen“, erklärt er und kramt dieses Etwas aus seinem Rucksack. „Tada!“, ruft er und zieht ein orangenes Tuch aus dem Inneren des Rucksackes. „Oh mein Gott, Faramir! Es sieht wundervoll aus“, staune ich und lächelnd legt er es mir um den Hals. Der Stoff ist leicht und seidig. Das helle Orange wurde durch ein paar dünne schwarze Fäden durchzogen. „Aber... Ich habe gar nichts für euch“, bemerke ich traurig und blicke auf den Boden. „Euch glücklich zu sehen ist das Einzige was ich will“, winkt er ab, aber ich wollte mich bei ihm bedanken. So komme ich einen Schritt näher und drücke ihm einen dicken Kuss auf die Wange. Er wird plötzlich ganz rot im Gesicht und bevor ich etwas sagen konnte, zieht er mich an der Hand aus dem Zimmer. „Wir müssen uns beeilen, sonst entdeckt uns euer ehemaliges Kindermädchen noch“, erklärt er die Sache, aber ich habe eine andere Vorahnung, wieso wir so schnell aufbrechen müssen. So wie er meine Hand hält fühle ich mich wirklich beflügelt und glücklich. Mein Herz pocht so schnell, dass ich fast glaube, es will aus meinem Brustkorb hüpfen. Scharf biegt er um eine Ecke und so abrupt wie er stehen bleibt, knalle ich gegen ihn. „Na, wo wollt ihr beide denn hin?“, fragt eine bekannte Stimme und irgendwie fühle ich mich ertappt. Ganz vorsichtig sehe ich an Faramir vorbei und seufze leise. Es ist nur sein Bruder Boromir... „Wir machen einen Ausflug. Drückt uns die Daumen, damit das Wetter schön bleibt“, erklärt Faramir ihm die Situation und drückt meine Hand ein wenig. Mir wird immer heißer im Gesicht und lächelnd sehe ich zum Boden hinab. „Dann wünsche ich euch beiden viel Spaß...“, meint sein Bruder darauf hin und überrascht sehe ich wieder nach oben. Keine sarkastischen Kommentare? Das ist nicht Boromirs Art... „Und stellt mir ja nichts Unanständiges an“, fügt er hinzu, als wir Hand in Hand an ihm vorbeigehen und ich verziehe grinsend das Gesicht. Da ist er ja wieder... Viel langsamer gehen wir weiter, die Treppe hinab und dann hinaus aus der Stadt. Die Sonne strahlt mit viel Kraft auf uns herab. Keine einzige Wolke ist am Himmel zu sehen. Faramir hält noch immer meine Hand und aus den Augenwinkeln beobachte ich ihn. Mein Herzschlag wird wieder etwas schneller und ich seufze lautlos. Als wir durch die Stadt gingen und er meine Hand hielt haben uns alle angesehen und ist wie im Märchen. Der Prinz und die Prinzessin... „Lucida? Lucida!“, ruft man meinen Namen und überrascht bleibe ich stehen. Eine taube Prinzessin... „Hört ihr mir zu?“, fragt er mich und ich nicke kurz. „Natürlich, höre ich euch zu“, antworte ich schnell um ihn nicht zu verletzen. „Und wollt ihr hier eine Pause machen?“, fragt er nochmals, während ich mich ein wenig umsehe. Eine schöne Wiese erstreckt sich über die Weite und in der Nähe steht eine kleine Gruppe von Bäumen, die kühlen Schatten spenden. Ein Fluss plätschert ebenfalls in der Nähe. „Ja, das hier ist eine gute Stelle“, antworte ich nach meiner Begutachtung und lasse mich ins Grüne fallen. Lächelnd klopfe ich auf den Platz neben mir. Faramir lässt den Rucksack aufs Gras sinken und baut sich vor mir auf. „Wisst ihr, was ich mich schon sehr lange frage?“, fragt er mich lächelnd und legt seinen Kopf schief, das ich aber nur erahnen konnte, weil er hinter ihm die Sonne zu sehen ist. „Nein, was denn?“, stelle ich eine Frage und grinsend beugt sich Faramir zu mir runter. „Ob ihr kitzelig seid“, antwortet er, während ich meinen Rucksack auf die Seite lege. „Was?“, keuche ich, als er sich auf mich stürzt und mich kitzelt. Ich lache laut los und geschickt setzt sich Faramir auf meinen Bauch, sodass ich mich mit meinen Füßen nicht wehren konnte. „Bitte...Ich ergebe mich... aber bitte hört auf“, bitte ich ihn lachend, während mir schon eine Träne über die Wange rinnt. Mein Bauch fängt an vor lauter Lachen an weh zu tun und Faramir zieht seine Hände zurück. Schnaufend bleibe ich im Gras liegen und sehe mir den strahlend blauen Himmel an. Es fühlt sich an als wäre ich gerade einen Marathon gelaufen. Leicht neige ich meinen Kopf auf die rechte Seite und sehe meinem Freund direkt in die Augen. Er hat sich ebenfalls am Gras niedergelassen und grinst mich breit an. „Ja, ja, grinst nur, aber es wird noch Rache geben, das schwöre ich euch“, verspreche ich ihm und halte mir die Hand vor das Gesicht, sodass mich die Sonne nicht so blendet. Stille breitet sich zwischen uns aus. Somit konnte ich die Geräusche der Natur hören. Vogelgezwitscher, Windrauschen und Wasserplätschern. Die ganzen Eindrücke machen mit ein wenig müde und entspannt strecke ich meine Hände weg von mir. Etwas Weiches streicht sanft über meinen rechten Arm. Es ist Faramirs Hand, die sich jetzt auf meine legt. Einige Augenblicke genieße ich noch die Ruhe, bevor ich meine Chance auf Rache ergreife. Böse grinsend ziehe ich meine Hand weg, um sie auf seine zu legen. Davon bekommt er jedoch gar nichts mit, weil er mit geschlossenen Augen daliegt. Schnell rolle ich mich auf seine Seite und setzte mich auf seinen Bauch. Genauso wie er vorher bei mir. Jetzt ist er das Opfer und ich die, die am längeren Ast sitzt. „Was tut ihr da?“, fragt er mich überrascht und lächelnd streiche ich ihm über die Wange. „Meine gerechte Rache nehmen“, antworte ich und fange an ihn zu kitzeln. Obwohl er lachen muss, ergreift er meine Arme und hält diese weit weg von sich. Faramir hat mehr Kraft, als ich dachte. „Das gehört sich nicht für eine Prinzessin“, scherzt er. Alarmiert sehe ich auf und schlagartig fühle ich die Gefahr, die uns plötzlich umgibt. „Auf diese Masche falle ich nicht herein, Lucida“, sagt Faramir, aber ich reagiere nicht darauf. Die Gefahr hängt wie eine dicke Regenwolke über die kleine Gruppe von Bäumen. „Lucida?“, versucht er nochmal sein Glück, während meine Augen die Umgebung absuchen. Verwirrt lässt er meine Hände los, als eine Vogelschwade von der Baumgruppe aufstob. Jetzt erkennt Faramir die Situation ebenfalls. Die Geräusche der Natur sind verstummt. Kein Vogelgezwitscher, kein Windhauch und sogar das Rauschen des Wassers hört sich jetzt leiser an, als würde der Fluss versuchen die Luft anzuhalten. „Lucida, geht bitte von mir runter“, flüstert Faramir. Er befürchtet man könnte uns beide hören. Ohne den Blick von den Bäumen zu nehmen gehe ich von meinem Freund herunter. Beschützend stellt er sich vor mich und in diesem Moment ertönen Kampfschreie. „Banditen“, murmele ich erschrocken und weiche einen Schritt zurück. „Bleibt dicht hinter mir“, befiehlt mir Faramir, aber ich denke gar nicht daran. Die Krieger rennen von der Baumgruppe auf uns zu, aber nicht nur von dort. Es ist als würden die Krieger aus dem Boden wachsen, denn sie kommen von überall her. Wir werden kämpfen müssen, wenn wir das überleben wollen. Nicht mehr lange und die Ersten werden uns erreichen. „Vorsicht“, rufe ich laut und stoße dabei Faramir auf die Seite. Einer der Banditen hätte uns beinahe erwischt. Sein Zweihänder saust durch die Luft, aber erwischt niemanden von uns. Die Waffe bohrt sich nur eine Handbreite von meinem Gesicht in die Erde. Aus dem Reflex heraus trete ich dem Mann in den Bauch. Er stolpert keuchend nach hinten und geht in die Knie, als er anhält. Faramir ergreift das Schwert, bevor ich dazu komme. Geschickt zieht er es aus der Erde und attackiert den nächsten Feind. Brotlos ohne Waffe weiche ich einem weiteren Schwerstreich aus. „Tanz ein wenig mit mir, Prinzessin“, sagt der Typ lüstern. Seine Stimme erinnert mich an ein Messer, das über einen Teller quietscht. „Aber gerne doch“, antworte ich grimmig. Zur Verteidigung habe ich gerade mal einen Stein, den ich beim Hinfallen aufgehoben habe sonst nichts. Aus Mangel an Waffen werfe ich dem Banditen den Stein entgegen. Überrascht von der Aktion prallt er zurück und versucht im allerletzten Moment das Geschoss mit seinem Schwert abzufangen. Es gelingt ihm, aber seine Waffe ließ er dabei fallen. Schnell starte ich durch, bevor er das Schwert aufheben kann. Auf halbem Wege trifft mich etwas an der Schule. Ich werde zu Boden gerissen und jetzt setzt der dumpfe Schmerz auch ein. Die Alarmglocken in meinem Kopf geben gar keine Ruhe mehr. Mit Schwung rolle ich über das Gras und stehe schwankend wieder auf den Beinen. Der Räuber, der mich niedergerissen hat, richtet sich ebenfalls wieder auf. Ein metallischer Geschmack breitet sich in meinem Mund aus. Beim Fallen habe ich mir auf die Zunge gebissen. Viel zum Nachdenken habe ich nicht, weil gleich drei Feinde direkt auf mich zu laufen. Der ganz rechts schwingt einen Morgenstern über seinem Kopf, während er näher kommt. Dieser Gesetzlose ist ein wenig schneller als seine Freunde. Also machte ich mich auf seinen Angriff bereit. Die große Metallkugel dreht sich im Kreis und saust auf mich herab, als er nur noch einen Schritt von mir entfernt ist. Im letzten Moment springe ich auf die Seite. Ich kann den Luftzug spüren, als der Morgenstern nur wenige Zentimeter neben mir im Erdreich versinkt. Von seinem eigenen Schwung nach vorne gerissen stolpert der Räuber ein paar Schritte nach vorne. Schneller als ich glaube fangt sich mein Feind wieder. Einfallsreich steige ich auf die Kette des Morgensternes, damit er seine Waffe nicht wegziehen kann. „Gib der Kleinen doch endlich den Rest“, ruft einer seiner Partner ihm zu und mein Feind wendet kurz seinen Kopf nach hinten. Die Chance ergreife ich und ramme mein Knie in seinen Bauch. Keuchend klappt er nach vorne und ist sofort außer Gefecht gesetzt. Mit einem Morgenstern habe ich noch nie gekämpft, aber der Griff fühlt sich ein wenig vertraut an. Ungeschickt schwinge ich die Kugel über meinem Kopf, während sich Schweißperlen auf meiner Stirn bilden. Tollpatschig versuche ich einen Schwertstreich abzuwehren, aber verliere durch die schweißnassen Hände die Waffe. Genau wie mein Feind. Das Metall erzeugt Funken, als die Waffen aufeinander prallen und sich in die Erde graben. Kurz sehen wir uns verblüfft an. Als erste finde ich meine Fassung wieder und ramme mein Knie in seinen Bauch. Keuchend kippt der Mann ein Stück nach vorne, aber plötzlich packt er mich am Arm. Erschrocken schlage ich mit der linken Faust fest zu und der Räuber fällt wie ein gefällter Baum um. Ein markerschütternder Schrei durchschneidet den Kampflärm und für einen kurzen Moment herrscht Stille. „Faramir!“, schniefe, während ich mich langsam in Bewegung setzte. Einige Räuber nähern sich dem am Boden liegenden Faramir. „Finger weg von ihm!“, warne ich die Männer und laufe schnell vor meinen Freund. Er liegt am Boden, hält seine Hand auf die Wunde und hebt nur kurz den Kopf, als ich meine Hand auf seine lege. „Du musst fest draufdrücken“, sage ich zu ihm und streiche über seinen Kopf, „Halte durch.“ Entschlossen stehe ich auf und ergreife den Griff des Zweihänders, der neben Faramir liegt. Das Gewicht der Waffe ist mir vertraut und breitbeinig baue ich mich vor der Räuberschar auf. „Wenn ihr uns tot sehen wollt müsst ihr euch mehr anstrengen“, rufe ich ihnen mutig zu. Geschickter als zuvor pariere ich einen Schwertstreich. Die Metalle erzeugen Funken, als sie aufeinander prallen. Wütend stoße ich den Räuber mit Kraft zurück und hole mit viel Schwung aus. Gurgelnd fällt er um und schnaufend warte ich auf den nächsten Gegner. Gleich drei Räuber stürzen sich auf mich und nur schwer konnte ich allen Angriffen ausweichen. Die Klinge streift meinen Arm, währen ein weiterer Gegner von mir niedergestreckt wird. Der Rest der Truppe sieht mich mit gemischten Gefühlen an. Einerseits eingeschüchtert, weil ich einiger ihrer Freunde niedergerungen habe, andererseits wütend, weil ich nicht so leicht zu töten bin wie ich aussehe. „Rückzug! Die kleine Prinzessin holen wir uns später!“, ruft anscheinend der Anführer und so schnell wie möglich suchen sie das Weite. Schnaufend sehe ich ihnen hinterher. Als sie bei den Bäumen verschwinden lasse ich die Waffe fallen und stürze zu Faramir. Er ist ganz bleich im Gesicht und kalter Schweiß bildet sich auf seiner Stirn. „Faramir, ihr müsst durchhalten. Hier wachst sicher das Leioskraut“, rede ich hektisch auf ihn ein und wische mit meinem Ärmel die Schweißperlen von seiner Stirn. „Du musst nur fest auf die Wunde drücken“, erkläre ich ihm noch. Antworten gibt er mir keine und schnell mache ich mich auf die Suche nach dem Kraut. Dieses soll die Blutung stillen und Entzündungen verhindern. Schon fast hysterisch durchsuche ich das Gras, aber behalte Faramir immer im Augenwinkel. „Da ist es ja“, winsele ich erfreut und reiße es ohne Bedenken aus dem Boden. Ungeschickt falle ich nach hinten, als die Pflanze schnell nachgibt. Die Haut von meinem Ellbogen reißt auf und einige Tropfen Blut rinnen auf den Stein, auf den ich gefallen bin. Aber es ist egal. Nur eines ist im Moment wichtiger. Beim Laufen überhole ich mich schon fast selber, aber es kommt mir wie eine halbe Ewigkeit vor, dass ich bei Faramir ankomme. Ohne zu zögern rupfe ich die Blätter auseinander, während ich versuche die Tränen zurückzuhalten. Faramir ist mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. Er legt seine Hand langsam auf mein Bein und erschrocken fahre ich zusammen. „Es tut mir leid, Lucida, dass ich euch nicht beschützen konnte“, flüstert er angestrengt. „Ihr müsst mich nicht beschützen. Das schaffe ich selber recht gut“, antworte ich ihm und öffne sein Hemd. Die Wunde ist nicht allzu tief, aber sie sieht nicht gut aus. „Das könnte jetzt vielleicht etwas brennen“, warne ich meinen Freund vor und lege die Blätter in die Wunde. „Au!... Das soll helfen?“, fragt er mich und ich nicke zur Bestätigung. Lächelnd reiße ich den Ärmel von meinem Hemd ab und lege den Stoff auf seine Wunde. „Lucida, ihr wisst ja gar nicht wie viel Glück ich habe“, sagt Faramir aus heiterem Himmel und greift nach meiner Hand. „Ich bin vielleicht verletzt, aber ich bin mit euch hier. Mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein“, erklärt er mir als ich den Kopf fragend schief lege. „Das ... ist süß von euch“, bedanke ich mit einem leichten Lächeln und sehe dabei zu wie er langsam seine Augen schließt. Das Kraut wirkt. Er ist eingeschlafen. Seufzend streiche ich ihm die Haare aus der Stirn. Diese sind schweißnass und kleben auf seiner Haut. Wie er so daliegt, fällt mir auf wie wichtig er mir ist. Tränen sammeln sich in meinen Augen. Tapfer versuche ich sie wegzublinzeln, aber sie lassen sich nicht aufhalten. „Bitte werdet wieder gesund“, bitte ich ihn flüsternd und lege meine Hand auf seine Wange. Die ist kalt und trotzdem feucht vom Schweiß. Besorgt ziehe ich eine Decke aus dem Rucksack und werfe diese über Faramir. „Bitte, Aragorn, mach dir Sorgen und finde uns schnell“, hoffe ich und sehe kurz in den Himmel. „Holt sie euch!“, ruft eine Stimme über die Wiese. Erschrocken zucke ich zusammen, während Lärm aufkommt. Die Räuber nähern sich auf Pferden, während ich mich über Faramir beuge. „Ich...Ich liebe euch“, gestehe ich ihm und küsse ihn zögernd auf die Lippen. Ich setzte mich wieder auf, während die Schmetterlinge in mir Samba tanzen. Entschlossen stehe ich auf und nehme den Griff des Schwertes in die Hand. Es kommt mir vor als wiege die Waffe Zentner. Meine Beine werden ein wenig zittrig. Genau wie meine Unterlippe. Das Trampeln der Hufe kommt bedrohlich näher, während mir tausend Gedanken durch den Kopf schießen. Werde ich das überleben? Werden sie Faramir auch töten? Wird Aragorn an seinen Schuldgefühlen zerbrechen? Werde ich aufhören mir Gedanken zu machen, wenn ich gleich Kämpfen muss? „Lucida, bitte passt auf euch auf“, sagt plötzlich Faramir und vor lauter Schreck lasse ich den Zweihänder fallen. Die Spitze bohrt sich in die Erde, aber ich beachte es nicht mehr. „Faramir, wieso schlaf ihr nicht? Geht es euch gut?“, frage ich ihn besorgt und ergreife die Hand, die er mir hinhält. Die Räuber habe ich schon wieder vergessen, aber so leicht lassen sie sich nicht vergessen. „Oh Gott“, kommt es erschrocken von mir, als sich einer meiner Feinde mit gezogener Waffe vor mir aufbaut. Zum Angriff kommt es aber nicht.... Die silberne Spitze eines Schwertes ragt plötzlich aus seiner Brust. „Boromir!“ staune ich überrascht, wie der Räuber leblos umfällt. „Ja, Lucida, wir haben nicht viel Zeit“, antwortet er hektisch und pariert einen Schwertstreich, „Ich passe auf meinen Bruder auf und ihr zeigt Aragorn was wirklich in euch steckt.“ Kurz sehe ich mich um und wirklich dort am Hügel sitzt er stolz auf seinem Pferd. Er reitet uns entgegen. „Ihr wisst gar nicht wie dankbar ich euch bin, Boromir“, sage ich zu ihm bevor ich mich umdrehe, das Schwert aus der Erde ziehe und meine wohlmöglich einzige Chance ergreife. „Ihr wisst gar nicht, wie dankbar ich euch wäre, wenn ihr euch ein bisschen beeilt“, murrt er und weicht einem Faustschlag aus. Grinsend schwinge ich das Schwert, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes getan. Die Räuber fallen einer nach den anderen auf den Boden, bis kein Einziger mehr steht. „Das habt ihr gut gemacht, Lucida! Obwohl ihr noch ein wenig schneller sein hättet können“, lobt mich Boromir. Viel Lob konnte ich aber von jemand anderen nicht erwarten... Schnaubend bleibt Aragorns Pferd vor mir stehen und so schnell kann ich gar nicht schauen werde ich stürmisch umarmt. „Lucida! Gott sei Dank geht es euch gut!“, meint er erleichtert und löst die Umarmung. Aragorn sieht mir in die Augen und legt seine Hände auf meine Schultern. „Ich bin jetzt nicht wichtig, Aragorn. Faramir ist schwer verletzt“, erkläre ich ihm und zeige auf den wieder schlafenden Freund. „Wir reiten sofort los“, sagt er und schnell helfe ich Boromir seinen Bruder auf das Pferd zu hieven. „Ich reite mit ihm“, erkläre ich mich bereit und steige etwas ungeschickt in den Sattel. Faramirs Kopf fallt auf meine Schulter und seufzend streiche ich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Vorsichtig gebe ich dem Pferd einen Schenkeldruck und langsam setzt es sich in Bewegung. Mir ist gar nicht klar, wie schwer es ist mit einem Bewusstlosen auf einem Pferd zu reiten. Es dauert seine Zeit, bis wir das Stadttor erreichen und der Krampf, der sich in meinem Arm gebildet hat wird schlimmer. „Schnell wir brauchen einen Arzt“, ruft Aragorn den Wachen zu. Ohne lange warten zu müssen kommt der Hofarzt angelaufen und behutsam legt man Faramir auf eine Art Trage. Er wird sofort ins Schloss getragen. Mit trüben Augen sehe ich ihnen hinterher ohne sie wirklich zusehen. „Lucida?“, fragt Aragorn, aber es klingt, als ist er meilenweit weg von mir. Müde drehe ich ein wenig den Kopf zu ihm. Alles dreht sich um mich herum. Die Welt steht plötzlich auf dem Kopf. Meine Hände werden kraftlos, eigentlich wie mein ganzer Körper. „Faramir“, flüstere ich leise, bevor ich auf die Seite rutsche und mit einem dumpfen Laut vom Pferd falle. Die Schwärze saugt mich einfach so in sich auf, während der dumpfe Schmerz in meinem Kopf langsam abebbt. Jemand streicht mir über den Kopf... Bin ich tot? Bin ich im Himmel? Oder habe ich nur schon wieder total wirre Gedanken? „Ihr müsst aufwachen. Ich bitte euch. Ihr habt mein Leben doch auf so viele Weisen bereichert mit eurer wundervollen Art“, redet dieser jemand mit mir und träge versuche ich die Augen zu öffnen. Mein Körper verweigert mir anfänglich den Dienst, aber nach dem dritten Versuch funktioniert es. Ein paar Augenblicke vergehen, bis sich meine Augen an das Licht gewöhnen und ich Faramir vor mir erkenne. Mit geschlossenen Augen sitzt er auf dem Bett, hält meine Hand und seufzt leise. „Ich bin so froh, dass es euch gut geht“, murmele ich leise und erschrecke ein wenig, wie kratzig meine Stimme sich anhört, als hätte ich tagelang nicht gesprochen. „Lucida! Ich bin froh, dass es euch gut geht“, erwidert er und drückt meine Hand leicht. „Wartet mal, wieso sitzt ihr hier und seid wohlauf?“, frage ich ihn verwirrt und setzte mich ein Stück auf. Ein stechender Schmerz fährt durch meinen Arm. Meine Gedanken purzeln nur so durch meinen Kopf, sodass sich leichte Schmerzen in meinem Kopf ausbreiten. „Der Hofarzt hat mich gesund gepflegt, während ihr im Fieberwahn lagt. Das Schwert, das euch am Arm verletzte war vergiftet und einige Tage war es ungewiss, ob ihr überleben würdet“, erklärt er schnell, aber die Traurigkeit in seinen Augen spricht Bände. „Tage? Wie lange war ich denn krank?“, frage ich entsetzt und lege meine zweite Hand auf seine. „Es waren fast sieben Tage, die ihr im Fieberwahn lagt“, antwortet er und streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht. Sonst bin ich immer die das bei ihm macht. „Ich hatte wirklich Angst, dass ich euch verliere“, sagt Faramir plötzlich und ein leichtes Lächelnd legt sich auf meine Lippen. „Dann wisst ihr, wie ich mich gefühlt habe, als ihr verletzt wurdet“, erwidere ich grinsend und auch Faramir muss lächeln. Er hegt Gefühle für mich und ich für ihn, aber keiner traut sich wirklich etwas zu sagen. So sitzen wir schweigend auf dem Bett und sehen aneinander vorbei. Schnaufend setzte ich mit weiter auf. Die Schmerzen ignorierte ich weiter. Faramir sieht mich verwirrt an, aber hält mich nicht auf. Mit verzogenem Gesicht setzte ich mich auf meine Füße vor ihm aufs Bett. Kurz sehe ich auf das Bett, weil ich sehr nervös bin. „Küss mich“, verlange ich und sehe ihm fest in die Augen. Erschrocken sieht er mich an und erstarrt für einige Momente. „Lucida...“, beginnt er, aber ich unterbreche ihn einfach: „Sagt nichts, sondern tut es einfach.“ Einen Augenblick sieht er mich an, aber dann legt er seine Hände an mein Gesicht und ganz sanft berühren seine Lippen meine. Es ist wie eine Explosion von Gefühlen in mir. Schmetterlinge, die durch meinen ganzen Körper fliegen. Zögernd löst er den Kuss und wir sehen uns in die Augen. „Ich liebe euch“, sagen wir zeitgleich und lachen leise. „Ich dachte schon, dass mit euch wird nichts mehr“, sagt eine Stimme von der Türe her. Sofort erkenne ich Aragorn, ohne mich umzudrehen. „Ich hoffe, ihr seid damit einverstanden, König von Gondor. Wenn nicht, tut es mir leid, aber ich kann nicht aufhören sie zu lieben. Niemals“, meint Faramir ernst und streicht mir mit seiner Hand über die Wange. „Ich hatte auch gar nichts anderen erhofft“, erwidert er fröhlich und setzt sich zu uns auf das Bett, „Ach, Lucida. Ich wollte mich bei dir entschuldigen, dass ich euch nichts zugetraut habe. Vor allem ich, euer Bruder, hätte Vertrauen in euch haben sollen.“ „Meint ihr das ernst? Ich bin begeistert... Überrascht aber begeistert“, reagiere ich auf seine Entschuldigung und drücke meinem Bruder einen Kuss auf die Wange. „Ich muss jetzt los. Königliche Angelegenheiten warten wiedermal auf mich“, entschuldigt er sich und geht aus dem Raum. „So, so. Ihr werdet mich immer lieben? Wirklich?“, frage ich Faramir nach einem kurzen Augenblick und lege den Kopf schief. „Für immer und ewig glaubt mir“, antwortet er, „Aber nun ruht euch ein wenig aus.“ Liebevoll streicht er mir über den Kopf und küsst mich auf die Stirn. „Aber nur wenn ihr euch zu mir legt“, sage ich grinsend und lasse mich in die Kissen fallen. Stoffrascheln ist zu hören und dann liegt er neben mir. Lächelnd kuschele ich mich an ihn, während er einen Arm um mich legt. „Schlaft ein wenig. Es wird euch gut tun. Keine Sorge, ich bleibe bei euch“, verspricht er mich. Das was er sagt bekomme ich nur noch am Rande mit, weil ich schon ein wenig vor mich hin döse. Müde öffne ich die Augen und drehe meinen Kopf. Neben mir liegt noch immer Faramir. Seine Augen beobachten jede meiner Bewegungen und lächelnd sage ich: „Du hast dein Versprechen wirklich gehalten.“ Sanft drückt er mir einen Kuss auf die Lippen. „Ich werde dich nie wieder alleine lassen.“

27.8.13 19:32

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